Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Bundeswehr rüstet sich für Wegfall der Wehrpflicht

Garfield, Monday, 15.12.2003, 13:10 (vor 8088 Tagen) @ Maesi

Als Antwort auf: Re: Bundeswehr rüstet sich für Wegfall der Wehrpflicht von Maesi am 14. Dezember 2003 10:57:32:

Hallo Maesi!

Vieles, was du schreibst, spricht aber gerade für eine Berufsarmee!

Alle Konzepte zur Umwandlung der Bundeswehr in eine Berufsarmee gehen davon aus, daß die Truppenstärke gleichzeitig vermindert wird. Natürlich ergäbe sich der eventuelle Einspareffekt dann nicht daraus, daß es keine Wehrpflichtigen mehr gibt, sondern eher daraus, daß die Zahl der Soldaten verringert wurde.

Wie du schon geschrieben hast, muß das dann durch eine Verbesserung der Kampfkraft des einzelnen Soldaten ausgeglichen werden. Zum einen durch bessere und teurere Ausrüstung. Das bleibt der Bundeswehr aber ohnehin nicht erspart. Auch Wehrpflichtige müssen gerade bei Auslandseinsätzen vernünftig ausgerüstet werden.

Aber noch viel mehr läßt sich eine geringere Truppenstärke durch bessere Ausbildung ausgleichen. Die ist bei Wehrpflichtigen aufgrund ihrer geringen Dienstzeit aber gar nicht mehr möglich.

Welch große Bedeutung die Ausbildung hat, zeigte sich auch im Zweiten Weltkrieg deutlich. Da haben deutsche Jagdflieger enorm hohe Abschußzahlen erreicht. Bei den US Army Air Force und bei der Royal Air Force wurde ein Jagdflieger mit 5 Abschüssen schon als "As" gefeiert. Bei der Luftwaffe galt man erst mit 100 Abschüssen als "As". Soviele Abschüsse hat - wenn ich mich jetzt recht erinnere - kein US-Amerikaner oder Brite jemals erreicht. Da lag das Maximum so etwa zwischen 60 und 80. Es gab wohl einen Japaner, der auf knapp über 100 Abschüsse kam, und es soll auch bei den Sowjets einen Flieger gegeben haben, der über 100 Abschüsse erreichte (bis er dann wahrscheinlich im Gulag verschwand). Bei der Luftwaffe gab es mehr als 100 Jagdflieger, die jeweils auf mehr als 100 Abschüsse kamen. Einige kamen sogar auf über 200 Abschüsse, und zwei überschritten die 300-Marke. Bis heute ist Erich Hartmann mit 352 Abschüssen der erfolgreichste Jagdflieger aller Zeiten.

Nach dem Krieg wurde viel darüber diskutiert, ob diese Zahlen wirklich korrekt waren. Man unterstellte den Deutschen, sie aus Propaganda-Gründen künstlich hoch gerechnet zu haben. Militärhistoriker haben die Zahlen aber teilweise wirklich überprüft, also mit allierten Verlusten verglichen, und kamen zu dem Schluß, daß sie stimmten. Erich Hartmann wurde von den Sowjets als "Volksfeind Nr.1" bezeichnet und nach dem Krieg so lange wie möglich in Gefangenschaft gehalten, was auch beweist, daß seine Abschußzahlen korrekt waren.

Als die Zahlen nicht mehr anzuzweifeln waren, vermutete man ihre Ursache in besseren genetischen Voraussetzungen der Deutschen. Tatsächlich kann es aber zwischen Deutschen, Franzosen und Briten keine so großen genetischen Unterschiede geben. Außerdem sind auch viele Deutsche in die USA ausgewandert, und so hätte es dort dann ja auch so erfolgreiche Jagdflieger geben müssen.

Es ist also ganz offensichtlich, daß die deutschen Jagdflieger vor allem deshalb so erfolgreich waren, weil sie in ihren Kampfeinsätzen das beste Training absolviert hatten. Bei ihren Einsätzen im Spanienkrieg und in Polen hatten sie es meist mit Gegnern zu tun, die technisch unterlegene Flugzeuge flogen. Das machte es ihnen sehr einfach, erste Erfahrungen zu sammeln, ohne dabei zu Tode zu kommen. Auch später in Frankreich trafen sie meist auf unterlegene Technik. Das einzige der deutschen Bf 109 gleichwertige allierte Flugzeug war zu der Zeit die britische Spitfire, die aber zunächst nur in geringer Stückzahl auftauchte. Auch dort hatten also die deutschen Jagdflieger meist leichtes Spiel und konnten ihre Fähigkeiten weiter trainieren.

Als sich diese Situation dann im Laufe des Krieges mehr und mehr änderte, hatten die dienstälteren deutschen Jagdflieger bereits soviel Erfahrung, daß sie es auch locker mit Gegnern aufnehmen konnten, die gleichwertige bis überlegene Flugzeuge flogen. Das waren dann auch die Flieger, die solch hohe Abschußzahlen erreichten. Dazu kam noch, daß in Deutschland Jagdflieger aufgrund der prekären Kriegslage fast ununterbrochen im Einsatz waren, während es bei den US-Amerikanern beispielsweise üblich war, daß sie zwischendurch regelmäßig Urlaub machten.

Die jungen deutschen Nachwuchsflieger, die dann zunehmend unter Zeitdruck und deshalb eher schlecht ausgebildet werden mußten, fielen dagegen bei ihren Einsätzen wie die Fliegen, oft bevor sie überhaupt einen einzigen Abschuß erreichten.

Beim Heer sah das sehr ähnlich aus. Auch dort hatten die altgedienten, kampferfahrenen Soldaten mit EK 1 und Nahkampfspange die besten Überlebenschancen, während Neulinge weit häufiger den "Heldentod" starben.

Die Belastung der Bundeswehr durch Auslandseinsätze wird weiter anhalten und womöglich sogar noch steigen. Die USA werden weiter versuchen, ihre Wirtschaft durch Kriege anzukurbeln und sich Zugang zu Rohstoffquellen durch Kriege zu sichern. Allein schon dadurch wird es immer wieder Unruheherde in der Welt geben, und oft wird auch die Bundeswehr im Rahmen der NATO die Kastanien mit aus dem Feuer holen müssen.

Die Bundeswehr wird also einen mindestens gleichbleibenden Bedarf an gut ausgebildeten Soldaten haben, die im Ausland erfolgreich eingesetzt werden können. Wehrpflichtige können aber oftmals nicht den erforderlichen Ausbildungsstand erreichen, sind dabei also mehr Klotz am Bein als wirklich nützlich.

Auch wenn die Bundeswehr an keinen Kampfhandlungen teilnimmt (was keineswegs mehr sicher ist), zeigen doch die Ereignisse im Irak wieder, daß ein Krieg auch nach Ende der offiziellen Kampfhandlungen noch längst nicht beendet sein muß.

Deshalb glaube ich, daß die Wehrpflicht nicht mehr lange zu halten ist. Wenn man an ihr festhält, gibt es nur noch zwei Alternativen: Entweder Deutschland tritt aus der NATO aus und hält sich fortan möglichst neutral aus allem raus. Oder aber man verpflichtet auch Wehrpflichtige zu Auslandseinsätzen und nimmt dabei in Kauf, daß sie dann durch ihren schlechteren Ausbildungsstand entsprechend schlechtere Überlebenschancen haben.

Ich befürchte Letzteres...

Freundliche Grüße
von Garfield




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