Re: undankbares Privileg
Als Antwort auf: Re: undankbares Privileg von Xenia am 12. August 2003 15:35:26:
Hallo Xenia!
Genau so etwas meinte ich. Aber was genau wolltest du damit nun ausdrücken?
"Nun, wer bringt ihnen was anderes bei?"
Ich habe nicht den Eindruck, daß Frauen daran interessiert sind, sich eine aktivere Haltung bei der Partnerwahl beibringen zu lassen. Wieso gibt es denn so viele Zeitschriften, die sich mit Mode und/oder Kosmetik beschäftigen?
Diese Zeitschriften werden weit überwiegend von Frauen gelesen (und meist auch von Frauen gemacht). Frauen sind also ganz offensichtlich bestrebt, immer möglichst gut auszusehen. Deshalb sind die Verkaufsflächen für Damenbekleidung und Kosmetik in Kaufhäusern in der Regel auch deutlich größer als die Flächen für Herrenbekleidung. Und Kosmetikprodukte gibt es für Männer immer noch vergleichsweise wenige.
Wieso betreiben nun Frauen weit mehr Aufwand, um gut auszusehen? Eben, damit sie sich weiterhin die passive Haltung erlauben können. Eine Frau, die attraktiv ist, sich modern kleidet und schminkt, braucht nur irgendwohin zu gehen, sich gemütlich zurückzulehnen und auf die männlichen Angebote zu warten. Das ist natürlich viel bequemer als selbst aktiv werden zu müssen. Frau erspart sich so das Risiko, einen Korb zu bekommen, und vor allem bringt das die männlichen Interessenten in die Rolle des "Bewerbers", der dann alles unternehmen muß, um seine Chancen möglichst zu steigern. Man(n) muß sich dann einen möglichst geistreichen Spruch überlegen, man(n) muß sich gut unterhalten können, man(n) muß der Frau Getränke, das Essen oder sonst etwas spendieren, man(n) muß ein möglichst gutes Auto haben... Frau muß das alles nicht. Frau kann gemütlich abwarten und natürlich uninteressante Bewerber jederzeit abblitzen lassen.
Natürlich klappt das so nur, wenn eine Frau einigermaßen attraktiv ist. Je weniger attraktiv sie ist, umso weniger Interessenten wird es geben. Männern nützt Attraktivität zwar durchaus auch, aber wenn man(n) nur ein paar wirre Silben herausgestottert bekommt oder wenn man(n) schlechte Kleidung trägt, kein Auto hat oder der Frau nichts spendiert (was auf niedriges Einkommen hindeutet), dann kann man vielleicht einen One-Night-Stand erleben, mehr aber auch nicht... Und sobald ein Konkurrent erscheint, der ebenfalls einigermaßen attraktiv ist und darüber hinaus auch noch die anderen Anforderungen der Frau gut erfüllt, ist gar nichts mehr drin.
Frauen, die eher unattraktiv sind, neigen deshalb eher dazu, bei der Parternwahl auch mal aktiv zu werden. Attraktive Frauen werden aber oft nur dann aktiv, wenn sie einen Mann im Visier haben, den sie für den idealen Traumprinzen halten.
Jemand hat mal für ein Buch-Projekt Kontakt-Anzeigen aufgegeben und sich dabei als Millionär ausgegeben. Er hat jede Menge Zuschriften von Frauen bekommen und hat sich mit diesen Frauen dann auch getroffen. Später meinte er dazu, daß er noch niemals soviel Aufmerksamkeit von Frauen bekommen hätte. Offensichtlich ist die Passivität der Frauen bei der Partnerwahl also durchaus nicht unüberwindlich...
Ich weiß nicht, was genau in diesem Buch aus den 20er Jahren unter "sexuelle Triebkraft" verstanden wurde. Fakt ist jedenfalls, daß ein Mann in kurzer Zeit sehr viele Kinder zeugen kann, während eine Frau ein gezeugtes Kind immer erst einmal austragen und danach noch stillen muß (wobei letzteres heute kein "muß" mehr ist). Männer können auch noch bis ins hohe Alter hinein fruchtbar sein, was Frauen so ebenfalls nicht möglich ist. Im Interesse der Erhaltung der Art war es logisch, wenn Männer diese Fähigkeiten nutzten, zumal sie immer gefährlicher lebten als Frauen und somit damit rechnen mußten, ihre Erbanlagen vielleicht nicht mehr lange weiter geben zu können.
