Bildungspolitik und Jungen ist ein Kernthema!
Als Antwort auf: Was hat denn das mit unserem Thema zu tun? von Lars am 07. Juli 2003 15:46:14:
Was Du hier äußerst, ist eine Meinung zum Thema Bildungspolitik, welches auch unter Männer stets umstritten ist. Und der Bezug zum Thema Geschlechtergerech-tigkeit ist fragwürdig.
Hallo Lars,
das Thema Bildungspolitik ist ein Kernthema der Geschlechtergerechtigkeit. Ließ dazu mal folgende Ausführungen. Vorsicht! Ist etwas lang, aber für jeden emfehlenswert, der sich mit dem Thema Geschlechtergerechtigkeit befassen möchte.
Viel Spaß:
Die PISA-Studie ist in aller Munde. Es erregte großes Aufsehen, dass Deutschland mit seinen Schülerleistung im Vergleich zu den anderen Ländern schlechter dasteht als bis dato allgemein angenommen. Verhältnismäßig unbekannt in der breiten Öf-fentlichkeit ist dagegen die Tatsache, dass vor allem die Jungs wesentlich schlechte-re Leistungen erbrachten als die Mädchen.
Bericht zur PISA Studie Kapitel 5 Geschlechtsspezifische Leistungsunterschiede:
Bislang galt die Besorgnis über geschlechtsspezifische Unterschiede überwiegend den schwächeren Leistungen von Mädchen. Da die Mädchen den Rückstand aber zunächst wettgemacht und die Jungen in vielen Bildungsbereichen sodann überflü-gelt haben, fällt die Aufmerksamkeit zunehmend auf Leistungsdefizite bei Jungen
Der Leistungsvorsprung der Mädchen beim Leseverständnis ist nicht nur überall fest-stellbar, sondern auch groß. Im Durchschnitt sind es 32 Punkte, d.h. eine halbe Kompetenzstufe. Der Wert ist generell höher als die typische Differenz in der mittle-ren Punktzahl zwischen den einzelnen Ländern. In Mathematik ist der Durchschnitts-abstand nur etwa ein Drittel so groß (11 Punkte zu Gunsten der Jungen). In den na-turwissenschaftlichen Fächern halten sich die geschlechtsspezifischen Unterschiede zwischen den Ländern die Waage.
Für Deutschland ist der Unterschied Mädchen/Jungen:
Lesen: 35 Punkte zu Gunsten der Mädchen
Mathematische Grundbildung: 15 zu Gunsten der Jungen
Naturwissenschaftliche Grundbildung: 3 zu Gunsten der Jungen (nicht signifikant)
Die PISA-Studie kommt zu folgenden Empfehlungen:
Die politischen Entscheidungsträger sollten sich daher eingehend mit den ge-schlechtsspezifischen Leistungsunterschieden auseinandersetzen.
Diese Ergebnisse zeigen, dass die schwachen Leistungen der Jungen eine ernste bil-dungspolitische Herausforderung darstellen, der besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden sollte, um geschlechtsspezifische Unterschiede abzubauen und den Anteil der Schü-lerinnen und Schüler auf dem untersten Leistungsniveau zu verringern.
Die politischen Entscheidungsträger haben Fragen der Gleichstellung von Mann und Frau eine erhebliche Priorität eingeräumt, wobei den Benachteiligungen von Frauen besondere Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Die Ergebnisse von PISA weisen ei-nerseits darauf hin, dass viele Länder in ihren Bemühungen erfolgreich waren, ande-rerseits aber auch auf zunehmende Probleme männlicher Schüler vor allem im Be-reich Lesekompetenz und am untersten Ende des Leistungsspektrums.
Die geschlechtsspezifischen Unterschiede waren für Kenner keine Überraschung. Schon lange zeigt sich, dass Jungs wesentlich mehr Probleme in der Schule haben als Mädchen. Dazu einige Pressemeldungen:
Frankfurter Rundschau 22.07.1999, Wigbert Tocha:
32 Prozent der Mädchen, aber nur 24 Prozent der Jungen besuchten im Jahr 1995 das Gymnasium ein Trend, der sich seitdem eher noch verschärft hat. Dagegen gehen 13 Prozent der Mädchen, aber 16 Prozent der Jungen auf die Hauptschule; noch auffälliger ist es bei der Sonderschule: Nur zu einem Drittel besuchen diese Schule Mädchen, dafür zu zwei Dritteln Jungen. Und in Hessen waren 1997 im Jahr 1997 nur 850 Mädchen ohne Hauptschulabschluss aber 1587 Jungen.
