Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Subliminal Messages: Ein urbaner Mythos?

Max, Saturday, 18.09.2004, 11:26 (vor 7811 Tagen) @ Paul

Als Antwort auf: Subliminal Messages: Ein urbaner Mythos? von Paul am 17. September 2004 23:01:47:

Hi Paul,

soweit ich weiß, gibt es einige Studien, die sich mit der Wirksamkeit sog. "subliminal messages", die in den USA vor einigen Jahrzehnten (50/60er Jahre) ziemlich in Mode waren, auseinandergesetzt haben. Nachgewiesen werden konnte da aber nichts.

...hmm. Das wundert mich, daß da nichts nachgewiesen werden konnte. Nimm´ mal den Werbespot für "actimel" (so´n Gesundheitsdrink im Mini-Fläschchen):
Der drink soll die Immunabwehr stärken. Ein Mann steht unter einer eiskalten Dusche und schreit. (Kalt duschen härtet ab. Also Mann - hart, Schmerz - In Kauf nehmen...) Derweilen steht seine Frau mit einem Fläschchen "actimel" in der Küche (später wird sie es ihm als "die weiblich clevere Alternative" überreichen)und dreht mit einem resignativ-mitleidigen Lächeln ihren Kopf.
Gut, das ist "subliminal message" in Zeitlupe (deswegen habe ich dieses Beispiel gewählt) und ziemlich offensichtlich. Die Nebenmessage ist: Frau zeitgemäss und schlau, Mann unzeitgemäß und dumm. Der Gipfel ist, daß sie ihm das Fläschchen später mit einem durchaus liebevollen Blick überreicht, ungefähr so, wie Mama ihrem Dreikäsehoch etwas gibt, das er dringend braucht. Aber neben der Hauptmessage, daß "actimel" eben die Alternative zum Kaltduschen ist, wird halt diese Nebenmessage an die Zielgruppe Einkäuferin gesendet. Und die wiederum besteht einzig in diesem resignativ-mitleidigen Lächeln. Also einerseits die "ausführliche" Werbung für das Produkt und andererseits diese subtile Nebenmessage. Solche Nebenmessages, die eigentlich mit dem beworbenen Produkt nichts zu tun haben, sind doch analog sehr gut in Spielfilmen und Krimis denkbar. Und sie wirken doch? Ich meine, warum sonst würden sie eingebaut? Und solche Nebenmessages sind dann als "subliminal messages" eben viel kürzer.
Im Krimi taucht bspw. eine neue Figur auf. Wir kennen diese Figur noch nicht und sind gerade dabei, uns ein Bild von ihr zu machen. Wenn nun der Regisseur will, daß wir uns ein ganz bestimmtes Bild von dieser Figur machen sollen, dann läßt er sich doch dabei sicher von der Figur helfen, die wir schon kennen und mit der wir uns identifizieren können - mit der Kommissarin z.B., die uns schon eine zeitlang durch´s Geschehen führt.
Damit wir uns genau das Bild von dieser neuen Figur machen, das der Regisseur geplant hat, könnte er doch auf eine "subliminal message" zurückgreifen, ohne daß wir das merken. Das heißt, daß wir uns ein Bild machen, ohne hinterher überhaupt erklären zu können, wie wir dazu gekommen sind, oder?
Hältst du es für ausgeschlossen, daß sich ein Fernsehvolk durch ein Dauerbombardement von "subliminal messages", die alle mehr oder weniger in dieselbe Kerbe hauen, kollektiv gesellschaftspolitisch lenken läßt?

Nun ist Werbung aber keine exakte Wissenschaft, und schaden kann der Einsatz solcher Mittel normalerweise nicht.

...na ja....schaden. Ich weiß nicht. Jedenfalls habe ich ein Problem mit dem Gedanken, daß ich zwar über "subliminal messages" gesteuert werden könnte, das Resultat meines daraus folgenden Handelns aber als Ergebnis meines freien Willens begreife. Das fände ich schon sehr bedenklich.

Ich muß gestehen, daß ich diesen Effekt selbst schon eingesetzt habe, allerdings handelte es sich dabei nicht um TV-Werbespots sondern um Werbebanner fürs Web. Es ging dabei aber nicht so sehr um die Beeinflussung (jedenfalls nicht mittels dieses speziellen Effektes), sondern primär darum, die Aufmerksamkeit des Benutzers auf das Banner zu lenken, und das geht am besten mit einem starken Kontrastwechsel = Schnitt. Und bei der Gelegenheit kann man in das dazwischengeschnittene Bild natürlich noch ein fettes "JETZT KAUFEN!" einbauen, auch wenn man dieses nicht bewußt lesen kann - wie gesagt, schaden kann's nicht. Da diese ganze Story mit den "Subliminal messages" schon zu einem urbanen Mythos geworden ist, kann ich mir auch vorstellen, daß viele Kreative bei den Agenturen diese einfach ab und zu mal als "Insidergag" einbauen...

...als wirkungslosen Insidergag? Das ist nicht dein Ernst.

Die stetige Geschwindgkeitsteigerung in Bezug auf Schnitt in Filmen und TV ist letztlich eine ganz natürlich Weiterentwicklung. Das hängt einerseits damit zusammen, daß immer mehr Informationen beim Betrachter als schon vorhanden vorausgesetzt werden können, weil sie aus anderen Filmen oder aus dem "populären" Allgemeinwissen bekannt sind und deswegen nicht mehr alles lang und breit ausgewalzt werden muß. Andererseits hat man erst nach und nach begriffen, daß das Auge/Gehirn Informationen sehr viel schneller wahrnehmen kann, als man früher dachte. Das ganze ist vergleichbar mit der Geschwindigkeitssteigerung bei der Verkehrsmitteln. Warnten vor den ersten Eisenbahnen noch "Wissenschaftler", die sagenhafte Geschwindigkeit von (ca.?) 30 km/h könnte zur Erblindung führen, so wissen wir heute, daß wir auch bei über 250 km/h auf der Autobahn immer noch problemlos sehen können. :-)

...sicher. Wenn man aber mit der Zeit immer schneller und immer weiter auseinanderstehende Informationen verbreiten konnte, da die Lücken dazwischen bereits gefüllt waren, dann eröffnet das doch auch eine Menge neuer Manipulationsmöglichkeiten? Assoziationen lassen sich doch kreieren?

Freundlicher Gruß - Max


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