Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Weiber/Frauen Männer/Herren

Norbert, Sunday, 09.05.2004, 11:06 (vor 7943 Tagen) @ Odin

Als Antwort auf: Re: Weiber/Frauen Männer/Herren von Odin am 08. Mai 2004 20:16:25:

Hi Odin

Nun es gab in D eine gewisse Änderung der Anredeformen.
Eigentlich gibt es die paarigen Geschlechtszuweisungen:
Mann/Weib und Herr/Frau.
Das erste Wortpaar bezeichnete die einfachen Leute, als Mann und Weib.
Somit ist die ehrenvolle Anrede bei weiblichen Personen: "Frau",
bei männlichen Personen "Herr".

Wo hast Du das her?
Ursprünglich sind folgende Paare:
Weib/Kerl

Große Zweifel.
In mir bekannten alten Schriften ist immer Mann/Weib zu lesen.
'Kerl' leitet sich möglicherweise vom 'Huskarl' ab, was aber eher Krieger bedeutet.
Welcher ja üblicherweise männlichen Geschlechts war.
Und die üblichen Ergänzungen zu 'Kerl' passen eigentlich gut dazu.
Ich habe ad hoc keine andere Herkunft von 'Kerl' gefunden.

Frau/Mann
Dame/Herr
und nichts anderes.
Dame bezieht sich auf Domina = die Herrin. Die Verwandtschaft mit "Herr" dürfte einleuchtend sein

Sorry, ist in diesem Sinne falsch.
Dame ist die schlichte Verballhornung von Madame.
Das französische galt in Europa als das 'feine', und wurde dann zur Abgrenzung zu den 'ordinären', sprich 'gewöhnlichen' Menschen in den 'höheren' Kreisen gebraucht.
Nicht nur in der heutigen Zeit sind Menschen überkandidelt.

Darauf bezog sich auch kürzlich eine Feministin, die sich in einem Formular benachteiligt fühlte, weil sie nur zwischen "Herr" und "frau" und nicht zwischen "Herr" und "Dame" wählen konnte (war auch Thema hier im Forum).

Nun, ich zweifele, ob diese Person als Feministin angesehen werden kann.
Die, abgewiesene, Klage ist nur ein Ausfluß überzogener Egomanie.
"Ich will etwas besseres sein."

Einleuchtend, aber Sprache hat sich gewandelt...
Allerdings nicht so, wie Du oben beschreibst!

Da sind wir eben nicht einer Meinung.

Übrigens ist Weib und Kerl nicht nur abwertend, wie Du schreibst, sondern auch gelegentlich positiv besetzt: Vollblutweib! Prachtkerl! Ein Rasseweib! Ein ganzer Kerl!

Ich hatte auf die Ambivalenz bei Kerl hingewiesen.
Bei "Weib" hatte ich es nicht getan, aber es untermauert meine Ansicht, dass nur der Sprachgebrauch dieses Wort, zum Schmähwort werden lies.
Und dieser ergab sich aus dem Bestreben 'etwas besseres zu sein'.
Die Beschimpfung 'ordinäres Weib' war früher einfach nur die Herabsetzung des anderen, als 'im Verhältnis zu mir gewöhnliche weibliche Person', oder im Umkehrschluß die Erhöhung von mir.
Deshalb sind manche alte Schrifen vorgeblich frauenfeindlich, weil dort eben "Weib" verwendet wird. Was ja abwertend sei.
Nur war es eben damals das übliche Wort für gewöhnliche weibliche Personen. Also auch nicht frauenfeindlich.

Die Sprache ist in einem immerwährenden Wandel begriffen.
Heute gelten manche Begriffe als negativ, was aber vielleicht vor fünf Jahren noch umgekehrt war.
Solche Bedeutungsumwandlungen sind dann dem Verständnis von zeitgenössischen Schriften abträglich.
Solche Bedeutungsumkehrungen sind in den letzten Jahren auch durch Mißbrauch der Begriffe durch bestimmte Personenkreise entstanden.
Obwohl dieses gesellschaftlich nicht akzeptiert wurde, sind aber auch die Begriffe im Mißkredit geraten.

Gruß
Norbert


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