Man hat bei Menschenaffen übrigens einen Zusammenhang zwischen Treue der Weibchen und Potenz der Männchen festgestellt. Bei den Gorillas hat ein Männchen mehrere Weibchen. Andere erwachsene Männchen werden aus dem Revier vertrieben, bekommen also keine Chance, sich mit den Weibchen zu paaren. Somit kann ein männlicher Gorilla sicher sein, keine Konkurrenten zu haben und muß deshalb sexuell nicht sonderlich aktiv sein. Folglich sind die Hoden eines männlichen Gorillas relativ klein.
Bei Bonobos oder Chimpansen sieht das anders aus. Dort gibt es zwar auch Hierachien unter den Männchen, aber rangniedrigere Männchen werden nicht vertrieben. Die Weibchen paaren sich zwar bevorzugt mit den ranghöheren Männchen, lassen aber immer wieder auch andere Männchen zum Zuge kommen. Somit kann auch ein ranghoher männlicher Bonobo oder Chimpanse nicht sicher sein, daß er das einzige Männchen ist, das sich mit einem Weibchen paart. Um sicher zu gehen, daß seine Erbanlagen weiter gegeben werden, muß er sich also möglichst oft mit möglichst vielen Weibchen paaren. Die Hoden eines männlichen Bonobos oder Chimpansen sind dafür deutlich größer als die eines Gorilla-Männchens.
Die Hoden eines Mannes liegen von der Größe her etwa zwischen Gorilla und Bonobo oder Chimpanse. Was offensichtlich daraus resultiert, daß Frauen zwar treuer als Chimpansen-Weibchen, dafür aber weniger treu als Gorilla-Weibchen sind... Männer mußten sich also auch immer ranhalten, um ihre Chancen zur Zeugung von Nachwuchs zu verbessern. Und dazu brauchten sie eben offenbar eine Potenz, die die eines Gorilla-Männchens übersteigt.
So haben sich die Geschlechter eben immer gegenseitig beeinflußt. Letztendlich ist die Durchschnittsfrau genauso, wie der Durchschnittsmann sie über Millionen von Jahren hinweg geformt hat, und der Durchschnittsmann ist so, wie die Durchschnittsfrau ihn geformt hat.
"Sie trieb mit dem jungen Rousseau das, was man heute Aufklärungsunterricht nennt, und sie beschloß nicht bei der grauen Theorie zu bleiben, sondern ihn durch ihre eigene Person in die Praxis vom Liebesleben einzuführen."
Das war noch bis ins 19. Jahrhundert hinein gar nicht selten. Junge Männer wurden häufig von älteren Frauen in die Sexualität eingeführt. Oft geschah das durch Prostituierte, manchmal aber eben auch durch Frauen aus dem Bekanntenkreis.
Heute hält das niemand mehr für nötig. Angesichts der Flut von Aufklärungsbüchern, die heute über junge Menschen hereinbricht, scheint das auf dem ersten Blick überflüssig zu sein. Wenn man sich solche Bücher aber mal genauer ansieht, entdeckt man da häufig regelrechten Unsinn. (Vor kurzem stand dazu ein guter Artikel im "stern".) Denn natürlich bemühen sich die Autor(inn)en solcher Bücher darum, immer möglichst etwas Neues und Extravagantes einzuflechten, was dann aber häufig auf blanken Schwachsinn hinausläuft.
Wenn nun also ein junger Mann zum ersten Mal mit seiner Angebeteten schlafen möchte, hat er sich vermutlich schon einige dieser eher kontraproduktiven Ratgeber zu Gemüte geführt. Natürlich wird auch jetzt von ihm erwartet, daß er den aktiven Part übernimmt, vor allem dann, wenn seine Partnerin selbst noch keine Erfahrung hat. Hat sie aber schon Erfahrung, dann wird sie ihn vielleicht noch kritischer beurteilen, was ihm auch genau bewußt ist. So ist die Wahrscheinlichkeit groß, daß dieses erste Mal ein kompletter Reinfall wird. Wenn er Glück hat, zeigt seine Parnerin Verständnis und hilft ihm, diese Startschwierigkeiten zu überwinden. Wenn er aber Pech hat, macht sie sich womöglich über ihn lustig, was ihm dann alles natürlich noch viel schwerer machen wird.
Auch da kommt der Frau wieder die passive Haltung sehr zugute. Sie muß sich nicht abstrampeln, sie kann das abregende Gefummel mit dem Kondom ihm überlassen, und falls es nicht klappt, kann sie ihm einfach die Schuld daran geben.
Wer nichts tut, kann eben keine Fehler machen. So ist das nun einmal.
"Frau v. Warens hat übrigens die sexuelle Freiheit, welche sie sich zubilligen zu dürfen glaubte, schwer büßen müssen. Sie ist durch einen gewissenlosen Liebhaber um ihr ganzes Vermögen gebracht worden und ist in größtem Elend gestorben."
