Re: Arbeitsmarkt in Baden-Württemberg bleibt männerfeindlich
Als Antwort auf: Arbeitsmarkt in Baden-Württemberg bleibt männerfeindlich von Bruno am 28. Juli 2003 11:49:40:
Hallo Bruno
Stuttgart - Trotz einer gestiegenen Beschäftigungs- und Erwerbsquote sollte nach Einschätzung des Landesarbeitsamtes die Förderung von Frauen im Berufsleben ausgebaut werden. In Zeiten hoher Arbeitslosigkeit würden in den Betrieben wieder vermehrt frauenfeindliche Klischees ins Spiel gebracht, sagte die Vizepräsidentin des Landesarbeitsamtes, Margit Haupt-Koopmann, am Dienstag in Stuttgart.
Zu den Klischees gehöre die Ansicht, dass in Krisenzeiten Frauen die Familien übernehmen und Jobs für Männer freimachen sollten.
Das Problem mit diesem Klischee haben IMHO v.a. die Frauen selber. Sie sind es, die ueberwiegend Teilzeit arbeiten wollen (gem. Umfragen); sie sind es, die zwar im Erwerbsleben stehen koennen wollen aber nicht unbedingt wollen, es zu muessen.
Zudem würden Frauen am Arbeitsplatz oft nicht respektiert. "Gerade die Teilzeit, die mit 80 Prozent eine Frauendomäne ist, wird gesellschaftlich nicht für voll genommen."
Die obige Behauptung ist schlichtweg Humbug. Wie respektiert eine Arbeitnehmerin ist, haengt normalerweise von der Qualitaet ihrer Arbeit und nicht ihrem Arbeitspensum ab. Allerdings findet man Teilzeitstellen haeufig in Berufen mit niedrigen Qualifikationsanforderungen (z.B. Detailhandel, Sekretariatsarbeiten, Raumpflegedienste, etc.). Ueberdurchschnittlich haeufig gibt es Teilzeitstellen auch in oeffentlichen Betrieben. Gerade Beschaeftigte im oeffentlichen Dienst haben haeufig ein schlechtes Image; im Falle von Gleichstellungsbeauftragten (ausschliesslich Frauen) ist dieses Negativimage IMHO sogar voellig gerechtfertigt. Vielleicht sind das die Gruende, weshalb Frau Haupt-Koopmann glaubt, Teilzeitarbeit wuerde nicht fuer voll genommen.
Zudem fehlten in zahlreichen Unternehmen noch immer flexible Arbeitszeitmodelle, die Frauen den Spagat zwischen Karriere und Familie ermöglichten.
Das Problem ist, dass viele Leute glauben, die Unternehmen muessten sich nach den Beduerfnissen ihrer Arbeitnehmer richten; das ist jedoch grundfalchs, und der Arbeitnehmer, der so denkt, wird auf dem heutigen Arbeitsmarkt nicht lange ueberleben. Das erfolgreiche Unternehmen richtet sich vielmehr nach den Beduerfnissen des Marktes aus. Der Markt verlangt Flexibilitaet von den Unternehmen und mittelbar natuerlich auch von den Arbeitnehmern; deshalb sind den Unternehmen bezueglich flexiblen Arbeitszeitmodellen vergleichsweise enge Grenzen gesetzt. In Zeiten von schrumpfenden Arbeitsmaerkten wird der Konkurrenzkampf um die verbliebenen Stellen ohnehin haerter; wer nicht unbedingt muss, versucht sich daraus zurueckzuziehen oder zumindest die Erwerbsarbeit zu reduzieren. Frauen haben auch heute noch eine gesellschaftlich akzeptierte Moeglichkeit dazu: naemlich die Familienarbeit. Maenner haben diese Moeglichkeit bestenfalls in der Theorie. Sofern geschieden und unterhaltspflichtig werden sie sozusagen von Gerichts wegen zu einem Vollzeiterwerb gezwungen, da sie anders den Unterhaltspflichten normalerweise gar nicht nachkommen koennten.
