Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Was ist die Scharia? Eine kleine Zusammenfassung der Lage in Deutschland

Mus Lim ⌂, Wednesday, 18.08.2010, 11:53 (vor 5626 Tagen) @ Mulher

Die Scharia ist zunächst einmal zum größten Teil für Muslime das, was für Christen etwas der katholische oder Lutherkatechismus ist.
Das sind religiöse (Verhaltens)Regeln (bspw. zu halal-Fleisch, Fasten im Ramadan, Wie läuft das Gebet ab, etc.) Das hat alles nichts mit staatlichem Recht zu tun.

Zweitens ist die Scharia fallorientiert und nicht wie der BGB strukturiert.
Die Scharia ist nirgends erhältlich wie etwa das BGB als Buch, weil sie in ihrer Gesamtheit eine riesige Fallsammlung ist, die mehrere Bibliotheken füllt.
Da es dazu noch unterschiedliche Rechtsschulen und Rechtsmeinungen gibt, gibt es auch widersprüchliche Fallentscheidungen (die so genannten Fatwas).
Damit das eindeutig wird und auch praktizierbar, müsste eine Auswahl getroffen werden.
Es gibt also keine "Scharia von der Stange", die man mal eben so "in Kraft setzen" könnte.

Wenn es also irgendwo heißt, "die Scharia" wäre eingeführt, dann handelt es sich immer nur um mehr oder weniger große Teilbereiche. Reines Schariarecht gibt es nicht einmal in Saudi-Arabien.

Zum Schluss:
Die so genannte Scharia wurde in islamischen Ländern entwickelt mit einer islamischen Führung (Sultan) und muslimischen Mehrheitsbevölkerung (die Scharia galt beispielsweise NICHT für Juden, Christen und anderen Andersgläubigen).
Es müsste im Prinzip eine Scharia für die "Peripherie" entwickelt werden, es müsste also eine Rechtsschule etabliert werden, die in der Lage sind religiöse Gutachten (Fatwas) zu erstellen für Länder, in denen Muslime als Minderheit leben.
Das gibt es aber bislang nicht.

Und wie gesagt, die Scharia gibt nur für die Muslime selbst.
Der Prophet Muhammad (saw) hat in Medina selbst nach der Thora Recht gesprochen, wenn er über Juden Gericht sitzen musste.
Das osmanische Reich hat dafür ein ausgefeiltes Milett-System entwickelt.

Der Begriff Scharia wird leider immer als Angstmacher verwendet.
Ich hoffe, ich konnte mit der kurzen Übersicht ein wenig differenzieren.

Noch ein letztes:
In Deutschland leben Muslime von Marokko bis Ägypten, von Syrien bis Saudi-Arabien und Abu Dabi, von der Türkei bis Pakistan, von Sudan bis Reunion, von Surniam, von Malaysia bis Indonesien ...
Und nun bringt deren Rechtsgelehrte in Deutschland zusammen ... sie werden sich nicht auf eine Scharia einigen können ... Das Schreckgespenst Scharia verliert sofort seine Wirkung, wenn man sich nur die Zersplitterung der islamischen Szene in Deutschland vor Augen hält.
Da droht gar nichts, weil jeder sein eigenes Süppchen kocht. Aus demselben Grund bin ich auch noch nicht davon überzeugt, dass es mit dem staatlichen Islamunterricht was wird.

Die Marokkaner werden nicht mit den Türken zusammenarbeiten, die Türken selbst sind in viele Gruppen gespalten (VIKZ, ATIB, DITIB, IGMG plus diverse Sufi-Gruppen). Alle zusammen arbeiten nicht mit der Ahmadiyya zusammen. Dann stehen noch die Wahabiten außen vor.

Das ist kein Szenario, das Angst machen müsste ...

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