Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Feminismus definieren?

Roslin, Monday, 15.11.2010, 00:47 (vor 5540 Tagen) @ Narrowitsch
bearbeitet von Roslin, Monday, 15.11.2010, 01:06

Du hast die wesentlichen Kritikpunkte getroffen, Narro.
Das einzig Konsistente an dieser Ideologie ist das Ziel: Die Durchsetzung des weiblichen Egoismus gegenüber dem männlichen, die Errichtung einer weiblichen Suprematie, die Aufwertung, Edelung, Kaschierung des weiblichen Egoismus, die Denunziation, Delegitimierung, Diffamierung des männlichen.

Um den Preis der Negation der Tatsache, dass beide Geschlechter auf Zusammenarbeit und Ergänzung hin angelegt sind, voneinander unemanzipierbar sind.

Der Mann soll zur rechtlosen Funktionsdrohne der weiblichen Selbstverwirklichung herabgewürdigt werden, die sich der moralischen Überlegenheit, aus der die weibliche Definitionshoheit abgeleitet wird, widerspruchslos zu fügen hat.

Wie die Wege, die zu diesem Ziel führen, dann im Einzelnen unterlegt werden, welcher Schotter, Plattenbelag, Untergrund gebraucht wird, das ist nebensächlich.

Darum kann es so viele Feminismen geben, darum scheren sie sich auch nicht um Konsistenz, können Differenzfeministinnen mit Gleichartigkeit argumentieren, Gleichheitsfeministinnen mit Verschiedenartigkeit - Hauptsache, Frauenprivilegien, Sonderrechte, Schonräume für Frauen lassen sich damit (schein-)begründen.

Das changiert und schillert je nach Opportunität, schert sich nicht um Logik und inneren Zusammenhalt.

Interessant vielleicht noch eine Überlegung, warum Feminismus so populär werden konnte.

Ich glaube, Frauen plagt angesichts der unbestreitbaren Tatsache, dass die Masse der herausragenden Kulturleistungen von Männern erbracht wurde und wird, HEUTE ein gewaltiger Minderwertigkeitskomplex.

Deshalb MUSS man diese Tatsache auf Unterdrückung/Verhinderung zurückführen, damit unweigerlich Männern eine tiefe Bosheit gegenüber Frauen unterstellen.

Warum dieses Minderwertigkeitsgefühl in der Moderne so akut wurde, liegt meiner Ansicht nach daran, dass dieselben Entwicklungen, die Frauen entlasteten, auch ihren Geschäftsbereich massiv entwerteten.

Die "Befreiung" der Frau erfolgte ja wesentlich durch die Technik, durch den zivilisatorischen Fortschritt, war nicht nur Befreiung, sondern auch Freisetzung, Arbeitslosmachung.

Frauen generierten früher Selbstbewusstsein aus der Tatsache, dass sie als Mütter Kinderproduzenten waren, unverzichtbar, unersetzbar, als "Herrscherinnen über den Haushalt und den Binnenraum "Familie", besonders über die Kinder, die sie mehr formten als die Väter.
Frauen waren so in einem anspruchsvollen, vielfältigen "Beruf" tätig, der ein Leben sinnvoll ausfüllen konnte.

Muttersein wurde in seiner Bedeutung entwertet durch Herabsetzung der Kindersterblichkeit.
Es sind nicht mehr 10-15 Schwangerschaften mit Stillperioden und anschließender Kleinkindbetreuung nötig, um am Ende ein, zwei erwachsene Söhne vorweisen zu können, die die alten Eltern vom Ertrag ihrer Arbeit versorgen können.

Söhne mussten es sein, weil in der Regel allein Männer in den Zeiten der Muskelökonomie genug Ertrag erwirtschaften konnten, um aus dem Sürplus die Eltern mit zu versorgen.

Der Arbeitsplatz "Haushalt" wurde durch Mechanisierung zu einem Feld, das nicht mehr viel Zeit beansprucht.
Außerdem wurde die früher auch kreativ anspruchsvolle Tätigkeit dort stumpfsinnig.
Kochen: heute gibt's Fertiggerichte.
Einkochen: Konserven und Tiefgekühltes aus dem Supermarkt.
Garten: braucht heute kaum noch jemand, hat kaum noch jemand, Handel und Vorratshaltung des Handels machen das überflüssig.
Stricken, Weben, Schneidern: Alles ausgelagert und industrialisiert USW.

Mit anderen Worten: Frauen wurden durch die Moderne in ihrem ureigensten, anggestammten Feld arbeitslos, verloren so die traditionelle Quelle ihres Selbstbewußtseins, sahen sich der zivilisatorischen "Übermacht" des Mannes ausgesetzt, ihres Propriums enteignet.

Und reagierten nun darauf, indem sie das Proprium des Mannes, seine Weltgestaltung, zu entwerten und zu enteignen versuchen, um sich so wieder gleichwertig fühlen zu können


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