Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Freiheit die ich meine

Jolanda, Wednesday, 01.12.2004, 18:02 (vor 7735 Tagen) @ Eugen Prinz

Als Antwort auf: Re: Freiheit die ich meine von Eugen Prinz am 30. November 2004 21:37:58:

Hallo zusammen

Ich möchte euch hier noch mal einen Beitrag über die Freiheit schicken, wie sie von Khalil Gibran interpretiert wurde, einem aus dem libanon stammenden Journalisten und Schrifsteller, der in die USA emigriert ist. Er lebte von 1883-1931. Er hat einige Bücher und unzählige Zeitungsartikel geschrieben. Unter anderem das Buch "Der Prophet". Wem das zu "religiös" ist, der muss es ja nicht lesen. Es ist aber kein Auszug aus der Bibel meine Herren, es ist das Werk eines ganz normal sterblichen Menschen, eben eines Schriftstellers.

Von der Freiheit

Und ein Redner sagte: Sprich uns von der Freiheit.
Und er antwortete:
Am Stadttor und an eurem Herd habe ich euch
unterwürfig und in Anbetung eurer Freiheit
gesehen,
Wie Sklaven sich vor einem Tyrannen erniedrigen
und ihn preisen, obwohl er sie tötet.
Ja, im Hain des Tempels und im Schatten der Zitadelle
habe ich die Freiesten unter euch Ihre Freiheit
als Joch und Handschellen tragen sehen.
Und das Herz blutet mir; denn ihr könnt nur frei
sein, wenn selbst der Wunsch, die Freiheit zu suchen,
euch zum Zügel wird und wenn ihr aufhört, von
Freiheit als Ziel und Erfüllung zu reden.
Wirklich frei werdet ihr nicht sein, wenn eure Tage
ohne Sorge sind und eure Nächte ohne jeden Wunsch
und Kummer,
Sondern erst dann, wenn sie euer Leben umfassen
und ihr euch dennoch nackt und ungebunden über
sie erhebt.
Und wie wollt ihr euch über eure Tage und Nächte
erheben, wenn ihr nicht die Ketten brecht, die ihr im
Morgengrauen eures Verstehens eurer Mittagsstunde
angelegt habt?
In Wahrheit ist das, was ihr Freiheit nennt, die
stärkste dieser Ketten, wenn auch ihre Glieder in der
Sonne glitzern und eure Augen blenden.
Und was sind es anders als Teile eures eigenen ICH`s
die ihr ablegen wollt, um frei zu werden?
Wenn es ein ungerechtes Gesetz ist, das ihr abschaffen
wollt, dann habt ihr es mit eigener Hand auf eure
Stirn geschrieben.
Ihr könnt es nicht auslöschen, indem ihr eure Gesetz-
bücher verbrennt oder die Stirn eurer Richter
wascht, und wenn ihr das Meer darauf giesst.
Und wenn es ein Despot ist, den ihr vom Thron
stürzen wollt, seht zu, dass sein Thron zerstört wird,
den ihr in euch errichtet habt.
Denn wie kann ein Tyrann die Freien und Stolzen
regieren, ausser durch eine Tyrannei ihrer eigenen
Freiheit und Scham über ihren eigenen Stolz?
Und wenn es ein Sorge ist, die ihr ablegen wollt,
ist diese Sorge eher von euch gewählt als euch
auferlegt.
Und wenn es eine Angst ist, die ihr verjagen wollt, ist
der Sitz dieser Furcht in eurem Herzen und nicht in
der Hand des Gefürchteten.
Wahrhaftig, all das umarmt sich ständig in euch, das
Ersehnte und das Gefürchtete, das Abstossende und
das Geschätzte, das Erstrebte und das, dem ihr
ausweichen wollt.
All das bewegt sich paarweise in euch wie Licht und
Schatten, die einander verhaftet sind.
Und wenn der Schatten verblasst und nicht mehr da
ist, wird das Licht, das verweilt, zum Schatten eines
anderen Lichts.
Und so wird eure Freiheit, wenn sie ihre Fesseln
ablegt, selber zur Fessel einer grösseren Freiheit.

Khalíl Gibran


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