Re: Kultur mit Gleichberechtigung der Frau ist am Ende
Als Antwort auf: Kultur mit Gleichberechtigung der Frau ist am Ende von Frank am 20. November 2003 20:13:45:
Hallo Frank
CLOPPENBURG - Eltern müsse so viel Geld gegeben werden, dass sie die Wahl hätten, ob sie Kindererziehung eigenverantwortlich regeln oder arbeiten möchten und ihre Kinder von anderen erziehen lassen wollten. Bezahlen sollten das die Lebensgemeinschaften ohne Kinder. Das hat Theo Heeck, Diözesanvorsitzender des Familienbundes Deutscher Katholiken auf dem wirtschaftsethischen Forum Zukunftsperspektive Wirtschaft und Familie am Sonnabend in Stapelfeld gefordert.
Tja, wieder mal besteht die Absicht die Kinderlosen zur Kasse zu bitten. Ich bin selbst kinderlos und sehr wohl bereit, fuer Familien meinen Obolus zu entrichten. Aber das ganze hat einen Haken: Wenn ich fuer etwas bezahle, will ich auch die Gewissheit, dass das Geld sinnvoll eingesetzt wird. Bei jeder Subvention muss beachtet werden, dass auch Missbrauch damit betrieben wird; und je hoeher die ausgeschuetteten Subventionsbetraege, desto mehr wird beschissen. Das Geld darf deshalb nur fuer familienerhaltende Massnahmen eingesetzt werden - niemals aber fuer familienzerstoerende Massnahmen.
[...] Als erschreckendes Signal wurde gewertet, dass akademisch gebildete Frauen zu 40 Prozent kinderlos blieben, es drohe eine Verdummung des Volkes, hieß es.
Was soll dieser Bloedsinn? Glauben die allen Ernstes nur akademisch gebildete Frauen braechten intelligenten Nachwuchs hervor? *kopfschuettel*
Wir sind in eine Sackgasse der Evolution geraten.
Welche Evolution meint das wirtschaftsethische Forum? Die biologische? Unsinn! der Mensch hat sich seit mehreren zehntausend Jahren genetisch kaum veraendert, insofern wuerden wir ebenso lang schon in der Sackgasse stecken. Wenn dieses Forum eine gesellschaftliche 'Evolution' meint, sollte es eher den Begriff 'Entwicklung' benutzen, um jegliche Missverstaendnisse zu vermeiden.
In 50 Jahren ist Schluss mit lustig, diese Kultur mit der Gleichberechtigung der Frau ist am Ende.
Wahrscheinlich schon frueher. Diktierte (Un-)Gleichstellung kann nicht lange gutgehen. Insofern Zustimmung.
Künftig haben wir die Mehrheit im Altenheim, aber keine gestaltende Mehrheit mehr, betonte Professor Hermann von Laer aus Vechta.
Das ist korrekt. Die Frage stellt sich jedoch, ob in der Geschichte der Menschheit jemals die Mehrheit der Menschen tatsaechlich so gestaltend am Werk war, wie Professor von Laer zu vermuten scheint...
Frauen, die Karriere machen wollen, müssen dies auch mit Kindern tun können, so von Laer, der eine finanzielle Unterstützung der Mütter einforderte.
Koennen sie auch, wenn sie einen Mann finden, der die Kinderbetreuung/-erziehung hauptamtlich uebernimmt. Dann brauchen sie auch keine staatliche Unterstuetzung.
Kritik übte er an einer Politik, die Ganztagsschulen bevorzuge und damit Druck auf Frauen ausübe mit dem Ziel, dass die berufstätig würden.
Halt, sichern! Jetzt widerspricht sich der Professor gleich selber. Weiter oben faselt er etwas davon, dass Frauen, die Karriere machen wollten, dies auch mit Kindern tun koennen muessten. Jetzt uebt er Kritik daran, dass auf Frauen mittels Ganztagsschulen Druck ausgeuebt wuerde, berufstaetig zu werden. Wie soll eine Frau Karriere machen, ohne berufstaetig zu sein? Diese Frage sollte Herr Prof. von Laer dem staunenden Leser mal beantworten.
Im uebrigen muss die Mutter keineswegs gleich voll berufstaetig sein, nur weil die Kinderchen ganztags in der Schule weilen; sie kann sich glaenzend auch mit anderen Taetigkeiten die Zeit vertreiben (z.B. mit Hausarbeit, fernsehen, shoppen etc.). Und ich kann mir vorstellen, dass so manche ueberarbeitete Vollzeitmutti mit nur einem Kind auch genau das tut. Als Alternative bietet sich natuerlich auch ein Teilzeitjob an.
Professorin Rosemarie Nave-Herz aus Oldenburg, sprach sich für eine stärkere staatlich organisierte Betreuung der Kinder aus. Beide Ehepartner sollten trotz Kinder Karriere machen können.
