Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Subliminal Messages: Ein urbaner Mythos?

Paul, Sunday, 19.09.2004, 15:56 (vor 7810 Tagen) @ Max

Als Antwort auf: Re: Subliminal Messages: Ein urbaner Mythos? von Max am 18. September 2004 08:26:11:

Hi Max,

wie susu schon geschrieben hat - das, was Du in der "actimel"-Werbung entdeckt hast ist Subtext und keine "Subliminal message". Definierendes Kennzeichen ist, daß diese die Wahrnehmunggrenze unterläuft und direkt auf Unterbewusstsein wirkt - in der Theorie. Alles, was ich - auch wenn ich mich dazu konzentrieren muß - bewusst wahrnehmen kann, ist also keine "Subliminal message".

Werbung ist voll von Details, die man zwischen den Zeilen herauslesen kann. Das können Gesichtsausdrücke sein, bestimmte Kameraeinstellungen, Farbkombinationen... Aber in der Regel wird all dies nicht benutzt um _zusätzliche_ Messages unters Volk zu bringen, sondern um die Hauptaussage zu unterstützen und mitzutragen. Denn das Ziel der Werbung ist ja immer noch, Produkte an den Mann zu bringen. So könnte man den resiginiert-mitleidigen Gesichtsausdruck der Frau in der actimel-Werbung auch so deuten: "Abhärtung mit der kalten Dusche war gestern, Actimel ist zeitgemäß und von heute". Daß jetzt gerade die Frau den "modernen" Part verkörpert, kann man durchaus als Tribut an den Zeitgeist ansehen (und an die Tatsache, daß die Hauptzielgruppe - Frauen - sich eben am besten mit einer solchen identifizieren kann), aber desegen ist der Subtext nicht "Frauen sind von heute, Männer von gestern"! Stattdessen wurde der Subtext lediglich in eine Form gebracht, die den Konsumenten dort "abholt, wo er steht" - und der Durchschnittskonsument, egal ob Mann oder Frau, ist halt nunmal feministisch indoktriniert. Es ist schwer genug, effektive Werbung herzustellen, die "nur" Produkte verkauft, da halst man sich nicht noch zusätzliche Arbeit auf, indem man für irgendwelche Ideologien missioniert. Werbung ist dazu da, um Geld zu machen - und das hat mit Idealismus gar nichts zu tun. Was aber eben auch heisst, daß die Werbung sich nicht scheut, auf schon _vorhandenen_ Vorurteilen und Verblendungen der Konsumenten aufzubauen, wenn es der eigenen Sache nützt.

Gruss,
Paul


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