Re: Gläsernes Gehaltskonto
Als Antwort auf: Gläsernes Gehaltskonto von Odin am 03. November 2003 00:08:16:
Hallo Odin
Hamburg (dpa) - In jeder dritten Ehe ist die Frau einer Umfrage zu Folge auf Taschengeld von ihrem Mann angewiesen. Dies führe häufig zu Streitigkeiten, vor allem, wenn der Frau das Einkommen des Partners nicht genau bekannt sei, ergab die Emnid-Umfrage im Auftrag der Frauenzeitschrift «Lisa». Bei den 20- bis 29-Jährigen betreffe das rund 38 Prozent der Befragten, ansonsten fast jede fünfte Frau. Befragt wurden 481 Männer und Frauen im Alter von 20 bis 49 Jahren.
Leider ist hier nicht ersichtlich, in wievielen Faellen der Frau das Einkommen des Partners tatsaechlich unbekannt ist; meist genuegt ja schon ein Blick in die Kontoauszuege, um sich Klarheit zu schaffen. Ich wuerde allerdings schon gerne wissen, wieviele Ehemaenner die Hoehe ihres Einkommens gegenueber den Angetrauten tatsaechlich arglistig verschleiern.
Vor diesem Hintergrund könnte das so genannten «gläserne Ehegatten-Konto», das Baden-Würtembergs Justizministerin Corinna Werwigk-Hertneck (FDP) per Gesetzantrag in den Bundestag eingebracht hat, von Bedeutung sein. Es sieht vor, dass nicht erwerbstätige Ehepartner einen rechtlichen Anspruch darauf haben, zu wissen, was der Partner verdient. Zudem soll der Nichtverdiener «in angemessenem Umfang über Geld zum Familienunterhalt und für eigene Bedürfnisse verfügen», hieß es in dem Blatt.
Ethisch gesehen, ist es zweifellos richtig, dass die beiden Ehegatten ueber das Einkommensverhaeltnis des jeweils anderen Bescheid wissen sollen: schliesslich bildet die eheliche Gemeinschaft ja auch wirtschaftlich eine Gemeinschaft. Andererseits wird hier die private (um nicht zu sagen intime) Gemeinschaft von zwei Menschen, die sich lieben und einander vertrauen, einmal mehr verrechtlicht. Ist es erst soweit, dass die Staatsgewalt zur Durchsetzung von innerehelichen pekuniaere Anspruechen hinzugezogen werden muss, dann ist wohl das gegenseitige Vertrauen weg; wenn aber das gegenseitige Vertrauen weg ist, dann wird wiederum die Ehe obsolet, da sie ihrer wichtigsten Grundlage beraubt ist.
Desweiteren soll der Nichtverdiener 'in angemessenem Umfang ueber Geld zum Familienunterhalt und fuer eigene Beduerfnisse verfuegen'. Was heisst das in Prozentzahlen des Nettoeinkommens ausgedrueckt? Hat der Haupt-/Alleinverdiener gemaess dieser Gesetzesvorlage nicht denselben Anspruch, aus dem Einkommen in angemessenem Umfang die eigenen Beduerfnisse abzudecken? Offenbar nicht. Hat im umgekehrten Fall der Allein- oder Hauptverdiener auch einen Anspruch auf 'angemessene Dienstleistungen des Nicht- oder Minderverdieners' (z.B. Waesche waschen, Hemden buegeln, Wohnungsreinigung etc.) bzw. auf dessen allfaelligen Nebenverdienst? Koennte er solche Ansprueche womoeglich per Gericht einklagen? Wenn ja, welche und wieviele? Wenn eine geschuldete Dienstleistung nicht oder ungenuegend erbracht wird, kann der Hauptverdiener dann auf Schadenersatz klagen?
Wir sehen, dass solche Regelungen, konsequent zu Ende gedacht, schnell in die Absurditaet fuehren. Leider wird jedoch bewusst nicht zu Ende gedacht; das Denken der oben erwaehnten Frau bleibt einmal mehr bei der leidigen Kohle stecken. Dass Dienstleistungen im Umkehrfall eben auch Werte darstellen, die eingefordert werden koennten, wird schlichtweg nicht zur Kenntnis genommen. Ansonsten wuerden solche Gesetze naemlich ganz schnell zum Rohrkrepierer werden. Durch die ausschliessliche Beschraenkung auf die Geldseite wird das partnerschaftliche Modell vom gegenseitigen (auch materiellen) Geben und Nehmen in der Ehe jedoch systematisch untergraben. Kein Wunder, dass immer mehr Menschen die Partnerschaft ohne Trauschein der Ehe vorziehen. Bei solchen sich anbahnenden und teilweise schon bestehenden tendenzioes einseitigen Pflichten- und Rechteverteilungen in der Ehe muss man(n) ja ziemlich bescheuer^Wmutig sein noch zu heiraten. Vorsicht Falle! Mit der fortschreitenden rechtlichen Gleichstellung nichtehelicher Partnerschaften mit den Ehen koennten hier auch die Nichtverheirateten recht abrupt von der Realitaet eingeholt werden...
Gruss
Maesi
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- Gläsernes Gehaltskonto -
Odin,
03.11.2003, 02:08
- Re: Gläsernes Gehaltskonto - Garfield, 03.11.2003, 10:57
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Advocatus Feminae ,
04.11.2003, 01:03
- Re: Gläsernes Gehaltskonto - Odin, 04.11.2003, 15:36
- Re: Gläsernes Gehaltskonto -
Maesi,
07.11.2003, 20:01
- Re: Gläsernes Gehaltskonto - Odin, 08.11.2003, 02:35