Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Rote Männer Info Nr 69

Garfield, Wednesday, 19.05.2004, 16:28 (vor 7933 Tagen) @ Emmalein

Als Antwort auf: Re: Rote Männer Info Nr 69 von Emmalein am 19. Mai 2004 11:41:29:

Hallo Emmalein!

Der Nationalsozialismus war genaugenommen gar keine Ideologie, sondern nur eine Bewegung. Hitler hat es ganz bewußt von Anfang an vermieden, dieser Bewegung ein klares Programm mit fest definierten Zielen zu geben. Er selbst hatte zwar immer ein Programm im Kopf, aber zum einen hielt er es für unangebracht, die Punkte dieses Programms immer ehrlich auszusprechen, und zum anderen war ihm auch bewußt, daß er dieses Programm vielleicht auch mal ändern muß. Deshalb wollte er sich möglichst nicht festlegen. Auch sein Buch "Mein Kampf" hat er später wieder bereut, auch deshalb, weil es ja letztendlich auch eine Art Programm darstellte. Und sein zweites Buch hat er nie veröffentlichen lassen.

Hitler betrachtete die NSDAP und nach seiner Machtübernahme ganz Deutschland als ein Werkzeug, das widerspruchslos seinen Befehlen zu gehorchen hatte. Vor sich selbst und vor anderen rechtfertigte er dies damit, daß er der von der Vorsehung auserwählte geniale Führer der germanischen Rasse wäre.

Die verschiedenen Nazi-Führer unter Hitler sahen das aber nicht immer so. Da kochte so mancher sein eigenes Süppchen und versuchte (wie z.B. Goebbels), das durchzusetzen, was er für das Programm der NSDAP hielt. Oder (wie Göring) auch einfach das, wovon er sich persönliche Vorteile versprach.

So ergab sich letztendlich ein Chaos, in dem jeder tat, was er für richtig hielt, solange Hitler das nicht ausdrücklich verbot. Es kam nicht selten vor, daß irgendwelche Anordnungen erlassen oder sogar irgendwelche Aktionen durchgeführt wurden, die dann kurz darauf schon wieder von oben gestoppt wurden. Das lag eben daran, daß die NSDAP kein klares Programm hatte, daß es somit also keine festen Regeln gab. Nur Hitler war das Programm, aber er konnte und wollte nicht überall sein.

Was nun Frauen anging, so kann man in der Politik der Nazis eigentlich gar keine klare Linie erkennen. Hitler selbst hat sich da auch recht widersprüchlich verhalten. Einerseits hat er häufig Äußerungen dahingehend gemacht, daß Frauen in der Justiz und auch in manchen anderen Berufen nichts zu suchen hätten. Andererseits hat er beruflich erfolgreiche Frauen aber durchaus respektiert. So hat er auch darauf bestanden, daß Leni Riefenstahl 1934 die Reportage über den Reichsparteitag der NSDAP in Nürnberg drehte, obwohl z.B. Goebbels dagegen war und den Mitarbeitern von Riefenstahl dann auch prompt Hindernisse in den Weg legte. Und unter den wenigen Menschen, von denen Hitler sich zuweilen mal etwas sagen ließ, waren auch Frauen.

Es wurden zwar auch tatsächlich während der Nazi-Zeit einige Maßnahmen durchgeführt, um Frauen aus bestimmten Berufen (vor allem aus der Justiz) zu verdrängen. Aber der Krieg machte das alles weitgehend zunichte. Gegen Kriegsende war jedenfalls der Frauenanteil an deutschen Iniversitäten hoch, auch in Fachrichtungen, die heute noch als männerdominiert gelten. Auch in manchen naturwissenschaftlichen Fächern studierten gegen Kriegsende mehr Frauen als Männer. Das war ja auch kein Wunder, weil damals manche Jungen-Abitur-Klassen geschlossen von der Schulbank in die Wehrmacht marschierten.

So haben diejenigen Nazi-Führer, die die Frauen tatsächlich an den Herd drängen wollten, auch damit letztendlich eher das Gegenteil ihrer Ziele erreicht. Aber das geht totalitären Bewegungen häufig so.

Interessant ist aber in dem Zusammenhang auch, daß sehr viele Frauen sich im nationalsozialistischen Deutschland sehr wohl fühlten und Hitler regelrecht vergötterten. Wo immer er sich in der Öffentlichkeit zeigte, zog er Frauen magisch an. Manchmal ließ er einzelne der ihn von weitem anhimmelnden Frauen von seinen Mitarbeitern zu sich holen, um sich mit ihnen zu unterhalten. Die waren dann ganz aus dem Häuschen und konnten ihr Glück kaum fassen.

Hitler hat übrigens von Anfang an immer auch auf die Stimmen der Frauen gebaut. Schon Anfang der 1920er Jahre, als die NSDAP noch bedeutungslos war, sagte er mal zu einem Mitstreiter, daß die wichtigen Parteiführer am besten unverheiratet bleiben sollten, denn "so kriegen wir die Weiber". Auch deshalb hat er es bis kurz vor Kriegsende vermieden, sich fest zu binden und seine Beziehung zu Eva Braun offiziell zu machen. Ich persönlich glaube zwar, daß das noch einen anderen Grund hatte, aber es ging Hitler dabei wirklich auch darum, vor Millionen deutscher Frauen weiterhin als Idol dazustehen, um sich ihre Zustimmung zu sichern, zu allem, was er befahl. Und sie stimmten ihm massenweise zu.

Sie taten das keineswegs nur aus Opportunismus. Schon lange vor der Machtübernahme der NSDAP fiel Beobachtern immer wieder auf, daß gerade Frauen fasziniert von Hitler waren, wenn er seine Reden hielt. Er war normalerweise eher ruhig und wirkte oft bescheiden. Wenn er aber redete, ging er voll aus sich heraus, und erst dann zeigte sich die Brutalität und Rücksichtslosigkeit, die in ihm steckte. Und genau das hat viele Frauen offensichtlich sehr fasziniert. So sehr, daß alles, was er sagte, für sie vollkommen zweitrangig war.

Daß die Frauen sich in der Nazi-Zeit ganz furchtbar unterdrückt gefühlt und deshalb massenweise gegen Hitler gekämpft hätten, ist leider auch nur eines der heute weit verbreiteten feministischen Märchen.

Freundliche Grüße
von Garfield


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