Schwimmbad: Saunaabend für Damen gefordert
Zur Ausgangslage: Ein erst im letzten Jahr errichtetes Hallenbad sorgt für Schlagzeilen. Eine Unterschriftenaktion sollte die Verantwortlichen zwingen, einen Damenabend einzuführen. Die Befürworterinnen haben allerdings schlechte Karten.
Der Präsident P. des städtischen Hallenbades X. wurde in den letzten Wochen mehrmals von verschiedenen Medien um Stellungnahmen gebeten zu einem Thema, das offiziell eigentlich gar kein Thema ist. Eine Gruppe von Frauen hat eine Unterschriftenaktion gestartet für einen Damenabend in der Sauna des Hallenbades X.
"Offiziell sind mir aber noch keine Unterschriften überreicht worden", wundert sich P. Und: "Es ist schwierig, über ein Problem zu diskutieren, wenn man sein Gegenüber nicht kennt."
In der Tat ist die Unterschriftenaktion eher subversiv und im Untergrund verlaufen, wie P. bestätigt. Es gibt offensichtlich kein Komitee und dementsprechend auch keine Sprecherin, die sich an ihn gewendet hat. Es kursieren lediglich Listen, die von Frau zu Frau weiter gereicht wurden.
War eine Liste voll, hat man sie dem Empfangspersonal des Hallenbades übergeben. Im Empfangsbereich liegen die Listen nun in einer Schublade und harren der Dinge, die auf sie zukommen.
Dass Damen überhaupt auf die Idee eines reinen Damenabends kommen, liegt ohne Zweifel auch an der Situation, die in den ersten Wochen im Saunabereich geherrscht hat. "Anfangs trauten sich nur wenige Frauen in die Sauna, die sich aufgrund der männlichen Überzahl dann verständlicherweise unwohl gefühlt haben", erklärt sich P. die Initiative.
Eine Handvoll Damen in Gesellschaft von 120 nackten Männern - dass frau hier rebelliert, vor vorhersehbar.
Dabei wollte die Führungsmannschaft des Hallenbades das Problem von vorneherein lösen, indem man gleich nach der Eröffnung den Montag als Damenabend deklarierte. Der Damenabend hatte aber nicht jenen Erfolg verzeichnet, den sich die X-Betreiber erhofften: Waren nach der Eröffnung an den restlichen Wochentagen zwischen 100 und 120 Gäste anwesend, kamen am Montag gerade mal 20 oder 30 Personen. Der damalige Geschäftsführer war nicht gerade erfreut über diesen Störfaktor in der ansonsten ausgezeichneten Besucherstatistik.
Und so kappte man den Damentag nach nur drei Wochen - was verständlicher- weise manch Dame auf die Barrikaden steigen liess.
"Dieser Damentag war von Anfang an eine halbherzige Angelegenheit", ärgerten sich viele, die bis dahin eben nur am Montag in die Sauna gingen, um unliebsame Begegnungen mit Männern zu vermeiden. Und: "Man hat den Damentag viel zu schlecht kommuniziert; da ist es kein Wunder, dass niemand kommt."
Die Marketingbeauftragte des Betreibers hat damals vom Ärger der Geschlechtsgenossinnen gehört, Kundenorientierung richtigerweise sehr wörtlich genommen und ein leeres Dokument verfasst, auf das in Hinkunft die interessierten Damen unterschreiben konnten. Das Dokument fand über e-mail Verbreitung.
Natürlich nehme er jede einzelne Unterschrift sehr ernst, aber bis heute seien nur etwa 110 Unterschriften eingetrudelt - die Anzahl liegt also in gewissen Grenzen. "Das Thema wurde trotzdem eingehend intern diskutiert", sagt P. "wir sind aber gezwungen, nach wirtschaftlichen Kriterien zu entscheiden". Die Frage, ob möglicherweise, die eine oder andere Gruppe diskriminiert werde, sei leider nicht relevant. "Man verwechselt das X. immer noch mit einem Gemeindebetrieb, was nur sehr indirekt der Fall ist."
Die Entpolitisierung einer öffentlichen Struktur, die vom Bürgermeister angestrebt wurde, als er die Stadtwerke mit dem Bau und mit der Führung des Hallenbades betraute, hat offensichtlich viele positive Aspekte für die Allgemeinheit und ein paar weniger positive für die Interessen einzelner Gruppen. "Als GmbH sind wir gezwungen, ausgeglichen Bilanzen zu erwirtschaften", argumentiert P.