Klingt gut; aber die Kosten, Frau Professorin, die Kosten. Ausserdem muesste es sich dann um Betreuungsmoeglichkeiten rund um die Uhr, sieben Tage die Woche handeln. Gerade Karrieristen haben naemlich haeufig sehr flexible Arbeitszeiten, muessen schon mal an einem Wochenende nach Uebersee, am Abend bis Mitternacht einen wichtigen Bericht schreiben und via Mail verschicken, damit er am naechsten Morgen am Meeting diskutiert werden kann, an unvorhergesehenen Krisensitzungen teilnehmen etc. Als Professorin (oder als Chefin in einer staatlichen Verwaltung) kann sie es sich moeglicherweise leisten, jeden Morgen um 08.00 Uhr zu kommen und abends puenktlich um 16.00 Uhr wieder heimzugehen; in der Privatwirtschaft koennen sich das selbst untere Kader aber nicht leisten. Kinderkrippen und Tagesschulen, bei denen die Kinder spaetestens um 17.00 Uhr raus muessen, sind hoechstens etwas fuer Nicht-Karrieristen.
Personalleiterin Hannelore Rudloff (Firma Pöppelmann aus Lohne) meinte dagegen, dass Mann oder Frau sich entscheiden müssten, wer Karriere mache.
Es ist wohltuend, dass sich endlich mal jemand realistisch zu den Voraussetzungen fuer eine Karriere aeussert. Karrieristen neigen zur Selbstausbeutung. Nicht, weil sie daran besondere Freude haetten sondern weil der Druck dazu sehr gross ist; denn fuer jeden erfolgreichen Karrieristen stehen zehn andere parat, die seinen Job uebernehmen wollen, und bereit sind, hart dafuer zu arbeiten. Mit anderen Worten: fuer eine erfolgreiche Karriere muss man sehr viel Engagement und Zeit einsetzen - Zeit, die dann halt bei der Familie abgeht.
Ein Partner müsse sich um die Kinder kümmern, damit keine sozialmoralischen Fehlentwicklungen drohten, die die Wirtschaft später teuer reparieren müsse.
Die traditionelle Rollenteilung also; allerdings in einer geschlechtlich neutralen Variante. Fuer Leute, die Karriere machen wollen, wahrscheinlich auch heute noch die einzige realistische Moeglichkeit Kinder zu haben. Wie wertvoll Karrieristen fuer einen Betrieb sind, wenn sie sich dauernd auch noch um Familienbelange kuemmern muessen, kann sich wohl jeder selbst beantworten. Da nuetzen dann auch die vielgeruehmten Softskills nichts.
In Absprache mit Familie, Nachbarn und Freunden sei durchaus möglich, dass Frauen Teilzeit arbeiteten, aber die Familie müsse im Mittelpunkt stehen.
Die Praxis zeigt, dass mehr als eine Teilzeitstelle fuer denjenigen, der den Hauptteil der Familienarbeit uebernimmt, meist nicht drinliegt.
Michael Abeln, Geschäftsführer der C&A Filiale Oldenburg, betonte die große Bedeutung der Familie für die Wirtschaft. Im Unternehmen bestehe Interesse, dass den im Betrieb tätigen Frauen neben ihrer Arbeit auch Familienleben und Kindererziehung möglich sei.
Die Bedeutung der Familie wird von jedem Unternehmen, das ernstgenommen werden will, betont. Leider sind es oftmals nur Lippenbekenntnisse. Allerdings muss man wohl davon ausgehen, dass ein Unternehmen hoechstens einen bestimmten Prozentsatz von Mitarbeitern beschaeftigen kann, die zu einem wesentlichen Teil noch mit Familienarbeit belastet sind. Familienarbeit erfordert ein hohes Mass an Flexibilitaet, berufliche Arbeit ebenfalls (heute mehr denn je). Hier haben wir eine klassische Konkurrenzsituation, die nur teilweise mit flankierenden Massnahmen abgemildert werden kann.
Aus diesem Grund waere das traditionelle Rollenmodell eigentlich auch heute noch sehr effizient, da eine maximale berufliche Flexibilitaet des einen Elternteils und eine gleichzeitige maximale Flexibilitaet in der Familienarbeit des anderen Elternteils miteinander verbunden werden. Dem stehen aber zwei gewichtige Fakten entgegen:
1. Meist wollen beide Partner im Berufsleben verbleiben; es bleibt ihnen dann nichts anderes uebrig, als die Familienarbeit ausgewogen untereinander zu verteilen bei gleichzeitiger Einbusse an Effizienz (sowohl im beruflichen wie auch familialen Bereich).
2. Die haeufig anzutreffende Scheidung vernichtet die elterliche Kooperation nahezu immer. Dadurch sind beide wieder auf sich allein gestellt.
Die traditionelle Rollenteilung ist heute offensichtlich nicht mehr gefragt. Sie bindet naemlich die Ehepartner aneinander und schraenkt deren individuelle Freiheit empfindlich ein; die individuelle Freiheit jedoch ist heute ein hohes Gut, das kaum mehr jemand missen moechte. Selbst wenn es sich nur um die Freiheit handelt, den Lebensabschnittspartner in die Wueste zu schicken.
Gruss
Maesi
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Frank,
20.11.2003, 22:13
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21.11.2003, 21:21
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Andreas,
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Nick,
21.11.2003, 22:38
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Maesi,
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