Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Es ist eine Schande :-)

Jolanda, Friday, 24.09.2004, 05:18 (vor 7805 Tagen) @ Guildo

Als Antwort auf: Es ist eine Schande :-) von Guildo am 23. September 2004 14:51:54:

Lieber Guildo

Ich will dir hier nicht wirklich widersprechen, nur ein paar Gedanken, die würde ich gerne anfügen.

Mit Familienarbeit ist wohl gemeint, dass die Schwiegermutter und der betagte Onkel, etc. auch noch betreut werden. Das tun schon vorwiegend Frauen, weil die eben zu Hause sind und die Männer den ganzen Tag arbeiten. Wobei Männer sich auch oftmals an der Pflege ihrer Verwandten beteiligen, eben einfach so weit, wie sie noch Zeit dazu haben.

Was mich hier viel mehr stört, das ist, dass hier so getan wird, als wenn es eine Demütigung wäre, wenn man unentgeltlich seine Verwandtschaft pflegt.

Alle schreien nach Solidarität und Gemeinschaft, Zusammenhalt im Volk. Nur keiner will mehr etwas dafür tun, ausser man bezahlt ihn. Ich denke, es hat sehr wohl Sinn, dass gewisse Aufgaben auch den Menschen zufallen, die solche Betreuung in ihren Tagesablauf einbauen können.

Die Frau muss ja nicht zu Hause bleiben, sie kann ja arbeiten gehen, wenn der Mann zu Hause ist, dann fällt diese Arbeit eben auf ihn.

Ich denke, ein Kernproblem, das ist die fehlende Anerkennung. Nein, im ernst, ich bin auch Hausfrau und Mutter, zwei Kinder, 11 und 8 Jahre. Ich wäre sicher nicht total ausgelastet, wenn ich nur Mutter und Hausfrau wäre. Dann hätte ich ein schönes Leben, von daher, dass ich mir wirklich viel Freizeit leisten kann. Aber Hausarbeit ist furchtbare Arbeit, man sieht sie nur, wenn sie nicht gemacht ist...grinst...und man tut alles immer für ganz kurze Zeit. Mit Kindern hält das nicht mal einen Tag an ;-)

Wenn das eine Frau voller Ueberzeugung tut und der Mann dafür die Kohle anschafft, dann weiss ich einfach nicht, was daran so schlimm sein soll, wenn man dafür die Arbeiten übernimmt, die eben im und ums Haus so anfallen.

Ich arbeite noch zwei bis drei Tage in einem Speiselokal von einen guten Freund, manchmal von 17.00 Uhr bis 2.00 Uhr oder länger. Dann führe ich die Buchhaltung von meinem Mann, schreibe seine Rechnungen, seine Offerten, mache alles, was an Büroarbeiten anfällt, inkl. Jahresabschluss und Steuern. Ich habe einen Onlineshop, zu dem gehört ein gut laufendes Forum. Ich betreue die Kunden, mache Beratungen, und führe auch die Buchhaltung, inkl. Steuern.

Und ich werde in der Schweiz versuchen einen neuen Produzenten von Strumpfwaren, mit dem ich sehr eng zusammenarbeite, auf den Markt zu bringen.

Das heisst, Termine in der ganzen Schweiz bei allen Grossverteilern.

Das geht alles. Ich kann dann morgens um zwei nach der Arbeit sogar noch hier im Forum schreiben.

Also ihr seht, es hat noch so einiges platz, neben einem Haushalt ;-)

Nun, mein Mann unterstützt mich auch im Haushalt und meine Kinder müssen auch an die Säcke...schmunzelt...in einer Gemeinschaft müssen eben alle anpacken, jeder dort, wo es ihn eben braucht.

Von daher geht mir dieses Gejammere von wegen den armen Hausfrauen schon ein bisschen auf den Geist. Man muss sich die Anerkennung nicht zwingend nur zu Hause holen, die kann man sich an vielen Orten "erarbeiten" :-)

Mein Leben ist dass, was ich daraus mache. Insofern kann ich verstehen, wenn Menschen, die seit Jahren in der Arbeitswelt stehen, wenn die die "Krätze" bekommen, wenn sie hören, dass es den armen Hausfrauen so schlecht geht. Nur unbezahlte Arbeit.

"Nur" Hausarbeit würde mich auch nicht glücklich machen. Aber es sagt ja niemand, dass ich mich darauf beschränken muss.

Herzlicher Gruss
Jolanda


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