Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Prostitution in Schweden

Garfield, Monday, 04.08.2003, 19:49 (vor 8220 Tagen) @ Lars

Als Antwort auf: Re: Prostitution in Schweden von Lars am 01. August 2003 21:45:45:

Hallo Lars!

Hm, ich weiß nicht, ob solch ein Outing von Puff-Gängern da viel ändern würde. Schon um 1900 herum gab es Forderungen nach Abschaffung der Gesetze gegen Homosexualität, obwohl das Thema damals noch tabu war.

Auch die Ablehnung männlicher Homosexueller durch Frauen war damals noch gar nicht so ausgeprägt wie heute. Eben weil das damals ein Tabu-Thema war, das nur selten offen zur Kenntnis genommen wurde. Man hielt Homosexuelle für eine sehr kleine Minderheit und manche Leute sahen Homosexualität sogar als eine heilbare Geisteskrankheit an.

Je mehr dann darüber geredet wurde und je mehr klar wurde, daß es doch gar nicht so wenige Homosexuelle gibt und daß die ihre Sexualität keineswegs als Krankheit empfinden, sondern sie ausleben möchten, desto stärker wurde die weibliche Ablehnung. Wenn ich Frauen heute über das Thema reden höre, klingt das häufig nach regelrechter Homophobie. Manchmal spürt man da schon sowas wie Haß. Kaum etwas gilt als so unmännlich wie männliche Homosexualität. Viele Männer haben sich dem mittlerweile angepaßt, indem sie auch schon so etwas wie Homophobie entwickelt haben und alles tun, um auch ja nicht von Frauen als "schwul" eingestuft zu werden. Und das mit Recht, denn es gibt viele Frauen, die jede Bewegung von Männern, jede Äußerung, jedes Detail der Kleidung argwöhnisch dahingehend abchecken, ob der Typ vielleicht schwul sein könnte. Männer in typischen Frauenberufen werden auch häufig als schwul hingestellt. Das alles gab es so früher nicht.

Homosexualität ist jedenfalls heute nur für Frauen "in". Manche männlichen Homo- oder Bi-Sexuellen mögen ja auch Spaß daran haben, ihre sexuelle Orientierung offen zu zeigen, aber nur, weil sie Frauen nicht unbedingt brauchen. Heterosexuelle Männer dagegen sind auf die weibliche Gunst angewiesen und vermeiden deshalb alles, was ihnen den Ruf einer "Schwuchtel" einbringen könnte.

Ich glaube, daß so ein groß angelegtes Outing von Puff-Gängern denselben Effekt hätte. Mit Puff-Besuchen durch Männer haben Frauen nämlich ein sehr ähnliches Problem wie mit männlicher Homosexualität. Beides wird als lästige Konkurrenz empfunden, die bekämpft werden muß.

Dazu kommt noch, daß so mancher Puff-Gänger keineswegs solo ist und nur in den Puff geht, weil die werte Gattin seit Jahren Dauer-Migräne hat oder nicht bereit ist, im Bett mehr zu tun als reglos auf dem Rücken zu liegen. Oder weil er genau weiß, daß er ihr mit seinen geheimen Fantasien gar nicht erst zu kommen braucht. Dafür hat die Gesellschaft auch weit weniger Verständnis als für fremdgehende Frauen.

Aber der wesentliche Punkt dabei ist, daß Prostitution für Berufs-Feministinnen einfach ein Alibi-Thema ist. Die Gleichberechtigung der Frau ist längst erreicht. Wie sollen Berufs-Feministinnen nun also weiterhin ihre berufliche Existenzberechtigung nachweisen? Einfach, indem sie ein Thema aufgreifen, daß sich einerseits leicht in die Rubrik "Unterdrückung der Frau" reinstopfen läßt, bei dem andererseits aber kaum Aussicht auf Erfolg besteht. Prostitution und Pornographie sind da ideal. Beides beruht auf uralten menschlichen (nicht nur männlichen!) Instinkten, die sich in nächster Zukunft ganz sicher nicht ausrotten lassen. So kann man davon ausgehen, daß alle Gesetze und Verbote da nicht viel erreichen werden. In den USA zeigt sich ja auch deutlich, daß die offizielle Prüderie nur bewirkt, daß es inoffiziell umso ungehemmter zur Sache geht. Mit Prostitution und Pornographie haben Berufs-Feministinnen also ein Betätigungsfeld gefunden, daß sie garantiert für alle Zeiten beschäftigen kann.

Problematisch ist dabei natürlich, daß sie dabei auch von Frauen starken Gegenwind bekommen. Nämlich von den Frauen, die mit Pornos oder Prostitution gutes Geld verdienen. Um das etwas abzuschwächen, machen sich in Schweden eben nur die Freier strafbar. Zwar dürften die Prostituierten darüber auch nicht gerade begeistert sein, weil so einige Kunden ausbleiben. Die verbliebenen Kunden kann frau nun aber besser abzocken, denn diese Männer lassen sich ja nun prima mit der Drohung, sie bei der Polizei anzuzeigen, gefügig machen. Das beruhigt manche Prostituierte vielleicht wieder.

Der ganze Hokuspokus wird erst verschwinden, wenn auch dem letzten Deppen klar ist, daß die Gleichstellung der Frau längst erreicht ist und Berufs-Feministinnen somit flüssiger als flüssig sind.

Freundliche Grüße
von Garfield



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