Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Eine Riesenchance für Aktivisten!

Leser, Friday, 30.07.2004, 17:32 (vor 7861 Tagen) @ Texaco

Als Antwort auf: Eine Riesenchance für Aktivisten! von Texaco am 30. Juli 2004 13:27:41:

Schön das du dir die Mühe gemacht hast. Die Sache hat nur einen Haken:
was nützt dir , wenn du den Beweis erbringst? Das interessiert doch keinen. Femis haben Narrenfreiheit. Es wird dann heissen, man habe das in Hinsicht auf das Anstandsgefühl der Zuschauer abgebrochen oder ähnliches.
da kräht kein Hahn nach :(

Hallo, hallo,
das ist ja eine Riesensache! Aktivisten bitte aufwachen!
These: Eine Sendung mit "Männerthemen" wird ins Programm gerückt. Eine Frauenbeauftragte und ihre Schwestern werden hellhörig. Sollen hier Themen lanciert werden, die in den Mainstream-Redaktionen keine Chance haben, und über den Umweg "auslandsjournal" und mit emotionalen Sicherheitsabstand (ist doch nur in der Türkei....) dem Zuschauer gewalttätige Frauen denkbar erscheinen lassen? Diese Taktik kennt eine Feministin nur zu gut. Diese Sendung wird sie beobachten (lassen). Und sie schafft es, die Ausstrahlung eines unbequemen Beitrags zu verhindern. Auf welche Weise auch immer.
Diese These gilt es nun zu belegen. Wenn dies gelingt, dann ist es Zeit für Proteste der gebührenzahlenden Zuschauer. Solange es nicht gelingt, kann man harmlos anfragen, wann dieser interessante Beitrag wiederholt wird.
Der Reihe nach:
1. Hat das jemand auf Video?
2. Wie realistisch ist die Version des technischen Defekts? Gab es eine verzerrtes Bild o.ä. vor dem Abbruch?
3. Wer hat den Beitrag gemacht? Es muss sich wohl um jemanden aus der aj-Redaktion oder dem Türkei-Büro des ZDF gehandelt haben. Der wird schon hören, wie sein Beitrag geendet ist.
4. Wer konnte den Beitrag stoppen? Ich kenne die Hierarchien des ZDF nicht. Aber ich weiß soviel, daß das laufende Programm immer einen "Chef vom Dienst" hat, der oder die die unmittelbare Anweisung erteilen musste. Der CvD ließe sich vielleicht ermitteln und zur Rede stellen. Ein CvD ist aber nicht so mächtig, dass er oder sie einfach einen Beitrag zensieren kann, ohne Rückendeckung von oben zu haben. Entweder der CvD wußte von vorneherein, was er in bestimmten Fällen zu tun hätte, oder der CvD hat während des Beitrags eine Anweisung von oben erhalten. Die Frage ist dann: von wem?
5. Dass der Beitrag abgebrochen wurde, während er schon lief, spricht genau dafür: Die Anweisung kam von oben, und wurde nicht wegen inhaltlicher Details, sondern wegen des ganzen Themas getroffen.
Während der Ausstrahlung kann niemand mehr in Erfahrung bringen, was ein laufender Beitrag in den nächsten Minuten bringen wird - dafür ist die Zeit zu knapp. (Es sei denn vielleicht, dem CvD stünde ein Skript zur Verfügung.) Also kann nur das Thema als solches der Anlaß gewesen sein. Eine seriöse, journalistische Begründung scheidet deshalb von vorneherein aus.
In der Redaktion selbst wird jeder Beitrag vor der Sendung "abgenommen", d.h. angesehen und genehmigt. Diese Hürde hatte der Beitrag schon hinter sich. Höhere Etagen werden nur in Programm-Konferenzen über die geplanten Beiträge informiert - aber vermutlich wie üblich nur sehr ungenau. So verhindern die Redaktionen, daß die versammelten Chefs ihnen reinreden und ihre Beiträge mit geballter "Brillianz" verschlimmbessern. Im Zweifelsfall hat die aj-Redaktion schlicht vergessen, diesen Beitrag zu erwähnen.
