Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Schade, dass mir nur zwei von euch überhaupt geantwortet haben ...

Frank, Friday, 25.04.2003, 23:43 (vor 8321 Tagen) @ Steffi

Als Antwort auf: Re: Schade, dass mir nur zwei von euch überhaupt geantwortet haben ... von Steffi am 25. April 2003 19:05:15:

Hallo Steffi,

du schreibst in deinem ersten Text:

ich verstehe den Sinn dieses Forums nicht. Männer und Frauen sind vor dem Gesetz doch gleich. Warum also beklagt ihr euch und wollt Männer gleicher machen als Frauen.
[quote]Ich denke mal, noch gleicher als gleich geht doch überhaupt nicht.
Ich hab mal die verschiedenen Postings durchgelesen und mir auch die Links angeschaut. Da ist zu erkennen, dass ihr manchmal Probleme habt. Aber warum sollte da überhaupt etwas geändert werden. Gesetz ist Gesetz und danach sind alle gleich! Ihr wollt also was erreichen, was schon längst besteht.
[/quote]

Ich glaube, uns geht es nicht in erster Linie darum, für Gesetze zu kämpfen, die die totale Gleichheit zwischen den Geschlechtern herstellen und jede denkbare Benachteiligung eliminieren. Wir treffen uns in diesem Forum, weil wir alle das Gefühl haben, dass mit der Frauenbewegung etwas schief gelaufen ist. Dass sie zwar die Diskriminierung der Frau erfolgreich bekämpft hat. Aber oft genug um den Preis, dass jetzt die Männer die Benachteiligten sind. Wir sind der Meinung, dass sich das ändern muss.

Es geht uns hier kaum darum, dies durch neue Gesetze erreichen zu wollen. Ich persönlich (und mancher wird mir da sicher zustimmen) sehe den Haupt-Ansatzpunkt eher bei den Medien, die die Wahrnehmung des Bildes von Männern und Frauen in der Gesellschaft nunmal stark beeinflussen. Und es gibt einige Beispiele dafür, die zeigen, dass Männerfeindlichkeit, ja Männerhass dort oft geradezu propagiert wird.

So werden in Anzeigen und Werbespots Männer oft als unbeholfene Trottel, Dumpfbacken und Versager karikiert, die gegen die coolen, überlegenen Frauen stets den kürzeren ziehen. MTV macht Reklame mit einer Frau, die einem Mann in die Weichteile tritt. Die Sparkassen werben mit einer Frau, die ihren nackten Partner als Sitzbank missbraucht. In vielen US-Spielfilmen sind Männer stets die grundsätzlich bösen, negativen Figuren, die die armen, unschuldigen Frauen quälen, vergewaltigen, ermorden (während Gewalt von Frauen gegen Männer, siehe „Thelma und Louise“, als gerechtfertigt dargestellt wird, als Akt der Befreiung und Emanzipation). Wenn von Gewalt in heterosexuellen Partnerschaften die Rede ist, erwecken Medien und Politiker stets den Eindruck, es seien vor allem die Männer, die ihre Frauen verprügelten. Dabei kommt weltweit inzwischen eine Vielzahl von seriösen Studien zum Ergebnis, dass Frauen gegenüber ihren Partnern genau so häufig gewalttätig werden wie umgekehrt. Und so weiter.

Du wirst denken „Na und?“. Aber stell’ dir nur mal das Geschrei vor, wenn all die Benachteiligungen, Entwürdigungen und Aufrufe zur Gewalt nicht gegen Männer gerichtet wären, sondern gegen Frauen. Jemand hat’s mal wie folgt auf den Punkt gebracht: „Frauenfeindlichkeit endet vor Gericht, Männerfeindlichkeit endet auf einem Autoaufkleber“. Diese offene Ungerechtigkeit macht uns so wütend. Kannst du das nachvollziehen? Immerhin zeigst du Verständnis für die Exhibitionisten und siehst ein, dass dort einiges im Argen liegt. Das ehrt dich. Wenn du dich ein bisschen eingehender mit der Materie beschäftigst, wirst du feststellen, dass die Benachteiligung gegenüber den Frauen beileibe nicht nur Exhibitionisten trifft. Es gibt sie in vielen Bereichen der Gesellschaft.

In einem anderen Beitrag schreibst du:
Da frage ich mich doch ernsthaft, warum tut die Männerbewegung das nicht? Schließlich gibt es legale Mittel, Diskriminierungen zu unterbinden. Warum bemitleidet ihr euch selbst statt die Sache in die Hand zu nehmen.
Soll ich euch auch ein wenig bemitleiden? Ach, ihr armen Männer ...

Seitdem ich in diesem und in anderen Foren schreibe, begegnet mir immer wieder dieser Vorwurf diverser Frauen, wir bemitleideten uns bloß selber und täten nichts. Wie unoriginell. Lasst euch doch bitte mal was Neues einfallen!
Aber im Ernst: wenn du dich den Texten in diesem Forum etwas eingehender und über einen längeren Zeitraum widmest, wirst du feststellen, dass wir uns keineswegs nur bemitleiden, sondern sehr wohl aktiv werden, wenn wir irgendwo Diskriminierung feststellen. Ich z.B. schreibe fleißig Leserbriefe und E-Mails, wenn ich hier und anderswo auf Medienberichte stoße, in denen mal wieder ein einseitig negatives Männerbild gezeichnet wird. Das ist mitunter mühsam, und viele Zeitungen/Zeitschriften drucken solche Zuschriften auch gar nicht ab, weil sie Angst davor haben, als frauenfeindlich zu gelten. Wir stehen halt noch ziemlich am Anfang mit unseren Bemühungen, und es dauert noch einige Jahre, die Anliegen der Männer einer breiteren Bevölkerungsschicht zugänglich zu machen. Wenn der Durchbruch irgendwann einmal geschafft ist, wird das alles kein Problem mehr sein, aber bis dahin bedarf es noch viel Geduld, unserem Anliegen Gehör zu verschaffen.
Aber untätig sind wir ganz bestimmt nicht.

Herzlicher Gruß
Frank


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