Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Wie billig

Garfield, Monday, 25.10.2004, 21:15 (vor 7773 Tagen) @ Mischa

Als Antwort auf: Wie billig von Mischa am 25. Oktober 2004 14:50:08:

Hallo Mischa!

Hm, die Argumentation von Shanna mag zwar in gewisser Hinsicht qualifiziert sein. Das bedeutet aber nicht automatisch, daß sich auch richtig ist.

Sie geht da nämlich von einigen völlig falschen Voraussetzungen aus:

1. Hausarbeit und Kinderbetreuung sind ein Vollzeit-Job.

Das mag in den 1950er Jahren noch so gewesen sein. Heute gibt es aber bessere Haushaltsgeräte, Fertiggerichte, sehr viele Wegwerfprodukte, die nicht mehr aufwändig gepflegt werden müssen usw. So hat sich der Zeitaufwand für einen durchschnittlichen Haushalt auf 2 Stunden täglich verringert. Und wieviel Zeit Eltern im Durchschnitt für ihre Kinder aufwenden, wurde vor kurzem in einer Studie ermittelt. Es waren 15 min täglich. Da Männer häufiger auf Vollzeit arbeiten als Frauen, lagen sie mit 9 min darunter, während die Frauen mit durchschnittlich 21 min etwas darüber lagen. Somit ist die durchschnittliche Hausfrau heute 2 Stunden und 21 Minuten effektiv mit Haushalt und Kindern beschäftigt.

2. Eine Hausfrau opfert sich ausschließlich für ihren Partner auf.

Üblicherweise leben beide Partner in einem Haushalt, sind also auch beide für die Hausarbeit verantwortlich. Und für gemeinsame Kinder sind ebenfalls beide Partner verantwortlich. So erledigt eine Hausfrau 1 Stunde der täglichen Hausarbeit einzig und allein für sich selbst. Und auch 15 min der Kinderbetreuung erledigt sie einzig und allein für sich selbst. Für ihren Partner arbeitet sie also im Durchschnitt nur 1 Stunde und 6 Minuten täglich.

3. Arbeiten am und im Haus werden ausschließlich von Frauen erledigt.

Es gibt eine ganze Menge Arbeiten, die viele Frauen grundsätzlich an Männer weiter delegieren: Herausbringen des Mülls, Gartenarbeiten (die auch in Mietswohnungen häufig anfallen, wenn es Grünanlagen, aber keinen Hausmeister gibt), diverse Reparaturen am und im Haus und am Auto, Wechseln von Winterreifen etc. Bezeichnenderweise werden diese Arbeiten nie zur Hausarbeit gezählt und fallen bei entsprechenden Studien häufig unter den Tisch. Darüber hinaus leisten viele Männer, vor allem aus der jüngeren Generation, heute aber sehr wohl auch ihren Beitrag zur klassischen Hausarbeit. Auch dann, wenn die Partnerin Hausfrau ist. Das senkt die effektiven Arbeitszeiten der Hausfrauen weiter.

4. Hausfrauen werden für ihre Arbeit nicht bezahlt.

Tatsächlich haben sie sehr wohl gesetzlichen Anspruch auf einen Teil des Einkommens ihrer Partner, zumindest wenn sie verheiratet sind. Auch bei unverheirateten Paaren gibt es häufig nur ein Konto, und nicht selten verwalten die Frauen das Geld. Fakt ist auch, daß Frauen mehr Geld ausgeben als Männer, weshalb viele Unternehmen sie als hauptsächliche Zielgruppe betrachten. Wenn bei einem Paar nur der Mann arbeitet und die Frau als echte Hausfrau keinerlei eigene Einkünfte hat, lebt sie selbstverständlich ausschließlich vom Einkommen ihres Partners. Und das für weniger als 1 Stunde effektive Arbeit täglich. So ist eine Hausfrau tatsächlich also nicht unter- sondern überbezahlt.

5. Hausfrauen sind nicht fürs Alter abgesichert.

Auch im Alter lebt die Hausfrau vom Geld ihres Mannes, und wenn er stirbt, steht ihr Witwenrente zu. Zusätzlich ist es durchaus üblich, daß ein Mann für seine Frau eine Privatrente abschließt, wenn sie Hausfrau ist.

