Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Spiegel-Titelgeschichte vom nächsten Montag

Nick, Monday, 15.09.2003, 15:46 (vor 8178 Tagen) @ Odin

Als Antwort auf: Re: Spiegel-Titelgeschichte vom nächsten Montag von Odin am 15. September 2003 11:03:06:

Lieber Odin,

da habe ich auch drüber nachgedacht, habe mich dann aber bewußt anders entschieden. Ich vermute nämlich, daß in der Redaktion des SPIEGEL bereits ebendiese Frontlinien existieren. Es ging mir deshalb vor allem um unmißverständliche Deutlichkeit. Wenn eine solche Polemik nun nicht abgedruckt werden wird, nebbich!, nehme ich das eben gerne billigend in Kauf.

Meist schreibe ich freundliche, höfliche, eher zurückhaltende Briefe, wenn ich mit redlicher Bereitschaft rechnen kann, sachliche Argumente zu erwägen und auf sie einzugehen. Hier schien es mir aber geboten, davon abzuweichen. Der Hetzartikel im SPIEGEL ist nämlich ein veritabler sexistischer Skandal im führenden deutschen Nachrichtenmagazin! Es wundert keinen, so einen Fascho-Dreck in der EMMA zu lesen. Wenn es nun zur politischen Linie des SPIEGEL, wenn es gar zum Niveau der deutschen Presselandschaft insgesamt werden soll, dann hilft kein Appell ans "Nachdenken" mehr, dann ist das eine Frage des Kampfes um die öffentliche Meinung in Deutschland ganz allgemein geworden: Akzeptieren wir in unserem Land eine neue Stürmer-Hetze? Nehmen wir eine biologistische Einteilung in "wertvolles" und "minderwertiges" Geschlecht hin? Darf "der Mann" in Zukunft unwidersprochen als Untermensch vorgeführt werden? Ist seine mittelfristige "Ausrottung" ein akzeptables "Denkspiel"? Werden wir zulassen, daß sich daraus einmal die bekannten Weiterungen ergeben werden, am Ende bis hin zu "Selektionen", zur "Ausmerzung lebensunwerten Lebens" und ähnlichem?

In der kranken Phantasie faschistischer Feministinnen ist das längst "Normalität", wie jeder weiß, man braucht nur EMMA zu lesen oder ins dortige Forum zu blicken. Das stört dort keinen, eine SA-Gesinnung ist "ganz unschuldiger" Umgangston in diesen Kreisen. Wenn es jetzt "ganz unschuldiger" Umgangston im SPIEGEL wird, dann st das eine hochgefährliche neue Qualität. Die Bevölkerung wird sachte daran gewöhnt, Faschismus wieder "ganz normal" zu finden, und das verblüffende, das atemberaubende ist, daß es kaum einem auffällt, daß es kaum jemanden stört.

Wenn ich mir die Reaktionen ganz durchschnittlicher Weiber ansehe, dann reichen die von Desinteresse und passiver Indolenz über klammheimliche Freude bis hin zu offener Zustimmung zu einem Klima des lustigen "Männerklatschens". Einsicht oder gar Unterstützung ist von dieser Seite her kaum zu erwarten, ganz im Gegeteil. Wohin führt das? Das Bewußtsein über die tatsächliche Lage ist ein durch und durch falsches, nicht nur bei RadFems!

Man täusche sich nicht, daß man "schon rechtzeitig merken" werde, wenn es wirklich gefährlich wird. Das merkt man eben nicht! Die Entscheidungen fallen viel früher. Als Hitler am 30.1.33 Reichskanzler wurde, empfanden das viele vor allem als einen Witz. Es wird wohl keinen gegeben haben, der wirklich mit Klarheit vorausgesehen hätte, welche Entwicklung die folgenden Wochen nehmen würden. Und nach 6 Wochen war es dann bereits zu spät. Der Übergang zur Diktatur ging rasend schnell vor sich.

Man muß früher in die Speichen greifen, nicht erst dann, wenn jeder sich tatsächlich "vorstellen" kann, daß es zum Schlimmsten kommt. Dann ist das Schlimmste nämlich bereits eingetreten. In solchen Fragen kann es meiner Ansicht nach keine Kompromisse geben. Da geht es ums Prinzip und um unzweideutige Klarheit.

Ich halte es deshalb für immens wichtig, in dieser Frage schwergewichtig aktiv zu werden und dafür zu sorgen, daß es auch tatsächlich eine öffentliche Debatte wird. Da reicht das Internet nicht aus.

Gruß vom Nick


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