Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Rettet unsere Kinder

Pedro, Wednesday, 09.07.2003, 00:09 (vor 8247 Tagen) @ Odin

Als Antwort auf: Rettet unsere Kinder von Odin am 07. Juli 2003 10:10:19:

Hallo Odin,

obwohl ich die starke Tendenz verspüre Deinem Beitrag zuzustimmen, löst er bei mir doch eine gewisse Ambivalenz aus.

Völlig einig sind wir - und das dürfte sogar für die absolute Mehrheit unserer männlichen wie weiblichen Zeitgenossen gelten - in der Beurteilung des schulischen "outputs" (wenngleich mir die Vokabel "Schrott" zu sehr personalisiert erscheint). Die PISA-Studie hat schließlich nur Erfahrungen bestätigt, die jeder schon seit mindestens zwei Jahrzehnten selbst machen konnte.

Die (Hinter-) Gründe dafür sind schnell ausgemacht:

In den 60er Jahren wurde eine große Bildungsoffensive gestartet, deren Ziel der leichtere Zugang breiterer Bevölkerungsschichten zu mehr und besserem Wissen sein sollte. Um diese Initiative zum Erfolg zu führen, wurde nun allerdings nicht etwa die Qualität der Ausbildung entscheidend verbessert, sondern es verringerten sich die Anforderungen an das Erreichen vorgegebener Ziele. Die lerntheoretische Erkenntnis einer signifikanten Steigerung des Lernerfolgs durch entsprechend gesetzte Anreize verkam zum banalen Slogan "Lernen soll Spaß machen". Dies ging Hand in Hand mit der Entwicklung zur Spaßgesellschaft.

Die Einsicht, unterschiedliche Begabungspotentiale von Menschen stärker berücksichtigen zu sollen, nahm in der Praxis einen ähnlich unheilvollen Verlauf. Dem prinzipiell richtigen Ansatz individuelle Begabungen zu fördern, stand die Forderung nach Erhaltung eines Mindeststandards in den Kernkompetenzen nicht nachdrücklich genug gegenüber. Das Erreichen eines solchen Mindeststandards hätte auch dann gelten müssen, wenn er nicht mehr mit Hilfe des Spaßfaktors zu erzielen gewesen wäre.

Weichgespülte Gehirne haben verkannt, daß Kinder - im Unterschied zu Kuscheltieren und Barbiepuppen - irgendwann auch den Anforderungen ihrer Umwelt genügen und darauf vorbereitet werden müssen. Die Notwendigkeit von Grenzsetzungen als wesentlicher Faktor einer ungestörten Entwicklung ist in Psychologie und Pädagogik zwar anerkannt, die von dort propagierten "kindgerechten" Lösungen sind für normal beschaffene (und gehetzte) Eltern und Erzieher jedoch nicht praxistauglich.

Auch die Inflationierung des Gewaltbegriffes - ich rede hier nicht der Prügelstrafe das Wort! - hat einen bedeutsamen Beitrag zur Verunsicherung geleistet und damit nur erreicht, daß Erziehungsverantwortung einerseits oft nur noch im Sinne mißbilligender Blicke wahrgenommen wird, andererseits die Zahl der Fälle wächst, in denen angespannte Situationen sich explosionsartig entladen. Dabei darf nicht vergessen werden, daß die Verwissenschaftlichung und Verrechtlichung zwischenmenschlicher Beziehungen eine wesentliche Grundlage aus dem Auge verloren hat - den Menschen. Dieser Mensch ist ein Tier - in einem beschreibenden, nicht abwertenden Sinne gemeint - und unterliegt damit biologischen Grundlagen und Determinanten (die vielgeschmähte Aggessivität z. B. ist biologisch angelegt und ein unverzichtbares Mittel im Überlebenskampf der Arten). Es ist einfach nur arrogant die Natur zu vernachlässigen.

Ob eine Änderung der von Dir angesprochenen Problematik nun allerdings in der Rückbesinnung auf herkömmliche Vorstellungen von Familie zu erwarten sein kann, darf bezweifelt werden (wobei mir persönlich diese Vorstellung an sich nicht unsympathisch wäre). Sicher ist es aber nicht hilfreich, die Forderung in (zu) einfache Parolen zu kleiden (wenn ich auch annehme, Deine Absicht richtig zu verstehen). Leicht widerlegbare Aussagen bergen nun einmal die Gefahr widerlegt zu werden.

Die Realität der Aussenwelt in die Familie reinzubringen.....<

Du kannst hier ja nur die Realität der Berufswelt meinen - dann aber wirkt eine solche Aussage in Zeiten, in denen die Mehrheit der Frauen eine - wie immer geartete - Berufstätigkeit ausüben, unfreiwillig komisch.

Halt und Struktur zu geben.....<

.....das Kind anzuspornen und nicht zu jedem Scheiß "oh das ist aber toll" zu sagen, sondern "versuch mal obs besser geht". Ein enttäuschtes Kind auch mal zu ertragen, weil es sich sonst nicht vermehrt anstrengt.<

Es deckt sich durchaus mit meinen Beobachtungen und Erfahrungen, daß dieses Verhalten eher von Männern als Frauen gezeigt wird. Männer mögen also in aller Regel etwas konsequenter sein, es spricht indes nichts dafür, daß Frauen dieser Aufgabe grundsätzlich nicht ebenso gerecht werden könnten - was sie, zugegeben, vielfach nicht tun.

Die Erkenntnis, daß Väter gerade auch wegen ihrer männlichen Andersartigkeit wichtig sind, sollte sich zwar bald auch in einfachst strukturierten feministischen Denkapparaten durchsetzen - liegen all dem aber auch "männliche Werte" zugrunde?

Grüße, Pedro


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