Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Das wirklich Ärgerliche

Norbert, Thursday, 09.12.2004, 17:47 (vor 7728 Tagen) @ Rüdiger

Als Antwort auf: Das wirklich Ärgerliche von Rüdiger am 09. Dezember 2004 14:20:46:

... an der neuen RS ist aber der Verlust an Differenzierung im Bereich der Zusammen- und Getrenntschreibung.
Ein Beispiel aus einem Biologie-Lehrbuch in Neuschreibung:
"Mensch und Affe haben sich auseinander entwickelt" - so wie das dasteht, könnte man meinen, der Mensch habe sich aus dem Affen entwickelt und der Affe aus dem Menschen. Uns, die wir das alles schon kennen, ist natürlich klar, daß "auseinanderentwickelt" gemeint war.
Der SPIEGEL neulich in einem Interview mit dieser Frau Ahnen: "Sind Sie nun eine wohlbekannte [gut bekannte] oder eine wohl bekannte [vermutlich bekannte] Ministerin?" Sie antwortete ausweichend, daß die Neuschreibung nicht mit einem Verlust der Verständlichkeit verbunden sei. Klar kann man das meiste auch aus dem Kontext erschließen, aber eben weniger rasch, als wenn es schon durch die Schreibweise klar wird.
Arnold Schwarzenegger neulich zu seinen Mitbürgern: "Kalifornier! Ich werde euch nicht hängen lassen!" Das ist nett von Arnie, daß er darauf verzichtet, seine Mitbürger aufknüpfen zu lassen. Gemeint ist wohl "... nicht hängenlassen [nicht im Stich lassen]". Dieser Unterschied zwischen wörtlicher Bedeutung und übertragener Bedeutung wird systematisch negiert.
Kultusminister Zehetmaier neulich zu einem Journalisten: "Es ist doch ein Unterschied, ob ich Schüler auseinander setze, etwa weil sie dauernd streiten, oder ob wir uns auseinandersetzen!"
Und so weiter und so fort. Demgegenüber ist die sz/ß-Frage in der Tat zwar im Schriftbild auffälliger, aber weniger ärgerlich. Nebenbei: Wenn in der Schweiz zwischen "Maße" und "Masse" nicht mehr unterschieden wird, dann läßt sich zwar auch durch den Zusammenhang entscheiden, was gemeint ist, aber es ist eben doch mühsamer, als wenn man es gleich durch die Schreibweise sieht.
Gruß, Rüdiger

Richtig.
Ich hatte ja nicht die Abschaffung des 'ß' in den Vordergrund gestellt, sondern das Verständnis wann 'daß', respektive 'dass' oder 'das' verwendet werden muß.
Wer es für 'daß' nicht weiß, weiß es für 'dass' genausowenig.

Der Verständnisverlust wird einfach mal bei folgender Frage klar:
'Welche Masse hat der Körper?'

Will ich 'Masse' als Gewicht, oder die Abmessungen als Maße wissen?
In der Sprache ist der allein stehende Satz völlig eindeutig, ohne weiteren Kontext.
So geschrieben aber nicht mehr.
Abhilfe wäre zwar dann, daß ich bei der geschriebenen Sprache andere Worte verwenden muß, damit ändere ich aber auch den Sprachgebrauch.
Womit die Sprache aber zwangsläufig ausdrucksärmer wird.

Dies meinte ich mit Stilmitteln, als Ersatz für Betonung.
Und daß es den Lesern nun schwer gemacht wird.

Der Blickwinkel, 'dem Schreibenden ist es leicht zu machen' ist der Kardinalfehler.
Natürlich sollen sinnvolle Regelungen als Reform nicht ausgeschlossen werden.
Neue Regeln müssen aber sowohl dem Schreibenden, als auch den Lesenden zu Gute kommen.
Und im Zweifel eher den Lesenden. Schlicht aus Mengengründen.

Wie war es mit Pisa: Leseschwächen.
Diese Reform hat diese Leseschwäche begünstigt.

Gab es bei Pisa auch das Thema Schreibschwäche?

Gruß
Norbert


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