Re: keine Zustimmung!
Als Antwort auf: Re: keine Zustimmung! von Simon am 01. Oktober 2004 18:45:30:
Hallo Simon!
"Mit ging es nur um die dümmliche und von keiner Analyse getrübte Gleichsetzung von Bush und Bin Laden und die naive Michael-Moore-Gläubigkeit."
Was diese Gleichsetzung angeht habe ich ja weiter unten schon meine Meinung dazu geschrieben. Sowohl Bush als auch Bin Laden verfolgen ihre Ziele ohne Rücksicht auf Verluste, gehen dafür also auch über Leichen. Insofern sind sie durchaus vergleichbar. Der Unterschied besteht für mich vor allem darin, daß Bin Laden seine Verbrechen vermutlich (wissen kann ich es natürlich nicht, da ich ihn persönlich nicht kenne) aus Überzeugung begeht, während Bush seine Verbrechen vor allem für Geld begeht.
"Im übrigen vermisse ich bei USA-Kritikern häufig eine gewisse argumentative Konsistenz. Bekämpfen sie den politischen Islamismus, wie in Afghanistan, sind sie Imperialisten, bekämpfen sie ihn nicht, wie in Saudi-Arabien, ist's irgendwie auch nicht recht."
Das paßt nur dann nicht, wenn sich jemand in dümmliche Klischee-Schubladen setzt. Sicher gibt es diese Gutmenschen, die mal irgendwo gehört haben, daß die USA der Hort des bösen Imperialismus sind und irgendwelche Typen mit komischen Kopftüchern auf dem Kopf in der Wüste für Freiheit und gegen den bösen Imperialismus kämpfen. Und die das nun einfach nachplappern.
Aber nicht jeder, der die Machenschaften der USA kritisiert, gehört dazu. Und Michael Moore finde ich bei weitem nicht so naiv wie all die Dumpfbacken, die bei jeder Bush-Rede laut jubeln, wenn hohle Schlagworte wie "Kampf gegen Terror" fallen. Das erinnert mich immer fatal an die begeisterten "Ja"-Rufe nach Goebbels Frage "Wollt ihr den totalen Krieg?"
Ich habe bei Michael Moore ein wenig das Gefühl, daß er letzendlich mit seiner Kritik vor allem auch nur Geld verdienen möchte. Aber ich kenne seine Bücher nicht und kann das deshalb nicht wirklich beurteilen.
Daß die europäischen Staaten auch nicht so viel anders vorgehen als die USA, ist sicher richtig. Das liegt aber auch daran, daß viele europäische Regierungen bestrebt sind, der US-Regierung so wenig wie möglich im Wege zu stehen und daß die USA natürlich zuweilen auch Druck auf die Europäer ausüben, wenn sie mal zu widerspenstig werden.
Daß Deutschland und Frankreich wie auch Rußland sich gegen den Irak-Krieg ausgesprochen haben, hatte auch keineswegs humanistische Gründe. Diese Länder haben naturgemäßg kein Interesse daran, daß die USA mit militärischer Gewalt und auch über Embargos ihrer Wirtschaft neue Märkte öffnen und damit gleichzeitig die Unternehmen anderer Länder von diesen Märkten verdrängen.
Letztendlich geht es hierzulande prinzipiell auch nicht so viel anders zu als in den USA. Wenn die Wirtschaft mit arabischen Ländern gute Geschäfte machen kann, wird die Regierung möglichst alles vermeiden, was diese Geschäfte behindern könnte. Und nicht nur das: Immer wieder treten unsere Politiker sogar als Handelsvertreter für Großkonzerne auf. Gerade auch in der arabischen Welt.
Saudi Arabien ist durch seine Öl-Geschäfte ein reiches Land, und das macht es zu einem überaus interessanten Handelspartner für alle Industriestaaten. Mit so einem Partner möchte man es sich natürlich nicht verscherzen. Aus demselben Grund sieht man mittlerweile auch gern über Menschenrechtsverletzungen in China hinweg.
Im Falle Saudi-Arabiens kommt noch dazu, daß saudisches Geld ja in aller Welt investiert wird. Wenn es nun ein Industrieland wagen würde, Saudi-Arabien massiv anzuprangern, dann würden die Saudis ganz schnell ihr Kapital aus diesem Land zurück ziehen und auch sonst ihre wirtschaftliche Macht ausspielen, um diesem Land zu schaden.
Stell dir mal folgendes Szenario in der Zeit des Kalten Krieges vor: In Afghanistan beginnt ein Bürgerkrieg, an dem sich u.a. auch islamische Fundamentalisten beteiligen. Die Sowjetunion entscheidet sich zum Eingreifen und begründet das damit, daß man das afghanische Volk vor solchen Elementen schützen müsse. Hätte ein US-Präsident das unterstützt, weil es ein Beitrag im Kampf gegen den Terrorismus ist?
