Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Was ist die männliche Rolle bei Abtreibungen?

Nick, Saturday, 08.01.2005, 22:05 (vor 7697 Tagen) @ Andreax

Als Antwort auf: Re: Was ist die männliche Rolle bei Abtreibungen? von Andreax am 08. Januar 2005 19:20:06:

D.C. fragte: "Trägt ein Mann, der die Schwangerschft ablehnt, und die Frau nicht unterstützt eine Mitverantwortung an der Abtreibung oder ist es allein Sache der Frau?"

Andreax darauf: "Da die gegenwärtige Rechtslage nicht vorsieht, daß der Mann überhaupt gefragt wird, kann er auch rechtlich keine Verantwortung tragen."

Juristisch gesehen ja, moralisch betrachtet allerdings schon. Man muß auch hier sauber unterscheiden, z.B. zwischen der allgemein skandalösen, rechtlosen Lage von Vätern in Hinblick auf die Schwangerschaft besonders ihrer Freundin (aber auch der Ehefrau) und ihrer eigenen Kinder einerseits, und ihrer Mitverantwortung für eine eventuelle Abtreibung. Das sind zwei getrennte Fragen.

Wenn, wie es D.C. unterstellt (und wie es gewiß nicht selten vorkommt), der Mann eine Abtreibung in Kauf nimmt, zum Beispiel weil er nicht für das Kind aufkommen möchte, dann trägt er selbstverständlich Mitverantwortung für die Tötung des Kindes. Er kann sogar der Hauptverantwortliche dafür sein, wenn er nämlich die Frau, eventuell gar gegen ihren Willen, unter Druck setzt, eine Abtreibung vornehmen zu lassen. Das kann bis hin zur Alleinverantwortung gehen, wenn die Frau auf keinen Fall abtreiben will, aber der Mann dies nicht respektiert, sondern weiter massiven Druck ausübt.

Ich selbst war vor über drei Jahrzehnten in der Lage, daß meine Freundin schwanger von mir wurde. Wir standen beide am Anfang unseres Studiums und haben uns gemeinsam für eine Abtreibung entschieden. Meine Zustimmung damals war ganz klar ein Unrecht, um nichts weniger als die meiner damaligen Freundin.

Neulich hat mich hier eine "Erika" gefragt, ob ich denn wüßte, daß jener Embryo auch mich einmal anklagen werde. Ich habe ihr geantwortet, daß ich das weiß und daß ich damit rechne. Um seine eigene Schuld kommt keiner herum. Das hat mit anderen Fragen, die von außen hineinspielen, überhaupt nichts zu tun.

Eine Abtreibung ist und bleibt für mich eines der schlimmsten Verbrechen, ein Mord eben, der einem Menschen das Leben nimmt zu einem Zeitpunkt, wo er am wehrlosesten, am schutzbedürftigsten und mit Sicherheit am unschuldigsten ist. Das hat ein jeder in dem Maße moralisch zu verantworten, wie er an der Entscheidung beteiligt gewesen ist.

Nick


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