TV-Tipp für die Transgender-Fraktion
Howdy 
Die Hardcore-Transgender werden ihn natürlich längst kennen, aber für jeden, für den das Thema etwas neuer ist, mag dieser Film sehr illustrativ sein: "Mein Leben in Rosarot" kommt heute um 22:30 Uhr auf Hr 3. Er ist nicht so heftig wie "Boys don´t cry", aber auch ziemlich aussagestark.
Der mal als Melodram, mal als Tragikomödie eingeordnete Film, Frankreich/Belgien/England 1997, entstand unter der Regie Alain Berliners, der dafür gemeinsam mit Chris Vander Stappen auch das Drehbuch erstellte. Die Grundeinteilung dieses Filmes, auf die sein Titel schon anspielt, himmelblau für Jungen und rosarot für Mädchen, gerät für Ludovic (Georges du Fresne), das jüngste Kind der Familie Fabre, gehörig durcheinander: Ludovic nämlich, biologisch eindeutig ein Junge, hat sich fest dazu entschlossen, ein Mädchen zu sein. Um dies nach außen hin zu unterstreichen, erscheint er etwa zu einer Gartenparty, die seine Eltern nach einem Umzug vor der neuen Nachbarschaft geben, im rosa Kleid, er schminkt sich und stellt seinen Klassenkameraden im Schulunterricht als Lieblingsspielzeug seine Barbie-Puppe vor. Die Haare will er sich nicht kurz schneiden lassen, und sehnsüchtig wartet er auf seine erste Regel. Damit nicht genug, gesteht er seiner Großmutter sogar, dass er sich in seinen Freund Jerome (Julie Riviere) verliebt habe: "Wenn ich kein Junge mehr bin, werden wir heiraten." Sämtliche elterlichen Erziehungsmaßnahmen vom zwangsweise verordneten Fußballspiel bis zur herbeigezogenen Schulpsychologin führen lediglich dazu, dass Ludovic sich weiter zurückzieht in seine aus Werbefilmen und TV-Serien zusammengefügten Barbie-Träumereien. Jeromes Vater ist nun leider der Chef von Ludovics Vater, und die Spannung zwischen den Familien steigt. Der Umschlagspunkt ist erreicht, als Ludovic in einer Schulaufführung heimlich die Rolle des Schneewittchens übernimmt, damit er Jerome bei dieser Gelegenheit küssen kann ...
Was bei dem Film zunächst einmal auffällt, ist, dass sich jene Person, die von allen anderen als gestört bzw. als Störung wahrgenommen wird, ganz unbefangen und authentisch präsentiert, während alle anderen, insbesondere die Erwachsenen, von ihren obsessiven Normzwängen ins Neurotische gedrängt werden. In ihrer Überforderung, mit dem Ungewohnten umzugehen, verstellen und verbiegen sie sich. Geschlechterklischees werden so immer wieder mit sanfter, spielerischer Ironie hinterfragt. Dabei erfährt der Konflikt weder im eigentlichen Sinne eine Auflösung, noch folgen wir seiner Hauptfigur ins erwachsene Leben, in dem sie ihre (trans)sexuelle Identität stärker ausagieren könnte. Das ist nicht notwendig für das Thema dieses Filmes, ja, es würde sogar seiner programmatischen Offenheit zuwiderlaufen. Es bleibt dem Zuschauer überlassen, selbst Stellung zu beziehen. So landet das Thema Transgender in keiner der üblichen Schubladen, die von der Komödie über die selbstzerfleischende Innenschau bis zum Serienkiller-Genre reichen, sondern fügt sich in den filmischen Mainstream ein.
Die Nähe des Filmes zur Realität gilt auf mehrfache Weise als belegt. Zum einen kennt Drehbuchautorin Chris Vander Stappen dasselbe Problem umgekehrt: Als Kind wollte sie immer ein Junge sein. Zum anderen erhielt sie zahlreiche Rückmeldungen von Zuschauern, die sich mit ihren eigenen Erlebnissen in "Mein Leben in Rosarot" sehr gut wiederfanden.
Laut Dirk Jaspers Rezension in "CyberKino" ist das Hauptthema dieses Films das "allgegenwärtige Misstrauen gegenüber allem, was `anders´ ist. Kinder leben noch in einer Welt voller Möglichkeiten, nichts ist unabänderlich. Aber die Erwachsenenwelt wird bestimmt durch feste Definitionen: Blau für Jungen und Rosa für Mädchen. Der Film zeigt die alte Geschichte von Klatsch und Tratsch, Seitenblicken, Intoleranz und Ausgrenzung, aber auch von Träumen, Magie und Hoffnung."
Herzlicher Gruß
Arne
gesamter Thread:
- TV-Tipp für die Transgender-Fraktion -
Arne Hoffmann,
12.04.2003, 16:09
- Re: TV-Tipp für die Transgender-Fraktion -
susu,
13.04.2003, 14:59
- Re: TV-Tipp für die Transgender-Fraktion -
Alex,
13.04.2003, 22:28
- Re: TV-Tipp für die Transgender-Fraktion -
susu,
14.04.2003, 02:06
- Re: TV-Tipp für die Transgender-Fraktion -
Alex,
14.04.2003, 11:22
- Nachtrag, weil vergessen -
Alex,
14.04.2003, 20:43
- Wünsche -
susu,
15.04.2003, 18:01
- Re: Wünsche -
Alex,
15.04.2003, 21:37
- Re: Wünsche - susu, 16.04.2003, 01:37
- Re: Wünsche -
Alex,
15.04.2003, 21:37
- Wünsche -
susu,
15.04.2003, 18:01
- Re: TV-Tipp für die Transgender-Fraktion -
susu,
14.04.2003, 22:25
- Re: TV-Tipp für die Transgender-Fraktion -
Alex,
14.04.2003, 23:10
- Re: Badehäuser -
susu,
15.04.2003, 18:01
- Re: Badehäuser - Alex, 15.04.2003, 21:56
- Re: Badehäuser -
susu,
15.04.2003, 18:01
- Re: TV-Tipp für die Transgender-Fraktion -
Alex,
14.04.2003, 23:10
- Nachtrag, weil vergessen -
Alex,
14.04.2003, 20:43
- Re: TV-Tipp für die Transgender-Fraktion -
Alex,
14.04.2003, 11:22
- Re: TV-Tipp für die Transgender-Fraktion -
susu,
14.04.2003, 02:06
- Re: TV-Tipp für die Transgender-Fraktion -
Alex,
13.04.2003, 22:28
- Re: TV-Tipp für die Transgender-Fraktion -
susu,
13.04.2003, 14:59