Also haben wohl während der Ausstrahlung die Telefone geklingelt. Irgendjemand hat den Beitrag im Fernsehen gesehen und ohne zu zögern gehandelt. Da gibt es nun zwei Möglichkeiten: Entweder eine am Thema interessierte Person mit gutem Draht in die ZDF-Hierarchie, oder jemand aus der Hierarchie selbst. Jedenfalls wurde ein(e) Vorgesetzte(r) auf den laufenden Bericht aufmerksam (gemacht). Der oder die wiederum dürfte sich direkt beim CvD gemeldet und eine Anweisung erteilt haben.
Dieser ganze Vorgang dürfte ein paar Minuten gedauert haben, während der der Bericht laufen konnte. Es ging aber offensichtlich so schnell, daß der Bericht noch gestoppt werden konnte. Das bedeutet, daß die Entscheidung gar nicht überdacht oder diskutiert worden sein kann. Wer immer sie auch getroffen hat: Er oder sie war mächtig genug, und wußte genau was er zu tun hatte.
6. Auf der ZDF-Seite im Internet scheinen nur Beiträge angekündigt zu werden, nicht aber die volle Berichterstattung abrufbar zu sein. (Stimmt das?) Daß nun die aj-Redaktion nicht ausgerechnet diesen Beitrag an die Internet-Redaktion weitergegeben hat, ist kein Wunder: Man will ja keine schlafenden Hunde wecken.
7. Der volle Beitrag müßte eigentlich noch irgendwo aufzutreiben sein. Ich kenne das ZDF nicht, aber ich kenne es so: Es gibt neben dem hoch und heilig behandelten Sendeband immer noch ein Band, auf dem der Beitrag eigentlich produziert wurde, und das in der Redaktion archiviert wird. Wenn also ein Sendeband sich wirklich verheddert, dann müsste der Beitrag irgendwo trotzdem noch zu finden sein (allerdings nicht gerade in Griffweite während einer Live-Ausstrahlung).
Was tun?
1. Gebührenzahlende Zuschauer können sich an die Redaktion wenden und Dankeschön für den Beitrag sagen, verbunden mit der Frage, wann er denn noch einmal vollständig ausgestrahlt werden wird? Es wird ja wohl eine Kopie geben, und wenn nicht, könnte der Beitrag doch neu produziert werden? Das Thema ist schließlich wichtig genug...
2. Entweder die Redaktion verhält sich abwehrend, oder sie packt gleich ganz aus. In beiden Fällen dürfte das die Medien außerhalb des ZDF interessieren. Hatte hier nicht jemand Focus-Kontakte?
3. Hat hier jemand ZDF-Kontakte? Kann man sich mal umhören?
4. Der Fauxpas im "auslandsjournal" war öffentlich genug, um die Medien schon an sich zu interessieren. Die großen Zeitungen leisten sich ja immerhin noch tägliche Medien-Seiten, die die Sender beobachten. In diesem Fall muß man aber wohl unterstellen, daß regierungsnahe Zeitungen wie taz/SZ/FR/Tagesspiegel ausfallen; bleiben die konservativen wie FAZ/Welt. Wer also gestern ferngesehen hat, könnte sich bei einem zuständigen Redakteur einmal melden.
5. Sollte sich die Zensur in diesem Fall belegen lassen, dann stellt sich die Frage, ob vergleichbare Themen beim ZDF nicht grundsätzlich abgewürgt werden. In diesem Fall könnte eine Organisation für Männerrechte einmal auf den Plan treten und den lace curtain beklagen. Dann wäre dieses Argument schon einmal in der Öffentlichkeit.
Ganz aussichtlos erscheint mir das alles nämlich nicht. Erstens zeigt das Beispiel, daß die "korrekte" feministische Sicht auf das Thema der häuslichen Gewalt auch in Mainstream-Redaktionen bezweifelt wird. Zweitens deutet das schnelle Durchgreifen beim ZDF darauf hin, daß die Feministinnen nicht nur ein Teil der sozialdemokratischen Seilschaften sind, sondern sich ihrer auch reibungslos (ohne Zeitverlust!) bedienen können. Es gibt aber auch die Gegenseite, und es ist immer in ihrem Interesse, der SPD-Seite zu schaden. Man muß sie nur anzapfen.


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