Christoph Kucklick in Geo Wissen 09/00 Neuer Mann was nun?:
Etwa in der Schule. Dort haben Mädchen ihre männlichen Klassenkameraden deut-lich abgehängt. Als Faustformel gilt: Je anspruchvoller der Schultyp, desto höher der Anteil der Mädchen. Bei den Jugendlichen ohne Schulabschluss, Sonderschülern, Hauptschülern stellen Jungen die große Mehrheit. Auf den Gymnasien und den Fachschulen dominierten dagegen die Mädchen, bei Studienanfängern herrscht na-hezu Geschlechterneutralität. In puncto Leistung liegen die Schülerinnen ebenfalls vorn, sie bringen die besseren Noten nach Hause: Jahr für Jahr bleiben mehr als doppelt so viele Jungen wie Mädchen sitzen.
Allerdings: Nachdem das Dogma von den diskriminierten Mädchen lange die schul-pädagogische Debatte beherrschte, seien heute Studien über und Förderprogramme für Jungen dringend erforderlich, moniert etwa der Berliner Erziehungswissenschaft-ler Ulf Preuss-Lausitz: Schulversagen ist vor allem ein Jungenproblem. Wer sich als Geschlechterforscher darum nicht kümmert, dem muss man sagen, dass er oder sie sich vor der wichtigsten schulischen Thematik drückt.
Anja Krumpholz-Reichel in: "spielen und lernen", 7/2001, S. 15-20:
"... Der Schulbetrieb scheint für Söhne eine besonders hohe Hürde zu sein: 30 Prozent mehr Jungen als Mädchen werden wegen fehlender Schulreife zurückgestellt. Sie wiederholen häu-figer Klassen als ihre Mitschülerinnen. 229640 Schüler besuchten im Schuljahr 1999/2000 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes eine Sonderschule für lernbehinderte Kinder - darunter waren nur 88053 Mädchen.
Geo Magazin 03/03 Johanna Romberg:
An Gymnasien, wo sie über Jahrzehnte deutlich in der Mehrheit waren, stellen Jun-gen heute nur noch 45,6 Prozent der Schüler. An Sonderschulen sind sie dagegen mit 63,6 Prozent klar überrepräsentiert.
Was sind die Gründe für diese Ergebnisse? Sind die Jungs dümmer?
Dazu folgender Beitrag: Wigbert Tocha; Frankfurter Rundschau 22.07.1999: Von Power Girls und armen Kerlen)
Nichts als Probleme machen sie, die Männer. Und die Jungen auch. Die Lehrerinnen und Lehrer jedenfalls können ein Lied davon singen. "Ihr Lernverhalten und die Konzentration lassen zu wünschen übrig", sagt der Berufsschullehrer Franz Frimmersdorf, "oft stören sie das Sozialklima, etwa durch negative Kommentare zu den Beiträgen anderer oder indem sie andere nicht ausreden lassen." Frimmersdorf ist auch Mitarbeiter der Arbeitsstelle "Erzie-hung zur Gleichberechtigung" im Hessischen Landesinstitut für Pädagogik und hat für inte-ressierte Lehrerkollegen den "Arbeitskreis Jungen" ins Leben gerufen. Die beteiligten Päda-goginnen und Pädagogen sind sich einig: Aggressionen, Belästigungen und Grenzüberschrei-tungen gehen meistens von den Jungen aus. Zwar gebe es, sagt Frimmersdorf, auch den Ty-pus des introvertierten Jungen. Aber der sei eher ein Außenseiter mit "atypischem Jugend- und Jungenverhalten".