Frauen seien im Durchschnitt zwar geringer von Arbeitslosigkeit betroffen als Männer. Verlören sie aber ihren Job, dauere es bis zu einer Neueinstellung wesentlich länger.
Was moeglicherweise daran liegt, dass haeufig ein Mann da ist, der sie finanziell versorgt. Da Frauen auch heute noch in Partnerschaften nur selten die Rolle des Haupterwerbstaetigen einnehmen, ist bei ihnen logischerweise auch der Druck geringer, jede noch so miese Stelle annehmen zu muessen, um das wirtschaftliche Ueberleben der Familie zu gewaehrleisten.
Das Arbeitsamt präsentierte erstmals einen geschlechtsspezifischen Strukturbericht der zurückliegenden zwei Jahrzehnte. Danach stieg zwischen 1980 und 2002 der Frauenanteil an der Beschäftigung um 21,6 Prozent auf knapp 44 Prozent. Bei den Männern gab es einen Zuwachs von 6,5 Prozent. Immer mehr Frauen wagten den Schritt in die Selbstständigkeit. Der Anteil legte von 21 auf 27 Prozent zu.
Auch im Öffentlichen Dienst fand eine Angleichung statt. Waren 1980 nur 18,6 Prozent der Beamten Frauen, kletterte der Wert bis 2002 auf 36,8 Prozent.
Schoen fuer die Frauen, dass sie immer staerker im Erwerbsleben stehen.
Allerdings verdienen Frauen in vielen Branchen erheblich weniger als ihre männlichen Kollegen.
Hier haben wir ihn wieder einmal - den Kunstgriff mit den geschlechterspezifischen unterschiedlichen Lohnniveaus in einzelnen Branchen. Wenn Person A Junior-Programmierer ist und Person B Wirtschaftsinformatiker mit langjaehriger Projektleitererfahrung, dann arbeiten zwar beide in der IT-Branche, Person B wird jedoch wesentlich mehr verdienen als Person A; es darf eben nur gleiches mit gleichem verglichen werden, die Branche sagt da ueberhaupt nichts aus. Tatsache ist, dass kein geschlechterspezifischer Unterschied mehr feststellbar ist, wenn man die Gehaelter von Maennern und Frauen innerhalb derselben Berufe bei gleicher Qualifikation, Erfahrung und Funktion miteinander vergleicht.
Gruss
Maesi
gesamter Thread:
- Arbeitsmarkt in Baden-Württemberg bleibt männerfeindlich -
Bruno,
28.07.2003, 14:49
- Die verkaufen einem für Blöd - pit b., 28.07.2003, 16:37
- Re: Arbeitsmarkt in Baden-Württemberg bleibt männerfeindlich? -
HemmaNedDo,
29.07.2003, 11:12
- Arbeitsmarkt ist männerfeindlich weil einseitig -
Bruno,
29.07.2003, 23:34
- Re: Arbeitsmarkt ist männerfeindlich weil einseitig -
HemmaNedDo,
30.07.2003, 00:11
- Re: Arbeitsmarkt ist männerfeindlich weil einseitig - Joseph S, 30.07.2003, 01:39
- Re: Arbeitsmarkt ist männerfeindlich weil einseitig - Odin, 30.07.2003, 14:15
- Re: Arbeitsmarkt ist männerfeindlich weil einseitig - Bruno, 30.07.2003, 15:24
- Re: Arbeitsmarkt ist männerfeindlich weil einseitig -
HemmaNedDo,
30.07.2003, 00:11
- Arbeitsmarkt ist männerfeindlich weil einseitig -
Bruno,
29.07.2003, 23:34
- Re: Arbeitsmarkt in Baden-Württemberg bleibt männerfeindlich - Maesi, 06.08.2003, 21:38