Re: Darum
Als Antwort auf: Darum von Rüdiger am 23. April 2003 23:24:04:
Hi Rüdiger, 
Abgesehen davon habe ich den Eindruck, daß Euer Roman eher eine dröge theoretische Abhandlung, eine Art Utopia, notdürftig gekleidet in einen Roman, denn ein richtig spannender Roman sein wird. Wenn man die Planung eines Romans statt mit den Grundzügen der Handlung mit den (statischen) Grundzügen einer Art "Gesellschaftslehre des 23. Jh.s" beginnt, dann läßt das für den Unterhaltungswert des Romans nicht das Beste erhoffen.
Naja, sicher, das habe ich mir auch schon gedacht. Aber zwei Einwände: Zum einen ist es ein Science-Fiction-Roman, der in einer utopischen Gesellschaft spielt. Bei diesem Genre kannst du die Planung eines Werkes doch gar nicht mit der Handlung beginnen, sondern musst erst mal die Welt entwerfen, in der diese Handlung stattfinden soll. Bei "Gynopolis" und letztlich auch bei "Fox" war das ähnlich. In jedem anderen Genre (außer vielleicht Fantasy) ist das anders, weil man da auf existierende Welten zurückgreifen kann. Zum zweiten denken wir wegen unserer Jobs vielleicht zu sehr in bestimmten Schienen. Spannung muss ja nicht unbedingt das einzige Kriterium sein, das über die Güte eines Romans entscheidet. In den siebziger Jahren war Verena Stefans "Häutungen" ein Klassiker: rein von der Handlung her unlesbar, aber er stellte sich die Aufgabe, eine neue "weibliche" Sprache für Sexualität und Begehren zu entwickeln. Viele Frauen haben ihn sich in Mundpropaganda weiterempfohlen. Elfriede Jelineks "Lust" ist auch so ein komplett unspannendes Sprachkunstwerk, das eigentlich nur für Akademiker genießbar sein sollte, aber trotzdem zum Bestseller wurde.
Man muss ja nicht gleich bei JEDEM literarischen Projekt überlegen, ob man damit auch so viele Leser wie möglich erreicht. Wie schon gesagt: Wir beide gehen mittlerweile fast automatisch unter diesem Blickwinkel an neue Texte heran. Aber ist es nicht auch spannend zu sehen, wie ein völlig neues Konzept entsteht: ein Roman über Transsexualität/Transgender, bei dem Inhalt und Form übereinstimmen (was ja eines der Kriterien von Kunst ist)?
Und schließlich möchte ich daran erinnern, dass viele neue Genres auf einer literarisch recht hohen Stufe beginnen, um dann immer mehr in Richtung "massengängig" eingeebnet zu werden. Nehmen wir als Beispiel mal den Krimi: E.T.A. Hoffmanns "Das Fräulein von Scuderi" -> E. A. Poes "Die Morde in der Rue Morgue" -> Conan Doyle und Agatha Christie -> Raymond Chandler und Dashiell Hammett -> Mickey Spillane etc. (Wobei ich in dieser stark gerafften Liste verschiedene Zwischenstufen und Rückentwicklungen übergehe. Natürlich ist mir selber klar, dass Chandler und Hammett auf einem höheren literarischen Niveau sind als Agatha Christie.) Vielleicht sind Alex und susu ja Vorreiter beim Genre Transgender-Erzählung? Meiner Ansicht nach sollte man solche Experimente nicht schon in der Startphase durch allzu starke kritische Ablehnung abwürgen, auch wenn ich es für sinnvoll halte, auf potentielle Probleme aufmerksam zu machen.
Ich jedenfalls bin FÜR dieses Projekt und bin gespannt, wie es sich entwickelt. 
Herzlicher Gruß
Arne
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- @Jörg: Frage -
Alex,
23.04.2003, 22:05
- Re: @Jörg: Frage -
susu,
23.04.2003, 22:31
- Re: @Jörg: Frage -
Alex,
24.04.2003, 00:17
- Darum -
Rüdiger,
24.04.2003, 02:24
- Re: Darum - Alex, 24.04.2003, 03:32
- Re: Darum -
Arne Hoffmann,
24.04.2003, 12:26
- Danke Arne :-) -
Alex,
30.04.2003, 14:08
- Re: Danke Arne :-) -
susu,
01.05.2003, 18:24
- Re: Danke Arne :-) - Alex, 02.05.2003, 06:45
- Re: Danke Arne :-) -
susu,
01.05.2003, 18:24
- Danke Arne :-) -
Alex,
30.04.2003, 14:08
- Darum -
Rüdiger,
24.04.2003, 02:24
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Alex,
24.04.2003, 00:17
- Re: @Jörg: Frage -
Jörg ,
24.04.2003, 01:00
- Re: @Jörg: Frage - Alex, 24.04.2003, 01:08
- Re: @Jörg: Frage -
susu,
23.04.2003, 22:31