Das deckt sich mit den Beobachtungen der Frankfurter Grundschullehrerin Ursula Kerntke. "Die Leistungen der Mädchen sind besser", sagt sie, "sie sind interessierter und fleißiger, und sie haben weniger Probleme, ihr Wissen im Unterricht konstruktiv einzubringen." Viele Jun-gen hätten dagegen Probleme, eine positive Lernhaltung zu entwickeln; das könne sich bis zur untergründigen oder offenen Verweigerungshaltung steigern. Das sei freilich nicht die Schuld der Jungen oder das Versagen der Lehrerinnen und Lehrer, findet Kerntke. "Die Art, wie in der Schule gelernt wird, kommt Jungen nicht entgegen." Vieles sei zu kopflastig, nötig seien "mehr Bewegung, mehr Experiment, mehr Handarbeit".
Ob offen eingestanden oder nicht, treibt derzeit viele Pädagogen die bange Frage um: Haben wir vor lauter Bemühen, die Mädchen stärker in den Mittelpunkt zu stellen, die Jungen ver-gessen? Kerntke: "Nachdem wir gerade gelernt haben, daß Mädchen besondere Aufmerksam-keit brauchen, machen wir in den Schulen die Erfahrung: Es sind die Jungen, die Extra-Aufmerksamkeit benötigen."......
Jahrelang war die Diskussion von der Frage bestimmt, wie es möglich sei, an den Schulen die Mädchen besonders zu unterstützen. Die feministische Forschung ging davon aus, daß Mäd-chen vielfältige Benachteiligungen an den Schulen erleiden müssen: Sie werden nicht richtig wahrgenommen von den Lehrern, belästigt von den Jungen, an den Rand gedrängt in den Naturwissenschaften, im Sport und im Computerkurs. Eine solche Betrachtung, stellt Ulf Preuss-Lausitz, Erziehungswissenschaftler an der Technischen Universität Berlin, fest, habe heute fast nur noch historische Bedeutung. An die Stelle der Frage, wie es möglich sei, die "Mädchen-Stärken" (so ein Buchtitel aus dem Jahr 1993) zu entwickeln, sei ein Blickwinkel nötig, der auch die alltägliche Abwertung der Jungen sehe. Der Erziehungswissenschaftler plädiert in einem Beitrag für die Zeitschrift Pädagogik für das Konzept "Kinder-Stärken": Ziel müsse es sein, abgewertete und benachteiligte Kinder aufzuwerten. Darunter seien min-destens so viele Jungen wie Mädchen. Preuss-Lausitz: "Die Emanzipation der Mädchen muß die Emanzipation der Jungen einbeziehen."
Jungen schneiden bei den heute stark im Vordergrund stehenden "Schlüsselqualikationen" schlechter ab als Mädchen: "Sie sind oft konkurrenzorientiert, die Mädchen dagegen team-orientiert", sagt Frimmersdorf. "Das hat Folgen im Berufsleben, wo einige Unternehmen sich wundern, daß die Teamfähigkeit mit Sonderkursen, die viel Geld kosten, trainiert werden muß."
Die Mädchen liegen vorn. Aufgrund ihrer Kommunikations- und Sprachfähigkeit und ihres Schreibverhaltens werden sie von Lehrern beiderlei Geschlechts besser zensiert. Bei den Schülerinnen, unterstreicht Preuss-Lausitz, funktioniere auch die Erziehung zu Werten wie Toleranz und Demokratie besser. Und: Beim Schulziel der Selbständigkeit und Durchset-zungsfähigkeit sei es um die Generation der "Power Girls" und ihren aufgeschlossenen Leh-rerinnen nicht schlecht bestellt - das sei aber, so Preuss-Lausitz, kein Anlaß, über die "armen Kerle" zu jammern, die an den Rand gedrängt würden, wohl aber Grund für die Forderung: Die Schule muß "nicht nur mädchengerecht, sondern auch jungengerecht werden".
Wie kann das gelingen? Die Männer fehlen. Das fängt an im Kindergarten, wo erst allmäh-lich männliche Erzieher in die weibliche Domäne eindringen, und setzt sich fort in den Schu-len, vor allem in den Grundschulen. Obwohl fünfzig Prozent der Schüler Jungen sind, gibt es in der Grundschule in Frankfurt, in der Kerntke tätig ist, 16 Klassenlehrerinnen und nur ei-nen Klassenlehrer - kein Einzelfall.
