Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Pest und Schnupfen, Auswandern oder Bleiben

Rüdiger, Wednesday, 18.08.2010, 15:27 (vor 5626 Tagen) @ Roslin

Warum soll ich mich auf die Pest freuen, wenn ich unter Cholera leide?

"Warum sollte ich mich auf die Pest freuen, wenn ich an einem Schnupfen leide?" wäre die richtigere Frage. Ich wundere mich oft, wie sehr in diesem Forum viele alles durch die Brille des Geschlechterkampfs sehen.

Da schrieb mal einer "Sorry, daß ich mit Anonymisierungssoftware schreibe, aber ich schreibe aus einem Internetcafé in einem südostasiatischen Land, wo die Meinungsfreiheit nichts gilt" - die hier im Forum unentwegt so hochgehalten wird. Das hält aber diverse Expatriates und sonstige Lobredner nicht davon ab, die Zustände in den Waschküchenklimaländern Südostasiens über den grünen Klee zu loben. Politische und gesellschaftliche Freiheiten - offenbar alles scheißegal, solange nur die Cocktails gut gemixt werden und es genug anschmiegsame Schnuckelmädchen gibt.

(Einer meiner Autoren ist mit einer Thailänderin verheiratet und zog letztes Jahr von Bayern in ihre Heimat. Er beschwor mich: "Schicken Sie mir die Belegexemplare meines neuen Titels unbedingt vor meinem Wegzug, so was Freizügiges läßt der Zoll hier nie durch, im Umzugsgut hingegen geht es unter dem anderen Kram durch." Vor seinem Wegzug schrieb er so eine typische In-Deutschland-ist-alles-schlecht-Mail, ein halbes Jahr später stöhnte er: "Das reinste Treibhaus! 34 Grad in meinem Arbeitszimmer, ich bin wie aus dem Wasser gezogen!" Nur in klimatisierten Räumen zu sitzen ist doch sch... )

Narrowitsch schrieb hier mal in einer Auseinandersetzung über die Wehrpflicht, die französische Fremdenlegion sei gottlob eine der letzten Institutionen, in denen mann nicht vor Frauen knien müsse - dafür muß er sich dann vor einem französischen Offizier schinden lassen, muß seine Haut zu Markte tragen und sein Blut vergießen für die Interessen eines fremden Landes. Na danke - wer das allen Ernstes für ein geringeres Übel hält als das bißchen - gewiß ärgerlichen - Feminismus, der hat wirklich eine im Wortsinne ver-rückte Sichtweise.

Dito Islam: Ich und viele andere haben durch ein Regime à la Saudi-Arabien viel mehr zu verlieren als zu gewinnen. (Spätestens wenn Schinkenbrötchen und Bier verboten werden, wird es jedem klarwerden - aber dann ist es zu spät).

A. E. Johann schrieb in seinem frühesten Buch "Mit 20 Dollar"(1928) darüber, aus welch nichtigen Gründen manche nach Kanada auswanderten, schildert das Beispiel eines Mannes, der sich so über seine Schwiegermutter ärgerte, daß er lieber nach Kanada auswanderte, anstatt der Xanthippe Paroli zu bieten. Genauso kommt mir das Gerede hier im Forum vor: Man hält einen Schnupfen für schlimmer als die Pest. "Bleibe im Lande und wehre dich täglich!"

Gruß, Rüdiger


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