Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: @Jola - Freiheit die ich meine

Ekki, Monday, 06.12.2004, 14:24 (vor 7730 Tagen) @ Jolanda

Als Antwort auf: Re: Freiheit die ich meine von Jolanda am 01. Dezember 2004 16:02:23:

Hallo zusammen
Ich möchte euch hier noch mal einen Beitrag über die Freiheit schicken, wie sie von Khalil Gibran interpretiert wurde, einem aus dem libanon stammenden Journalisten und Schrifsteller, der in die USA emigriert ist. Er lebte von 1883-1931. Er hat einige Bücher und unzählige Zeitungsartikel geschrieben. Unter anderem das Buch "Der Prophet". Wem das zu "religiös" ist, der muss es ja nicht lesen. Es ist aber kein Auszug aus der Bibel meine Herren, es ist das Werk eines ganz normal sterblichen Menschen, eben eines Schriftstellers.
Von der Freiheit
Und ein Redner sagte: Sprich uns von der Freiheit.
Und er antwortete:
Am Stadttor und an eurem Herd habe ich euch
unterwürfig und in Anbetung eurer Freiheit
gesehen,
Wie Sklaven sich vor einem Tyrannen erniedrigen
und ihn preisen, obwohl er sie tötet.
Ja, im Hain des Tempels und im Schatten der Zitadelle
habe ich die Freiesten unter euch Ihre Freiheit
als Joch und Handschellen tragen sehen.
Und das Herz blutet mir; denn ihr könnt nur frei
sein, wenn selbst der Wunsch, die Freiheit zu suchen,
euch zum Zügel wird und wenn ihr aufhört, von
Freiheit als Ziel und Erfüllung zu reden.
Wirklich frei werdet ihr nicht sein, wenn eure Tage
ohne Sorge sind und eure Nächte ohne jeden Wunsch
und Kummer,
Sondern erst dann, wenn sie euer Leben umfassen
und ihr euch dennoch nackt und ungebunden über
sie erhebt.
Und wie wollt ihr euch über eure Tage und Nächte
erheben, wenn ihr nicht die Ketten brecht, die ihr im
Morgengrauen eures Verstehens eurer Mittagsstunde
angelegt habt?
In Wahrheit ist das, was ihr Freiheit nennt, die
stärkste dieser Ketten, wenn auch ihre Glieder in der
Sonne glitzern und eure Augen blenden.
Und was sind es anders als Teile eures eigenen ICH`s
die ihr ablegen wollt, um frei zu werden?
Wenn es ein ungerechtes Gesetz ist, das ihr abschaffen
wollt, dann habt ihr es mit eigener Hand auf eure
Stirn geschrieben.
Ihr könnt es nicht auslöschen, indem ihr eure Gesetz-
bücher verbrennt oder die Stirn eurer Richter
wascht, und wenn ihr das Meer darauf giesst.
Und wenn es ein Despot ist, den ihr vom Thron
stürzen wollt, seht zu, dass sein Thron zerstört wird,
den ihr in euch errichtet habt.
Denn wie kann ein Tyrann die Freien und Stolzen
regieren, ausser durch eine Tyrannei ihrer eigenen
Freiheit und Scham über ihren eigenen Stolz?
Und wenn es ein Sorge ist, die ihr ablegen wollt,
ist diese Sorge eher von euch gewählt als euch
auferlegt.
Und wenn es eine Angst ist, die ihr verjagen wollt, ist
der Sitz dieser Furcht in eurem Herzen und nicht in
der Hand des Gefürchteten.
Wahrhaftig, all das umarmt sich ständig in euch, das
Ersehnte und das Gefürchtete, das Abstossende und
das Geschätzte, das Erstrebte und das, dem ihr
ausweichen wollt.
All das bewegt sich paarweise in euch wie Licht und
Schatten, die einander verhaftet sind.
Und wenn der Schatten verblasst und nicht mehr da
ist, wird das Licht, das verweilt, zum Schatten eines
anderen Lichts.
Und so wird eure Freiheit, wenn sie ihre Fesseln
ablegt, selber zur Fessel einer grösseren Freiheit.
Khalíl Gibran

Hallo Jola!

Ich habe echt ein Problem mit diesem Text.

Zwar ist es mit Sicherheit so, daß der Wille zur "Freiheit" immer nur die Freiheit meint, sich die Unfreiheit, der man sich unterwerfen will, selbst auszusuchen (eine der zentralen Thesen von Text[/i][/u]Ester Vilar, die sie in vielen Büchern bestens begründet hat).

Zwar ist es ebenfalls mit Sicherheit so, daß schon oft in der Geschichte Freiheitskämpfer, zur Macht gelangt, selbst zu Unterdrückern wurden.

Trotzdem ist mir dieser Text zutiefst unheimlich, und zwar aus einem ganz konkret benennbaren Grund:

Die Quintessenz des Textes läßt sich nämlich aus meiner Sicht in folgenden 2 Punkten zusammenfassen:

1) Ein "Kampf um Freiheit" hat niemals Sinn, weil er nur in einer neuen Form der Unfreiheit endet.[/i][/u]
(>Und so wird eure Freiheit, wenn sie ihre Fesseln

ablegt, selber zur Fessel einer grösseren Freiheit.)

2) Man soll sich jeder Art von Diktatur willig fügen und die Lebenssituation, in die man hineingestellt ist, demütig und dankbar lieben.[/i][/u]
(>Und wenn es ein Sorge ist, die ihr ablegen wollt,

ist diese Sorge eher von euch gewählt als euch
auferlegt.
Und wenn es eine Angst ist, die ihr verjagen wollt, ist
der Sitz dieser Furcht in eurem Herzen und nicht in
der Hand des Gefürchteten.)

Wirklich schlimme Formulierungen. Wenn ich eine Situation als demütigend empfinde, in die ich ohne mein Zutun geraten bin, wenn diese Situation mich nicht ruhen läßt, mir dies Sorge macht, dann "ist diese Sorge eher von mir gewählt als mir auferlegt"?![/i]

Man könnte ja, mit sehr viel gutem Willen, der Meinung sein, der Autor rufe zum furchtlosen Widerstand gegen jede Art von Unterdrückung auf.

Allein, dies ist m.E. aus dem obigen Text nicht ableitbar.

Was hier gepredigt wird, ist eine Sklavenhaltung[/i][/u]. Biblisch oder nicht - solche "Predigten" machen mir Angst.

Gruß

Ekki


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