Zwar ist der Anteil der männlichen Lehrkräfte an "höheren" Schulen größer - eine Folge der Geschlechterhierarchie, die an der Spitze immer noch Männer und nur weiter unten Frauen bevorzugt. Das ändert aber nichts daran, daß der "eine Mann" an der Grundschule - nicht selten der Schulleiter - entschieden zu wenig ist. "Den Jungen fehlen positive männliche Iden-tifikationsfiguren", sagt Frimmersdorf. "Intakte" Familien werden seltener, die Zahl der Al-leinerziehenden nimmt zu. Und oft fällt der Vater, der "noch da ist", als Ansprechpartner aus, "es gibt zuwenig Kommunikation zwischen Sohn und anwesendem Vater", sagt Frimmersdorf.
Kerntke unterstreicht, daß bei vielen Kindern, konfrontiert etwa mit der Kritik der alleiner-ziehenden Mutter am abwesenden Vater, nur noch ein "So wollen wir die Männer nicht" übrig bleibe - aber, so fragt Kerntke, "woran sollen sich die Jungen orientieren?" Bei dieser Frage gehe es in der Schule weniger um die Inhalte des Unterrichts, sondern um Alltagsvorbilder, die die Jungen benötigten, um einen "Ausschnitt vom Männerleben, den man glauben kann: Der Lehrer kümmert sich um mich, er hat Geduld, er spricht mit mir". Ohne diese Erfahrung pendelten die Jungen zwischen Abgrenzung, problematischen Vorbildern wie dem halbwüch-sigen Aufschneider mit dem Handy, der am benachbarten Kiosk steht, und der Suche nach Anerkennung in der Jungen-Clique. Kerntke: "Jungen werden benachteiligt, weil sie nieman-den haben, nach dem sie sich richten können. Fünfzig Prozent Jungen brauchen fünfzig Pro-zent Lehrer."
Was sonst noch tun? Preuss-Lausitz beläßt es bei dem allgemeinen Hinweis, daß aus der un-abhängig voneinander geführten Diskussion über "die Mädchen" und "die Jungen" ein viel-fältiger Chor werden müsse: "Der Chor selbstsicherer und kooperativer Kinder." Von der Forderung nach getrenntem Unterricht hält er wenig. Dennoch ist absehbar, daß diese For-derung bald umgekehrt erhoben werden wird: weniger, um den Mädchen zu helfen, sondern um die Jungen besonders zu unterstützen. Ursula Kerntke hat mit solchen differenzierten Gruppen gute Erfahrungen gemacht. Mit einer Jungen-Gruppe hat sie kürzlich mehrere Tage lang im Schulgarten gearbeitet. Die Jungen waren kooperativ, zufrieden mit ihrer Arbeit und stolz. Der übliche Streit fiel aus.
Auch Frimmersdorf plädiert für eine "reflexive Koedukation". Dahinter verbirgt sich zum einen das allgemeine Ziel, den Unterricht so zu gestalten, daß Mädchen und Jungen mitein-ander und voneinander lernen können; "alle", sagt Frimmersdorf, "sollen ermutigt werden, Selbstvertrauen und Eigenverantwortlichkeit zu erwerben, aber auch Schwäche und Hilfsbe-dürftigkeit einzugestehen". Zum anderen hält er es für sinnvoll, Jungen und Mädchen zeitwei-se getrennt zu unterrichten, etwa im Computerkurs. Er verweist auch auf die Laborschule in Bielefeld, die gute Erfahrungen mit einer getrennten "Mädchenkonferenz" und einer "Jungen-konferenz" gemacht hat; in der Laborschule gibt es zudem einen "Haushalt(s)paß" auch für Jungen: Dieses Workshop-Angebot umfaßt Alltagsfähigkeiten vom Kochen über die Wäsche-pflege bis hin zur Kindererbetreuung. Gewonnen ist, da sind sich alle einig, schon viel, wenn ein Bewußtsein für das Problem entsteht
DIE ZEIT; Wissen 37/2001;Mädchen in der Schulbank; von Sabine Etzold:
Der Mythos: Mädchen werden in unserem Bildungssystem benachteiligt. Schuld daran ist vor allem die Koedukation, also der aus dem Streben nach Gleichberechtigung entstandene gemeinsame Unterricht von Jungen und Mädchen. In gemischten Klassen dominieren die Knaben. Sie sind vorlaut, lenken die Aufmerksamkeit der Lehrer auf sich und profitieren von dieser pädagogischen Zuwendung. Durch getrenntgeschlechtlichen Unterricht wenigstens in Naturwissenschaft und Informatik muss die Gleichbehandlung der Mädchen gesichert wer-den.
