Re: Frau Schmidt würde sich NIE scheiden lassen...
Als Antwort auf: Re: Frau Schmidt würde sich NIE scheiden lassen... von Ekki am 19. August 2004 18:30:00:
Hallo Ekki!
Im großen und ganzen Zustimmung.
Wenn's kein Monogamiegebot mehr gibt, dann ist auch das Zusammenleben mit ein und derselben Person über viele Jahre auf einmal wieder erträglich, weil man die Abwechslung, die auf ausnahmslos jedem Gebiet des Lebens notwendig ist, kriegt.
Grundsätzlich meine Meinung. Die Verbissenheit, mit der am Monogamiegebot in festen Beziehungen festgehalten wird, erstaunt mich immer wieder. Dabei ist die sogenannte serielle Polygamie gesellschaftlich längst akzeptiert. Man darf mit so vielen Leuten ins Bett gehen, wie man nur will vorausgesetzt, man beendet die vorangegangene Beziehung/Affäre vorher ordnungsgemäß. Man darf nicht BEIDES haben, bzw. trifft einen dann der Neid der Mitmenschen: eine stabile langdauernde Beziehung UND sexuelle Abwechslung. Da soll man sich gefälligst entscheiden müssen. Während hingegen kaum jemand versucht, den Monogamen ihr Sexualleben auszureden. Polygame sind gegenüber Monogamen jedenfalls sehr viel toleranter als diese gegenüber jenen - obwohl jene diesen doch gar nichts wegnehmen, sollte man meinen.
Was das Monogamiegebot in Beziehungen betrifft, so ist das inzwischen eine Forderung, die Frauen an Männer stellen, für sich selbst jedoch längst nicht mehr gelten lassen wenn man etwa der Zeitschrift Psychologie Heute, Heft 6/2003, glauben darf, die unter dem Schwerpunkt Befreite Lust: Die sexuelle Rebellion der Frauen (gegen wen müssen die wohl rebellieren?) Artikel versammelt, die Überschriften tragen wie Nimm zwei! Warum nur einen lieben?, Untreu zum Wohle des Kindes oder Begehren wecken, aber kein Begehren zeigen, und in denen nichts anderes getan wird, als die Polygamie abzufeiern. Schön und gut, das hat ja auch im Prinzip meine Zustimmung, ich habe ja selbst unter Umständen was davon wenn, ja, wenn sich nicht immer wieder der Eindruck aufdrängte, daß all dies, was bei Frauen Befreiung, Rebellion und Entdeckung ihrer Sexualität bedeutet, von eben diesen Frauen nach wie vor als schmutziger, dreckiger, egoistischer Betrug gewertet werden würde, so es denn nur Männer sind, die ebenfalls ihrer befreiten Lust frönen wollen.
Was nicht als unwahrscheinlich erscheinen lässt, daß von einer allgemeinen Aufhebung des moralischen Monogamiegebotes nur Frauen profitieren, die sich dann nämlich die wenigen Alphatypen aussuchen und gegebenenfalls teilen können, während der sogenannte Durchschnitt völlig leer ausgeht. Mithin träte eine Verschärfung der Situation ein, die wir eh schon haben.
Und die Tatsache, daß just nach dieser Gott-sei-Dank-Umstellung die Scheidungen sprunghaft anstiegen? Künstlerpech - was?
Ja doch, Künstlerpech, würde ich sagen. Warum soll man sich, wenn man nicht mehr zusammenleben möchte, nicht scheiden lassen, und warum sollte das künstlich erschwert werden?
"Ich möchte, dass Männer und Frauen freiwillig und gern in einer Beziehung zusammenleben, und zwar gleichberechtigt", sagt die Ministerin. Die Politik könne allenfalls die dafür notwendigen Rahmenbedingungen schaffen.
Erinnert mich an die Mutter in jenem Witz, die zu ihrem Kind sagt: Mach gefälligst deine Hausaufgaben! Und mach sie gefälligst GERNE! 
Aber was soll's - wir steuern eh' auf einen Zustand zu (falls wir nicht schon mitten drin sind), den wir früher für ein Ostblock-Spezifikum hielten: Beide Partner müssen aus wirtschaftlichen Gründen erwerbstätig sein. Ehrlich gesagt, so schlecht hat's den Menschen im Ostblock nicht getan. Ich schreibe die Tatsache, daß dort die Frauen viel weniger versponnen sind als im Westen, unter anderem diesem Umstand zu.