Nein, das hätte kein US-Präsident getan. Und tatsächlich hat es auch keiner getan, denn dieses Szenario hat es ja in der Realität wirklich gegeben. Damals waren die islamischen Gotteskrieger aber laut US-Propaganda gar keine Terroristen, sondern Freiheitskämpfer. Und man hat sie nicht bekämpft, sondern ihnen Waffen geliefert und teilweise auch Drogengeschäfte geduldet, damit sie Geld für diese Waffen haben, das dann in die Kasse der US-Rüstungskonzerne floß. Als dann die Taliban an der Macht waren, wurden die auch weiterhin von der US-Regierung unterstützt. Man gab ihnen Geld, man verhandelte mit ihnen - alles war prima.
Erst als die Verhandlungen zum Bau einer Gasleitung über afghanisches Territorium stockten, waren die Taliban plötzlich böse Terroristen, die Osama Bin Laden Unterschlupf gewährten. Nun könnte man meinen, daß eine Gasleitung doch nicht so wichtig wäre, um dafür einen Krieg zu führen.
In den USA sah man das aber offensichtlich anders. Das ist auch nicht verwunderlich, weil Bush genau wie viele seiner Berater aus dem Öl- bzw. Energie-Sektor kommt. Sein Wahlkampf wurde auch von solchen Unternehmen finanziert. Diese Leute kennen nur Öl und Gas und Geld, und alles andere interessiert die gar nicht. Man hätte die Gasleitung auch über russisches und iranisches Territorium legen oder aber russische Leitungen nutzen können - aber dann hätte man diesen Ländern finanzielle oder sonstige Zugeständnisse machen müssen. Und das wollte man nicht, weil der Aufwand relativ hoch erschien. Pakistan braucht die USA als Schutzpatron gegen Indien, und so konnte man die pakistanische Unterstützung billig bekommen. Nur die Taliban in Afghanistan stellten sich quer - also mußten sie weg.
Und deshalb gehörten sie dann auf einmal zur "Achse des Bösen". Ich empfinde es zwar keineswegs als Verlust, daß die Taliban-Regierung gestürzt wurde. Aber es ist schon auffällig, wie üble Diktaturen verhätschelt und gelobt werden, solange sie den USA nützen, während sie ganz schnell fallen gelassen werden, wenn sie den USA nicht mehr nützen oder ihnen gar im Weg stehen. Wären die Taliban clever gewesen und hätten die US-Firmen die Gasleitung ohne Probleme bauen lassen, dann wären sie heute noch an der Macht. Und wenn sie auch noch jede Menge Geld und reiche ÖLvorkommen hätten, dann würde es Bush auch überhaupt nicht stören, wenn sich 100 Osama Bin Ladens in Afghanistan verstecken würden.
Man kann sich nicht einerseits als Wächter für Frieden und Freiheit darstellen, andererseits für wirtschaftliche Vorteile aber Frieden und Freiheit mit Füßen treten. Da sehe ich schon einen gewissen Widerspruch.
Man kann natürlich sagen, daß doch letztendlich zählt, was hinten rauskommt. Der Sturz von Saddam Hussein war ja auch alles andere als ein Verlust für die Menschheit.
Man muß da aber auch mal weiter denken. Gerade am Beispiel des Irak wird das sehr deutlich: Solange Hussein dort an der Macht war, gab es mit dem Irak im sunnitischen Lager ein gewisses Gegengewicht zu Saudi-Arabien. Auch Saddam war bestrebt, seinen Einfluß auf die gesamte arabische Welt auszudehen, bevor er 1991 zurecht gestutzt wurde. Und wie alle Diktatoren hatte er große Angst vor Konkurrenz und duldete deshalb auch keine radikalen Islamisten, die ihm womöglich hätten gefährlich werden können. Auch nach 1991 hat er so zumindest dafür gesorgt, daß sich im Irak kaum islamische Fundamentalisten einnisten konnten. Deshalb konnte Bush das ja auch nicht als Grund für den Angriff auf den Irak nehmen.
Jetzt ist dieses Gegengewicht weg. Jetzt wird der Irak zum Tummelplatz diverser radikaler Islamisten. Der Iran wird seine räumliche Nähe nutzen um Teile der irakischen Bevölkerung in seinem Sinne zu beeinflussen, aber die von Saudi-Arabien finanzierten radikalen Gruppierungen werden wohl die Oberhand gewinnen. Und jeder Fehltritt, den sich die ungenügend geschulten US-Truppen im Irak leisten, wird den radikalen Islamisten dort und auch anderswo mehr Zulauf verschaffen.