So ist es immer wieder auch Männern ergangen. Nur redete man dann nicht von "gewissenlosen Liebhaberinnen", sondern man sah es so, daß der Mann sich sein Elend durch seine eigene Dummheit eingebrockt hat. Das hat sich bis heute nicht wesentlich geändert.
Freundliche Grüße
von Garfield
gesamter Thread:
- Geschlechterkampf und Körpersprache. Die Pseudo-Lesben-Masche in der Disco -
Lars,
27.07.2003, 00:21
- Re: Geschlechterkampf und Körpersprache. Die Pseudo-Lesben-Masche in der Disco - Odin, 27.07.2003, 16:43
- Re: Geschlechterkampf und Körpersprache. Die Pseudo-Lesben-Masche in der Disco -
Joseph S,
29.07.2003, 00:42
- Re: Geschlechterkampf und Körpersprache. Die Pseudo-Lesben-Masche in der Disco -
Lars,
29.07.2003, 17:17
- Re: Geschlechterkampf und Körpersprache. Die Pseudo-Lesben-Masche in der Disco -
Ferdi,
29.07.2003, 17:53
- Die Anbagge-Rolle des Mannes: Privileg oder undankbare Aufgabe? -
Lars,
29.07.2003, 23:59
- Re: Die Anbagge-Rolle des Mannes: Privileg oder undankbare Aufgabe? -
Jörg,
30.07.2003, 00:45
- Re: Die Anbagge-Rolle des Mannes: Privileg oder undankbare Aufgabe? - Manfred, 01.08.2003, 02:59
- undankbares Privileg -
Xenia,
31.07.2003, 16:51
- Re: undankbares Privileg -
Joseph S,
02.08.2003, 23:25
- Re: undankbares Privileg -
Xenia,
12.08.2003, 17:18
- Re: undankbares Privileg -
Garfield,
12.08.2003, 18:02
- Re: undankbares Privileg -
Xenia,
12.08.2003, 18:35
- Re: undankbares Privileg -
Garfield,
13.08.2003, 14:00
- Re: undankbares Privileg -
Jolanda,
13.08.2003, 21:40
- Re: undankbares Privileg - Garfield, 14.08.2003, 15:46
- Re: undankbares Privileg -
Xenia,
17.08.2003, 17:31
- Re: undankbares Privileg -
Garfield,
18.08.2003, 14:57
- Re: undankbares Privileg - Xenia, 20.08.2003, 20:46
- Re: undankbares Privileg -
Garfield,
18.08.2003, 14:57
- Re: undankbares Privileg -
Jolanda,
13.08.2003, 21:40
- Re: undankbares Privileg -
Garfield,
13.08.2003, 14:00
- Re: undankbares Privileg -
Xenia,
12.08.2003, 18:35
- Re: undankbares Privileg -
Joseph S,
14.08.2003, 02:25
- Re: undankbares Privileg - Xenia, 17.08.2003, 17:32
- Re: undankbares Privileg -
Garfield,
12.08.2003, 18:02
- Re: undankbares Privileg -
Xenia,
12.08.2003, 17:18
- Re: undankbares Privileg -
Joseph S,
02.08.2003, 23:25
- Re: Die Anbagge-Rolle des Mannes: Privileg oder undankbare Aufgabe? - Frank, 01.08.2003, 12:50
- Re: Die Anbagge-Rolle des Mannes: Privileg oder undankbare Aufgabe? -
Jörg,
30.07.2003, 00:45
- Re: Geschlechterkampf und Körpersprache. Die Pseudo-Lesben-Masche in der Disco - Jolanda, 30.07.2003, 13:36
- Die Anbagge-Rolle des Mannes: Privileg oder undankbare Aufgabe? -
Lars,
29.07.2003, 23:59
- Re: Geschlechterkampf und Körpersprache. Die Pseudo-Lesben-Masche in der Disco -
Joseph S,
30.07.2003, 01:07
- Re: Geschlechterkampf und Körpersprache. Die Pseudo-Lesben-Masche in der Disco - Ferdi, 30.07.2003, 01:55
- Re: Geschlechterkampf und Körpersprache. Die Pseudo-Lesben-Masche in der Disco - Andi, 30.07.2003, 20:56
- Re: Geschlechterkampf und Körpersprache. Die Pseudo-Lesben-Masche in der Disco -
Ferdi,
29.07.2003, 17:53
- Re: Geschlechterkampf und Körpersprache. Die Pseudo-Lesben-Masche in der Disco -
Lars,
29.07.2003, 17:17