Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Badehäuser

Alex, Monday, 31.03.2003, 15:39 (vor 8346 Tagen) @ susu

Als Antwort auf: Re: Badehäuser von susu am 31. März 2003 02:05:12:

Hallo Susu

Natürlich schreibe ich hier auch etwas zu. Muß ich ja, wenn du´s schon ansprichst.

*freu*

Ich sehe das ähnlich, wobei ich durchaus der Meinung bin, daß sexuelle Anziehung nicht unbedingt etwas Konstruiertes ist, die darauf folgenden Handlungen und besonders die darauf fußenden Identitäten jedoch schon.

Ja, so hab ich das gemeint. Die Anziehung ist echt, aber das ganze Tamtam, was darum aufgebaut wurde nicht.

In der heutigen Gesellschaft existiert ein Druck, eine sexuelle Identität zu besitzen, d.h. sich in eine der drei Kategorien Homo-, Hetero- und Bisexualität einzuordnen. Das war nicht immer so, die Terminologie der Identität ist relativ jung und existiert eigentlich erst seit Kraft-Ebbing. Die Identitäaten werden als relativ starr wahrgenommen, als unveränderlicher Bestandteil der Persönlichkeit.

Ja, denke ich auch. Wobei diese Starrheit eben Konstruktion ist. Je offener eine Gesellschaft mit Individualität umgeht, desto reicher wird sie. Zu Zeiten der großen Monarchien wirkten demokratisch Ansätze überaus beängstigend. Heute kann hier jeder seine eigene Partei gründen. Und haben wir dadurch verloren? Nein! Der gleiche Schritt ist früher oder später auch bei anderen Formen der persönlichen Individualität fällig.

Ein Teil der Schwul-lesbischen Emanzipationsbewegung nimmt dieses als so gegeben hin, daß sie sich auf einen Essentialismus zurückzieht. Dieser Teil ist heute der Mainstream, vom früheren "Everyone is queer" ausgehend ist diese Bewegung heute beim "We´re born this way" angekommen. Was als ein Ruf zur Befreiung anfing ist nun die Proklamation der Unfreiheit, das Recht zu schlafen mit wem man will ist zum unfreiwilligen Zwang verkommen.

Ja, schade, aber auch natürlich. Als Außenseiter ohne Lobby ist man zwangsweise offen gegenüber jeder Nicht-Ablehnung. Sobald eine gewisse Lobby vorhanden ist, werden separatistische Tendenzen sichtbar.
Wir hatten es mal von meiner "kapazitätsproportionalen Simplifikation" und die wirkt eben leider überall. Vielleicht könnte man dem entgegen wirken, in dem man Ideologien aufbaut, die auf Individualität basieren... aber dazu dürfte es 1000 Jahre brauchen.

Und daraus resultiert u.a. eine gewisse Biphobie in der Szene. Nachdem sich ein Mensch eine sexuelle Identität zugelegt hat (Ich würde soweit gehen das jeder Identitätsbegriff, egal ob es sich um die sexuelle Orientierung, eine nationale oder religiöse Identität oder die Geschlechtsidentität handelt in höchstem Maße problematisch ist) wird er zögern Gefühle zuzulassen, die nicht in sein Selbstbild passen. Und das führt fast immer zu Problemen.

Ja... grad was Sexualität betrifft, habe ich es erlebt, wie sehr an einem offen bisexuell lebenden Menschen gezerrt wird. Sowohl von Homo-, als auch von Heteroseite kamen Argumente er wisse nur noch nicht, dass er "echt Homo" bzw. "echt Hetero" sei. Da langt man sich als Alex oder Susu einfach an den Kopf *g*

Liebe Grüße

Alex


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