Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

Archiv 1 - 20.06.2001 - 20.05.2006

67114 Postings in 8047 Threads

[Homepage] - [Archiv 1] - [Archiv 2] - [Forum]

Re: Emanzipation weiterhin zeitgemäß?

Arne Hoffmann, Monday, 14.02.2005, 14:34 (vor 7660 Tagen) @ ein weiterer Andreas

Als Antwort auf: Re: Emanzipation weiterhin zeitgemäß? von ein weiterer Andreas am 14. Februar 2005 11:42:09:

Die typische deutsche Prostituierte wählt diesen Beruf wegen dessen vorzüglicher Einkommenschancen. Wohlstandsprostitution.

Mag sein, dass sie ihn deswegen wählt, aber dann irrt sie sich vermutlich. Zumindest erklärt das "Lexikon der Irrtümer über Männer und Frauen" (Eichborn Verlag) erklärt die Geschichte vom leicht und viel verdienten Geld in der Prostitution zu einem Mythos. Einer Umfrage bei 260 Berliner Anschaffenden zufolge kam jede im Schnitt auf 2000 Mark (!) monatlich. Simone Ortner von der Münchner Prostituierten-Beratungsstelle Mimikry sieht 70 Prozent aller Huren am Ende ihrer Karriere auf einem Schuldenberg. Viel Geld geht offenbar für Tagesmiete, Anzeigen und so weiter drauf, dazu kommt der Lohndruck durch Frauen aus den Staaten des ehemaligen Ostblocks mit ihren "Dumpingpreisen". Die Hamburger Promi-Prostituierte Domenica wird zitiert: "Die jungen Mädchen müssen doch wissen, was auf dem Strich auf sie zukommt. Nämlich Elend. Verdammt viel Elend. 90 von 100 Huren werden ein Fall fürs Sozialamt."

... im ersten Fall kann sich im Laufe der Zeit ein Zwangscharakter ergeben.

Tja, ein Lebensstandard an den frau sich erstmal gewöhnt hat ...

Andere Gründe dürften da von größerer Bedeutung sein: Viele Huren wissen nicht, dass sie nach ihrem Ausstieg Anspruch auf Sozialhilfe haben, sie wissen auch nicht, wohin es nach einem solchen Ausstieg beruflich gehen sollte. Die Lücke in ihrer Erwerbsbiographie ist bei der Arbeitssuche schwer zu stopfen. Dürfte den meisten Arbeitgebern schwer beizubiegen sein, dass frau zehn Jahre lang beruflich die Beine breit gemacht hat. Angeblich bekommen solche Frauen im Sozialamt auch öfter mal Sprüche zu hören wie "Sie sehen doch noch ganz gut aus, warum gehen Sie nicht weiter anschaffen?" Das ist ja alles eine Zumutung. Dazu kommt, dass viele Prostituierte körperlich und seelisch erschöpft sind, unter Depressionen, Schlafstörungen oder Medikamentenmissbrauch leiden.

Noch schlimmer war es, bevor Prostitution als "Beruf" galt: Da mussten die Frauen Einkommens- und Umsatzsteuer zahlen, aber Krankenversicherung, Arbeitslosenversicherung, vom Staat finanzierte Umschulung ... das alles war für sie praktisch nicht zugänglich. Natürlich ist die Situation für viele Huren heute noch verbesserungsbedürftig.

Arne


gesamter Thread:

 

powered by my little forum