6. Hausfrauen haben es besonders schwer, wenn sie wieder in der Beruf einsteigen möchten.

Es gibt immer wieder Fördermaßnahmen des Arbeitsamtes, die nur für Frauen vorgesehen sind. Männer dagegen können bei Arbeitslosigkeit zusehen, wo sie bleiben.

7. Erwerbsarbeit ist Selbstverwirklichung.

Erwerbsarbeit dient zuallererst dazu, Geld für die Lebenshaltungskosten und vielleicht noch für den einen oder anderen Luxus heran zu schaffen. Manche Menschen haben Glück - ihnen macht ihr Job wirklich Spaß. Viele jedoch würden beruflich gern kürzer treten oder mal etwas ganz anderes tun - sie können es aber nicht, weil sie das Geld brauchen. So ist Erwerbsarbeit für die Mehrheit der Menschen mehr lästige Pflicht als Selbstverwirklichung. Und aus genau diesem Grunde zieht es auch so viele Frauen zum Hausfrauenleben hin.

8. Hausfrauen sind von ihren Männern abhängig.

Tatsächlich kann eine verheiratete Hausfrau ihren Anteil am Einkommen ihres Ehemannes sogar einklagen. Es wird schon seit Jahren emsig daran gearbeitet, ein Gesetz einzuführen, das Ehegatten dazu verpflichtet, ihre Konten vor den Partnern offen zu legen. Gedacht ist das einzig und allein dafür, den wenigen Frauen, die tatsächlich nicht wissen, wieviel Geld ihre Ehemänner haben, auch noch ein Gesetz in die Hand zu geben, um das nachzuprüfen und gegebenenfalls mehr Geld verlangen zu können. Es gibt im Gegenzug aber kein Gesetz, das eine Hausfrau dazu verpflichtet, für dieses Geld auch irgendeine Gegenleistung zu erbringen. Wenn sie also den ganzen Tag auf der Couch liegt und Talk-Shows sieht und ihr Mann nach Feierabend noch die Hausarbeit erledigt oder wenn ihr Mann von seinem Einkommen Dienstpersonal für die Hausarbeit finanziert, darf er trotzdem für seine werte Ehefrau zahlen. Und zwar auch noch nach einer Trennung, selbst dann, wenn sie die Ehe z.B. durch Fremdgehen zerstört hat. Gibt es auch noch Kinder, dann kann ein alleinverdienender Mann sicher sein, daß seine Frau diese Kinder zugesprochen bekommt und daß er dann auch noch Unterhalt für die Kinder zahlen darf. Oft werden die gesamten Unterhaltsansprüche für Ex-Frau und Kinder so hoch angesetzt, daß der Ex-Mann sie gar nicht erfüllen kann. Und er muß obendrein noch damit rechnen, die Kinder nicht mehr oder nur noch selten sehen zu dürfen. Das gemeinsame Sorgerecht hat daran nicht viel geändert. Dieses Szenario hat jeder klar denkende Ehemann und Vater vor Augen, wenn es in der Beziehung mal kriselt. So sitzt dann tatsächlich die angeblich abhängige Hausfrau generell am längeren Hebel und kann ihrem Ehemann alles diktieren, was sie möchte.

Wenn man das alles negiert und seine Argumentation auf alle diese Denkfehler aufbaut, dann wird diese Argumentation damit automatisch falsch, ganz egal, welche Kenntnisse man dort hinein packt.

Natürlich gibt es die klassische Nur-Hausfrau kaum noch. Die Lebenshaltungskosten steigen seit Jahren schneller als die Einkommen, und so wird es für die Männer immer schwieriger, die Familien allein zu ernähren. Dazu kommt, daß Männer mehr von Arbeitslosigkeit betroffen sind als Frauen. So arbeiten viele Frauen auf Teilzeit. Aber wer hindert sie daran, das Geld, das sie so verdienen, zum Teil für private Altersvorsorge zu verwenden?

Materieller Unterhalt für Frauen war und ist in der Rechtssprechung immer und überall ein zentrales Thema. Das allein sorgt schon dafür, daß gerade Hausfrauen nicht zu kurz kommen.

Freundliche Grüße
von Garfield


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