In Afghanistan sieht es leider auch nicht besser aus.
So fördern die USA auch mit ihren für die US-Wirtschaft geführten Kriegen den radikalislamischen Terror tatsächlich mehr als sie ihn behindern. Vor allem deshalb kann ich Bush's markigen Reden überhaupt nichts abgewinnen.
Freundliche Grüße
von Garfield
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- Wenn ich mal herzlich lachen will... -
Eugen Prinz,
28.09.2004, 03:12
- Re: Wenn ich mal herzlich lachen will... -
Max,
28.09.2004, 12:12
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Eugen Prinz,
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- Re: Wenn ich mal herzlich lachen will... - Nick, 28.09.2004, 18:22
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Paul,
28.09.2004, 21:02
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Odin,
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Eugen Prinz,
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Jolanda,
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- Re: Wenn ich mal bitterlich weinen will... - Ekki, 30.09.2004, 12:23
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Max,
28.09.2004, 21:00
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Eugen Prinz,
28.09.2004, 23:17
- Re: Wenn ich mal bitterlich weinen will... -
Max,
29.09.2004, 00:42
- Zustimmung! -
Guildo,
29.09.2004, 02:01
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Jolanda,
29.09.2004, 11:36
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Garfield,
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Simon,
30.09.2004, 13:51
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Jolanda,
30.09.2004, 14:43
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Simon,
01.10.2004, 19:45
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Jolanda,
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- Re: keine Zustimmung! - Simon, 01.10.2004, 21:21
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Jolanda,
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01.10.2004, 19:45
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Expatriate,
30.09.2004, 17:07
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Ekki,
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- Re: keine Zustimmung! - Expatriate, 01.10.2004, 09:32
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Ekki,
30.09.2004, 17:27
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Garfield,
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Simon,
01.10.2004, 21:45
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Simon,
01.10.2004, 21:45
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30.09.2004, 14:43
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Garfield,
29.09.2004, 12:19
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Jolanda,
29.09.2004, 11:36
- Re: Wenn ich mal bitterlich weinen will... - Jolanda, 29.09.2004, 11:31
- Re: Warum ich manchmal bitterlich weine -
Eugen Prinz,
29.09.2004, 14:41
- Re: Warum ich manchmal bitterlich weine - Jolanda, 29.09.2004, 16:34
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Max,
01.10.2004, 00:25
- Re: Warum ich manchmal bitterlich weine -
Nick,
01.10.2004, 01:19
- Re: Warum ich manchmal bitterlich weine - Max, 01.10.2004, 23:47
- Re: genug der Tränen -
Eugen Prinz,
01.10.2004, 02:44
- Re: genug der Tränen - Max, 01.10.2004, 23:42
- Re: Warum ich manchmal bitterlich weine -
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01.10.2004, 01:19
- Re: Wenn ich mal bitterlich weinen will... - Odin, 30.09.2004, 01:00
- Zustimmung! -
Guildo,
29.09.2004, 02:01
- Re: Wenn ich mal bitterlich weinen will... - Nick, 29.09.2004, 17:29
- Re: Wenn ich mal bitterlich weinen will... -
Max,
29.09.2004, 00:42
- Re: Wenn ich mal bitterlich weinen will... -
Eugen Prinz,
28.09.2004, 23:17
- Re: Wenn ich mal bitterlich weinen will... -
Odin,
30.09.2004, 00:48
- Re: Wenn ich mal bitterlich weinen will... -
Magnus,
02.10.2004, 16:03
- Re: Wenn ich mal bitterlich weinen will... - Odin, 02.10.2004, 21:17
- Re: Wenn ich mal bitterlich weinen will... -
Magnus,
02.10.2004, 16:03
- Re: Weinen oder lachen? - michail, 03.10.2004, 18:43
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Jolanda,
28.09.2004, 20:15
- Re: Wenn ich mal bitterlich weinen will... -
Eugen Prinz,
28.09.2004, 19:46
- Re: Wenn ich mal herzlich lachen will... -
Max,
28.09.2004, 17:01
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Eugen Prinz,
28.09.2004, 15:06
- Weibliche Intuition und Logik -
Sven,
28.09.2004, 12:17
- Re: Weibliche Intuition und Logik - Peterchen, 28.09.2004, 16:01
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XRay,
28.09.2004, 15:21
- Re: Wenn ich mal herzlich lachen will... -
Eugen Prinz,
28.09.2004, 16:28
- Re: Wenn ich mal herzlich lachen will... - Jolanda, 28.09.2004, 19:57
- Re: Wenn ich mal herzlich lachen will... -
Eugen Prinz,
28.09.2004, 16:28
- Re: Wenn ich mal herzlich lachen will... -
Max,
28.09.2004, 12:12