Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Fühlt sich angesprochen

Jolanda, Wednesday, 14.04.2004, 03:54 (vor 7968 Tagen) @ Marie Juana

Als Antwort auf: Re: Fühlt sich angesprochen von Marie Juana am 13. April 2004 18:33:43:

Hallo maria juana

Ja, die Jolanda kann eigentlich gut zuhören stimmt und dass man meine Kommentare nun vielleicht nur schwer versteht, kann ich nachvollziehen. Ich kann aber mittlerweile auch andere Dinge nachvollziehen, mit denen ich früher auch so meine Probleme hatte.

Ich kann die Männer hier nun besser verstehen, warum nicht allzu viele auf Pokemons Geschichte eingehen oder eben nur bis zu einer gewissen Grenze. Überhaupt auf Geschichten solcher Art.

Sicher hat Pokemon unter der Situation der Mutter gelitten, so sehr, dass sie ihr Leiden sehr verinnerlicht hat. Ich bin nicht unsensibel, ich weiss sehr wohl, was in einer Mutter-Tochter Beziehung für Verhaltensmuster entstehen. Ich bin mir sicher, dass Pokemons verinnerlichtes Bild sehr schmerzhaft ist.

Ich weiss aber auch, dass hier nicht der richtige Ort ist, um das zu verarbeiten. Es ist kein bisschen der richtige Ort.

Es ist nun mal Fakt, dass sie vorwiegend ihrem Vater die Schuld gibt oder sagen wir fast ausschliesslich.

Inwieweit das in ihrem Fall zutrifft, das kann ja eh keiner von uns wirklich beurteilen.

Aber es gibt echt viele Foren, wo so ein Thema besser aufgehoben ist als hier, sorry, aber das ist meine Meinung. Du liest auch schon lange hier.

Hier geht es um die Anliegen der Männer, sorry, aber es gibt im Netz kaum, Foren, wo Männer wirklich darüber schreiben können, über dass, was sie beschäftigt ohne von einer Frauenfraktion gleich niedergemacht zu werden.

Denkst du, wenn ich mich als Mann total benachteiligt, abgezockt oder verarscht fühle, dann ist der richtige moment mit einer Frau über ihren bösen Vater zu reden, der die arme Mutter so gequält hat. Sorry, ich bin hier einfach realistisch.

Ich denke, dass sich die Männer den Raum, wo sie unsentimental und nüchtern über ihre eigenen Anliegen reden können, den müssen sie sich schwer erkämpfen.

Und hier sind auch nicht Männer, die man bekehren muss oder denen man sagen muss, dass es aber eben auch böse Männer gibt. Das wissen wohl alle, das lässt man sie immer wieder spüren. Sie wissen aber auch einiges mehr. Sie wissen, dass solche Familiendramen selten nur die Schuld von einem sind, dass es oft ein Wechselspiel ist, wo beide mithelfen, das daraus zu machen, was es dann schlussendlich wird. Das ist sehr komplex und selten so einfach, wie es erscheint.

Nur was soll ich Pokemon nun schreiben, dass sie vielleicht lieber zuerst diese persönliche Familiengeschichte verarbeitet, mit Menschen, die ihr dabei helfen können und die das richtige fragen und das richtige sagen, die wissen was verletzt, wo man vorsichtig sein muss.

Weisst du, ich erlebe in meinem realen Leben so oft, wie Männer sich die unmöglichsten Dinge gefallen lassen von ihren Ehefrauen, echt nun. In meinem engsten Familien- und Freundeskreis. Die Emanzipation hat den Männern ein ganz schön schlechtes Gewissen eingeredet, sie sind sich dessen oftmals nicht mal bewusst, aber sie fühlen sich schnell schuldig, wenn die Partnerin fordert und schimpft.

Ich kann es nun mal nicht mehr hören, tut mir leid, nicht hier. Ich meine, ich höre das tagtäglich, die Medien sind voll von tragischen Frauenschicksalen, aber ich erlebe auch die andere Seite, über die keiner berichtet. Und ich fühle mich nicht als Opfer, meine Mutter war eine Weile in ihrem Leben auch eine sehr unglückliche Frau, ich habe das Leiden meiner Mutter auch verinnerlicht. Ich habe das aber schon anfang 20 erkannt und daran gearbeitet, mich danvon losgelöst, denn es war ihr Leben, nicht meines, ich trug nicht die Verantwortung für ihr Unglück. Sie hätte in jedem moment gehen können, das kann jeder Mensch.

Ich weiss, was nun kommt, nein, weil sie abhängig war, etc. und ich sage, kacke, sorry, es gibt Frauen, denen wird das Haus weggebombt, die stehen mit nichts auf der Strasse und bringen ihre Kinder durch.

Es gibt immer Wege, wenn ein Mensch die Kraft nicht dazu hat, diese Wege zu gehen, dann ist das bestimmt tragisch. Aber es ist nun mal so im Leben, das wirklich Wichtige, das müssen wir uns immer selbst erschaffen und wenn wir das nicht können, dann werden wir es eben nie haben.

Für Pokemon ist diese Geschichte eine Lebensgeschichte, die sie sicher auch geprägt hat, für uns eine Geschichte von einem Menschen, den wir nicht näher kennen.

Wir sind skeptisch, wenn wir eine Sitation so präsentiert bekommen. Ich glaube einfach nicht, dass Pokemon mir die Situation so beschreiben kann, dass ich mir wirklich ein Bild machen kann.

Ich will sie bestimmt nicht verletzen, mich über ihren Schmerz lustig machen. Aber ich stosse hier an Grenzen. Ich habe schon zu viele Geschichten von bösen Männern und armen Frauen gehört, die beim näher betrachten auf einmal nicht mehr so klar waren und nicht mehr so eindimensional.

Ich denke, es ist eine Sensibiliserung für das ganze Thema. Ich denke, dass mich einige hier schon verstehen. Man bekommt bei gewissen Aussagen eine Abwehrhaltung. Und hier erlauben wir uns, das zu sagen.

Es klingt oft hart, ich kann das schon nachvollziehen. Aber tut mir leid, wenn wir vorwärts kommen wollen, dann müssen persönliche Befindlichkeiten eben hinten anstehen. Darum finde ich auch, solche persönlichen, intimen Themen gehören nicht in dieses Forum.

Es ist nun mal auch ein böser Vater und eine gequälte Mutter Geschichte und sei mir nicht böse, aber die erzählt man uns immer wieder, um uns zu zeigen, dass eben schon einge gewisse Berechtigung besteht, dass man Männer für brutaler und primitiver hält.

Wenn ich Pokemon verletzt habe, dann tut mir das wirklich leid, wenn ich aber etwas anderes geschrieben hätte, dann hätte ich gelogen.

Es grüsst dich
Jolanda


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