Die Wirklichkeit: Mädchen sind eindeutig die Gewinner des Schulsystems. Wesentlich mehr Mädchen als Jungen gehen aufs Gymnasium. Im Moment sind sie bundesweit mit knapp 200 000 im Vorsprung, bei steigender Tendenz. Mädchen sind eben einfach schlauer, könnte man meinen. Und das trifft zum Teil auch zu. Sie sind eindeutig besser in allen Fächern, die mit Sprachen zu tun haben; in einem Schulsystem wie dem unseren, das traditionell stark geistes- und sprachwissenschaftlich geprägt ist, bringt das Vorteile. Vielleicht verlieren die Mädchen ihren Vorsprung, wenn - wie im Moment der Trend - Mathematik, Naturwissen-schaft und Technik im Unterricht an Bedeutung gewinnen. In diesen Fächern legen sie näm-lich weniger Interesse und Leistung an den Tag und hinken den Jungen hinterher.
Der wahre Grund aber, weshalb Mädchen an den Gymnasien zahlreicher vertreten sind: Sie werden von ihren Lehrern bevorzugt. Wenn es um die für die Schullaufbahn entscheidende Empfehlung für den Übergang von der Grundschule zum Gymnasium geht, werden deutlich mehr Mädchen vorgeschlagen. Das sagt jedenfalls eine Langzeitstudie, die Rainer H. Leh-mann von der Berliner Humboldt-Universität im Auftrag der Stadt Hamburg durchgeführt hat. Bereits bei diesem entscheidenden Übergang werden die Mädchen also bevorzugt. Und diese Bevorzugung kann "allenfalls teilweise durch ein höheres Leistungsniveau begründet werden". Warum die Lehrer die Mädchen bevorzugen, darüber stellt die Studie nur vorsichti-ge Vermutungen an. Möglicherweise sei eine "schulkonformere Einstellung" der Mädchen daran beteiligt; mit anderen Worten: Mädchen sind braver als Jungen, sie passen sich besser an und machen ihren Lehrern weniger Schwierigkeiten. Was, wenn es denn stimmt, Stoff zum Nachdenken über die Aussagekraft von Schulnoten liefert.
Eine andere Untersuchung hat inzwischen ergeben, dass nicht etwa Mädchen, sondern Jun-gen von den geschlechtergemischten Klassen benachteiligt werden. Eine in der Zeitschrift für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie Nr. 2/2000 erschienene Studie be-legt, dass Jungen in Jungenschulen mehr lernen und sich dort auch wohler fühlen als in ge-mischten Schulen. So empfinden sie im gemischten Unterricht höheren Leistungsdruck und glauben, weniger Mitspracherecht zu haben.
Karin Jäckel schreibt dazu:
Ergänzend dazu ließe ich eine im Dezember 1999 vorgestellte Studie der Tübinger Pädagogen Gunter Neubauer und Reinhard Winter anführen, in welcher festgestellt wurde, dass Jungen von Erwachsenen grundsätzlich kritisch und eher negativ als Macho, Gockel oder Cowboy wahrgenommen werden. So wurde behauptet, Jungen seinen emotional inkompetetent, kommunikationsunfähig und bewältigungs-schwach. Stets wollten sie angeblich sie Stärksten, Schönsten und Größten sein. Die Jungen selbst hielten sich für unauffällig, kompetent und bewältigungsstark. Mit dem Wunsch, normal, stark und gut aussehend zu sein, verbanden sie vor allem das Bedürfnis, nicht aus dem Rahmen zu fallen oder sich von der Gruppe abzugrenzen.