Darüber könnte ich Dir schöne Geschichten erzählen, mach ich aber hier nicht.  Die Erfahrung habe ich nämlich auch gemacht, daß Frauen aus Ostdeutschland in fast jeder Hinsicht erträglicher sind als die aus dem Westen. Mit denen ist tatsächlich fast so etwas wie ein gleichberechtigtes Miteinander möglich. Da komme ich als Liberaler nicht umhin, der DDR einen gewissen Respekt zu zollen.
Es geht doch nichts über feine semantische Unterschiede. Frauen "haben höhere Ansprüche", Männer "fühlen sich unverstanden". Immerhin - so, wie Frau Schmidt imstande war, zuzugeben, daß die gestiegene Anspruchshaltung der Frauen ein Problem ist, so ist sie auch bereit, zu sehen, daß die Männer unter Leidensdruck stehen. Das ist durchaus nicht Standard bei linken Politikerinnen! Mit ganz viel gutem Willen könnte man die besagten semantischen Unterschiede sogar als Ausweis der Männerfreundlichkeit auslegen: Wer "Ansprüche stellt", wirkt fordernd, wer sich dagegen "unverstanden fühlt", erregt Mitgefühl.
Aber wohl wirklich nur mit ganz ganz viel gutem Willen. Gemeint ist und verstanden wird wohl eher folgendes: Frauen stellen völlig zu recht Ansprüche, da die Männer ja ach so schluffig sind. Und die Männer stehen unter Leidensdruck; ach Gott, die Armen, kaum begegnen sie einer selbstbewussten Frau, werden sie weinerlich. DAS steckt doch dahinter.
Wenn mir bei irgendetwas das Messer in der Hose aufgeht, dann ist es jenes Bild der Ehe, derzufolge die Partner "in-selbstloser-Aufopferung-ihre-eigenen-Wünsche-zurückstellen-ihr-Kreuz-auf-sich-nehmen-höhere-Werte-leben-nicht-den-Vergnügungen-hinterherjagen-blablabla-sollen" *würg-kotz*
Volle Zustimmung! Das scheint auch hier im Forum eine weitverbreitete Auffassung zu sein.
Nana, Frau Schmidt, das Fremdgehen hat uns etliche der größten Romane der Weltliteratur beschert ("Anna Karenina", "Effi Briest"). Und warum zählen diese Werke zur Weltliteratur? Weil dort auf höchstem künstlerischen Niveau die Rede vom realen Menschen war.
Seit wann haben Feministinnen Ahnung von Kunst und Literatur?
Grüße
Simon
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Jeremin,
19.08.2004, 19:53
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Tran,
19.08.2004, 20:32
- Re: Frau Schmidt würde sich NIE scheiden lassen... - Eugen Prinz, 19.08.2004, 21:04
- Re: Frau Schmidt würde sich NIE scheiden lassen... -
Ekki,
19.08.2004, 21:30
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Tran,
19.08.2004, 22:15
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Ekki,
20.08.2004, 11:24
- Re: Frau Schmidt würde sich NIE scheiden lassen... - Tran, 20.08.2004, 19:07
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Ekki,
20.08.2004, 11:24
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Simon,
21.08.2004, 21:58
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24.08.2004, 15:44
- Re: Frau Schmidt würde sich NIE scheiden lassen... - Simon, 27.08.2004, 18:53
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24.08.2004, 15:44
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Maesi,
24.08.2004, 23:08
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Ekki,
25.08.2004, 19:39
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Maesi,
30.08.2004, 20:52
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Ekki,
31.08.2004, 21:11
- Re: Frau Schmidt würde sich NIE scheiden lassen... - Selbstkorrektur! - Ekki, 31.08.2004, 21:22
- Re: Frau Schmidt würde sich NIE scheiden lassen... - Maesi, 03.09.2004, 01:42
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Ekki,
31.08.2004, 21:11
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Maesi,
30.08.2004, 20:52
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Ekki,
25.08.2004, 19:39
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19.08.2004, 22:15
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19.08.2004, 20:32