Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

Archiv 1 - 20.06.2001 - 20.05.2006

67114 Postings in 8047 Threads

[Homepage] - [Archiv 1] - [Archiv 2] - [Forum]

Re: Gesellschaftliche Verantwortung

Tran, Thursday, 12.02.2004, 18:07 (vor 8029 Tagen) @ Marie Juana

Als Antwort auf: Re: Gesellschaftliche Verantwortung von Marie Juana am 12. Februar 2004 14:56:

Guten Tag Marie Juana!

wenn das *rechnen* beginnt, wird jegliches *gesellschaftsbezogenes denken* weggeworfen, mitsamt den menschen.
ich habe den eindruck, dass du dich in kleinste atome, in kleinste subsysteme aufspaltest um dein *Sollen (funktionsfähiges, roboterhaftes Wesen)mit dir in einklang zu bringen.

Das kommt der Sache ziemlich nahe, trifft es aber nicht genau.
Das folgende ist nur meine eigene Meinung und gilt auch nur für mich selbst:
Ich versuche herauszufinden was mein Gegenüber von mir will und reagiere dann darauf. Wenn ich jemandem etwas geben soll möchte ich in der regel auch was von ihm dafür haben.
Zum Beispiel mein Arbeitgeber: Er will mich nicht als kompletten Menschen mit allem was dazugehört. Er will nur einen Teil von mir - eben meine Arbeitskraft. Ich weiss das und verstehe das auch. Wenn ich ihm nun meine Arbeitskraft gebe bekomme ich Geld dafür. Dadurch geht die Sache für mich in Ordnung.
Da ich nun weiss das er mich gar nicht als Mensch will sondern nur als Arbeitskraft, wird es mir im Traum nicht einfallen mit meinen rein menschlichen Problemen zu ihm zu kommen. Andersherum braucht er das bei mir natürlich auch gar nicht erst versuchen.

In meiner Beziehung ist´s was anderes, läuft aber im Grunde auf das selbe hinaus:
Hier weiss ich das meine Partnerin mich als kompletten Menschen haben will. Ich sie wiederum auch. Auch das sehe ich als ein geben und nehmen. Wie beim Unternehmer, nur natürlich ohne Zahlen und aufrechnen und auf einer anderen Ebene.

Verstehst Du in etwa was ich meine?
Das ist der Grund warum ich von meinem Arbeitgeber gar nicht erst als Mensch gesehen werden möchte, sondern als Arbeitskraft.
Natürlich gilt für das ganze auch der übliche Rahmen.
So hat er mich natürlich ganz normal anzureden, mich ganz normal zu behandeln. Klar. Aber das macht ein Arbeitgeber schon automatisch.
Und wenn nicht?
Nun, dann überlege ich mir ob mein monatliches Gehalt das Wert ist, wenn nicht wechsel ich den Arbeitsplatz.

warum willst du menschen freie hand lassen, die dich auf deine *verwertbarkeit* hin wahrnehmen, die dich selektieren (wenn du nicht funktionsfähig bist)und dir letzlich deine würde als *mensch* wegdefinieren.

Und genau das seh ich anders. Nach meinem eigenen Verständnis nimmt mir der Unternehmer nicht meine Würde als Mensch wenn er mich als einen von vielen sieht, als eine Arbeitskraft auf zwei Beinen. Solange er mich eben ganz "normal" behandelt.

diese abspaltung vom *Sein und Sollen* nur noch zum *reinen Sollen* reduziert dich als Mensch/Mann/Frau/Kind/

Hm, auch das trifft es in meinen Augen nicht ganz.
Ich definiere mich ja eben nicht über das sollen, sondern über das wollen.
Ein Beispiel: Ich bekomme einen Job angeboten bei dem ich eine unangenehme Arbeit erledigen soll, zb. Kanalarbeiter oder so. Der Unternehmer bietet mir dafür ein Gehalt, klar.
Nun muss ich selbst entscheiden: Mache ich diese Arbeit für das angebotene Geld oder lass ich´s lieber sein? Es ist mein eigener Wille, ich selbst entscheide ob ich diese Arbeit für das angebotene Geld mache oder nicht.

Anderes Beispiel dazu:
Ich habe bereits einen Job, werde aber vom Chef aus irgendeinem Grund nur für die unangenehmsten und schwersten Arbeiten eingeteilt. Vielleicht weil ihm meine Nase nicht passt.
Was kann ich tun?
Entweder ich sage mir: "Ok, einen Job für das Geld was ich hier verdiene find ich sonst nirgends." - tja, dann bleibe ich halt. Dann ist´s mir das auch wert.
Oder ich merke wie es mir zuviel wird und suche das Weite.
Wie auch immer - es ist meine eigene Entscheidung.
Es ist ein Wollen.

manchmal verblüfft mich schon diese argumentation.

Manchmal habe ich merkwürdige Argumente, das mag sein. Aber zum einen bin ich nunmal auch ein merkwürdiger Mensch, zum anderen kann ich nicht sonderlich gut argumentieren.

wenn du mir jetzt eine dieser *rechendebatten* aufzwingen willst, wie, der staat kann nix mehr bezahlen, werde ich mich nicht darauf einlassen.
es geht mir eher um einen philosophischen gedankengang.

Da ist mir jetzt nicht ganz klar was genau Du meinst mit diesen "Rechendebatten". Könntest Du mir das kurz erklären?

Tran


gesamter Thread:

 

powered by my little forum