Parteilichkeit der Beziehung zwischen Frauen und Mädchen lässt sich ebenso zwi-schen Frauen und Jungen in allen erzieherischen Bereichen beobachten. Besonders deutlich wird dies an Grundschulen und während der ersten Klasse der weiterführen-den Schulen, in denen Mädchen wegen ihrer süßen Art und natürlichen Vorlieben für Konzentrationsspiele klar bevorzugt werden. (Karin Jäckel: Deutschland frisst seine Kinder, rororo 2000, S.50f.)
Die Fakten sprechen für sich. Nochmals: Laut PISA-Studie stellen die schwachen Leistungen der Jungen eine ernste bildungspolitische Herausforderung dar.
Wie stellt sich Deutschland dieser Herausforderung?
Das Bundesminsiterium für Bildung und Forschung stellte einen 32-seitigen Bericht OECD-Veröffentlichung Bildung auf einen Blick Wesentliche Aussagen der OECD zur Ausgabe 2002 unter http://www.bmbf.de/pub/20021029_EAG_Langfassung.pdf ins Internet, das den nied-rigen Frauenanteil in den Natur- und Ingenieurwissenschaften, die Defizite der Schü-lerinnen bei Computerfertigkeiten, die Defizite der beruflichen Weiterbildung der Frauen auf meherern Seiten in diesem bericht eingeht. Nicht eine einzige Seite, nicht ein einziger Satz, nicht ein einziges Wort wird jedoch für die erheblichen Lese-defizite der Jungs oder die schlechteren Schulabschlüsse in diesem Bericht verwen-det.
So sieht sie aus, die Geschlechtergerechtigkeit für Jungs in der Bildungspolitik in Deutschland im Jahr 2003.
Gruß
Bruno
gesamter Thread:
- Rettet unsere Kinder -
Odin,
07.07.2003, 13:10
- Re: Rettet unsere Kinder - gaehn, 07.07.2003, 13:56
- Re: Rettet unsere Kinder -
Frank,
07.07.2003, 17:17
- Re: Rettet unsere Kinder - Odin, 07.07.2003, 18:02
- Was hat denn das mit unserem Thema zu tun? -
Lars,
07.07.2003, 18:46
- Re: Was hat denn das mit unserem Thema zu tun? -
Odin,
08.07.2003, 02:06
- Re: Was hat denn das mit unserem Thema zu tun? - Manfred, 08.07.2003, 02:45
- Bildungspolitik und Jungen ist ein Kernthema! -
Bruno,
08.07.2003, 15:05
- Bildungspolitik allgemein und der Jungen-Aspekt im besonderen -
Lars,
08.07.2003, 17:13
- Re: Bildungspolitik allgemein und der Jungen-Aspekt im besonderen -
Manfred,
08.07.2003, 19:04
- Re: Bildungspolitik allgemein und der Jungen-Aspekt im besonderen - Jolanda, 08.07.2003, 20:19
- Re: Bildungspolitik allgemein und der Jungen-Aspekt im besonderen - Bruno, 09.07.2003, 14:44
- Re: Bildungspolitik allgemein und der Jungen-Aspekt im besonderen -
Manfred,
08.07.2003, 19:04
- Re: Bildungspolitik und Jungen ist ein Kernthema! - Odin, 08.07.2003, 18:06
- Bildungspolitik allgemein und der Jungen-Aspekt im besonderen -
Lars,
08.07.2003, 17:13
- Re: Was hat denn das mit unserem Thema zu tun? -
Odin,
08.07.2003, 02:06
- Re: Rettet unsere Kinder -
Pedro,
09.07.2003, 00:09
- Re: Rettet unsere Kinder -
Odin,
09.07.2003, 14:46
- Exzellent! (n/t) - Jörg, 09.07.2003, 14:51
- Re: Rettet unsere Kinder - Manfred, 09.07.2003, 15:00
- Re: Rettet unsere Kinder - Jolanda, 09.07.2003, 19:40
- Re: Rettet unsere Kinder -
Odin,
09.07.2003, 14:46