Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

Archiv 1 - 20.06.2001 - 20.05.2006

67114 Postings in 8047 Threads

[Homepage] - [Archiv 1] - [Archiv 2] - [Forum]

Bildungspolitik allgemein und der Jungen-Aspekt im besonderen

Lars, Tuesday, 08.07.2003, 17:13 (vor 8247 Tagen) @ Bruno

Als Antwort auf: Bildungspolitik und Jungen ist ein Kernthema! von Bruno am 08. Juli 2003 12:05:47:

Ich stimme Dir, in dem was Du über die Benachteiligung von Jungen an der Schule schreibst, voll und ganz zu. Aber das ist doch ein ganz anderer Aspekt, als der, um den es in Odins Posting ging:

- bei Odins Statement ging es gegen die als lasch angesehene "Kuscheleckenpädagogik" und den allgemeinen (also nicht nur den jungenspezifischen) Leistungsabfall. Der Geschlechtsbezug war aus seiner Sicht in der Abkehr von "männlichen Werten" wie Leistung und Disziplin gegeben.

- in Deinem Posting liegt der Geschlechtsbezug in dem relativen Leistungsabfall der Jungen gegenüber den Mädchen. Und als Grund gilt hier nicht die "Kuscheleckenpädagogik" - um die geht es in dem Zusammenhang ja gar nicht -, sondern der heutige Mangel an positiven männlichen Vorbildern, der LehrER-Mangel an den Schulen, die jahrzehntelange dogmatische Focussierung auf "die diskriminierten Mädchen" und die Bevorzugung der Mädchen aufgrund ihrer niedlicheren und konfliktscheueren Art.

Wie gesagt, den Thesen in Deinem Posting, bzw. den zitierten Presse-Artikeln stimme ich voll und ganz zu; gegen Odins These von der verderblichen "Kuscheleckenpädagogik" habe ich aber meine Einwände:

- Erstens: Der Eindruck eines Leistungabfalls an den Gymnasien rührt in erster Linie daher, daß diese heute einen völlig anderen, wesentlich schwierigeren Auftrag zu bewältigen haben als damals: Früher sollten sie nur dafür sorgen, daß aus den Söhnen und Töchtern der sehr kleinen Bildungselite die nächste wiederum sehr kleine Bildungselite wird. Heute sieht die Lage so aus, daß die moderne Wirtschaft immer mehr Akademiker und immer weniger Industriearbeiter braucht. Dementsprechend sind die Gymnasien von seiten der Politik und der Öffentlichkeit vor die Aufgabe gestellt, immer mehr potentielle Akademiker für die "postindustrielle" "Wissensgesellschaft" hervorzubringen und dementsprechend sind sie viel mehr als früher auch mit Kindern aus bildungsferneren Familien konfrontiert. Es geht heute also darum, "Masse" UND "Klasse" unter einen Hut zu bringen.

- Zweitens: Mehr Leistungsdruck würde kaum zu mehr Leistung führen, sondern nur zu mehr vorzeitigen Schulabgängern, was konservativen Bildungspolitern dann ideologogische Genugtuung bereiten mag, aber das oben beschriebene Problem, Masse und Klasse zusammenzubringen, nicht lösen würde (das vielgelobte restriktive bayrische Abitur hat dazu geführt, daß Bayern seinen eigenen Abiturientenbedarf nicht decken kann!)

- Drittens: Lernen sollte in der Tat Spaß machen, denn es nimmt einen großen Teil der Lebenszeit in Anspruch. Und wir waren doch auch alle froh, nicht mehr durch die "Pauk"-Schule unserer Elern und Großeltern gehen zu müssen. Also sollten wir diese "Särge der Jugendzeit" nun doch nicht unseren Kindern an den Hals wünschen.


gesamter Thread:

 

powered by my little forum