Bürgermeister KB schlägt in dieselbe Kerbe: "Letztendlich ist es immer eine Frage der Einnahmen", sagt er, das Hallenbad darf auf keinen Fall auf sichere Einnahmen verzichten, um eine Gruppe zu bevorteilen. Das würde nämlich gewzungenermassen dazu führen, dass andere Preise erhöht werden müssten. Das wäre nicht akzeptabel."
Trotzdem suchte der Vorstand nach einem Kompromiss, der allerdings vor allem den berufstätigen Damen nichts nützte. "Der Donnerstag ist ovn 10 bis 18 Uhr den Damen reserviert". Zudem registriete man inzwischen am Abend in der gemischten Sauna wohlwollend eine immer größere Anzahl von Frauen, die das Problem immer kleiner werden liess. "Für die meisten Frauen ist es nicht befremdend, sich eine Sauna unbekleidet mit Männern teilen zu müssen, wenn das Verhältnis zwischen den Geschlechtern in etwa ausgeglichen ist", sagt P.
Wäre ein Damenabend aber wirklich so unrentabel? "Die Rechnung ist einfach", erklärt P. Heute zählt man durchschnittlich 160 bis 200 Saunagänger pro Tag, und etwa ein Drittel davon sind Frauen, wie der Saunawart geschätzt hat. Pro Woche besuchen also bereits 350 bis 400 Damen den Saunabereich. Die 110 bis heute eingelangten Unterschriften bilden da nur ein schwaches Gegengewicht. "Wenn wir heute davon ausgehen, dass bereits 50 Damen am Donnerstag Nachmittag kommen, bleibt für einen möglichen reinen Damenabend zu wenig Potential", hat P. ausgerechnet.
Dazu kommt der größte Nachteil, den eine wöchentliche Reservierung mit sich bringen würde. "Eine Einschränkung des Angebots ist immer schwer kommunizierbar, da die Zielgruppe so vielfältig ist". Das bedeutet, dass man gezwungenermassen viele Gäste, die möglicherweise eine lange Anfahrt hatten, wieder nach Hause schicken muss, weil sie ausgerechnet am falschen Tag in die Sauna wollten.
Theoretisch hätte man den Saunabereich von Anfang an nach Geschlechtern getrennt konzipieren können, wie es zum Beispiel in einer ähnlichen Struktur in Bad Tölz der Fall ist. "Dies hätte bedeutet, dass wir gewissen Strukturen wie Duschen doppelt anlegen hätten müssen. Die Grossräumigkeit der Sauna, die heute von allen gelobt wird, wäre einem solchen Konzept zum Opfer gefallen. Dies schien uns nicht sinnvoll" erklärt P.
Dieser Fall hat sich real zugetragen und wurde in einem Provinzblatt veröffentlicht. Personen und Örtlichkeiten wurden anonymisiert.
Gruss
Damian
gesamter Thread:
- Schwimmbad: Saunaabend für Damen gefordert -
Damian,
28.03.2003, 23:04
- Re: Schwimmbad: Saunaabend für Damen gefordert - Jolanda, 28.03.2003, 23:41
- Wie wohl die Frauen ausschauen? - pit b., 29.03.2003, 18:51
- Badehäuser -
susu,
29.03.2003, 21:43
- Re: Badehäuser -
Jörg,
29.03.2003, 21:58
- Re: Badehäuser -
Jolanda,
30.03.2003, 01:43
- Re: Badehäuser -
Jörg,
30.03.2003, 18:48
- Re: Badehäuser -
Jolanda,
30.03.2003, 19:00
- Re: Badehäuser - Alex, 30.03.2003, 20:02
- Re: Badehäuser -
Alex,
30.03.2003, 19:14
- Re: Badehäuser -
Jörg,
30.03.2003, 19:24
- Re: Badehäuser -
Alex,
30.03.2003, 19:37
- Re: Badehäuser -
Jörg,
30.03.2003, 20:22
- Re: Badehäuser -
Alex,
30.03.2003, 20:43
- Re: Badehäuser -
susu,
31.03.2003, 05:05
- Re: Badehäuser - Alex, 31.03.2003, 15:39
- Re: Badehäuser -
susu,
31.03.2003, 05:05
- Re: Badehäuser -
Alex,
30.03.2003, 20:43
- Re: Badehäuser -
Jörg,
30.03.2003, 20:22
- Re: Badehäuser -
Alex,
30.03.2003, 19:37
- Re: Badehäuser -
Jörg,
30.03.2003, 19:24
- Re: Badehäuser -
Jolanda,
30.03.2003, 19:00
- Re: Badehäuser - susu, 30.03.2003, 23:16
- Re: Badehäuser -
Jörg,
30.03.2003, 18:48
- Re: Badehäuser -
Jolanda,
30.03.2003, 01:43
- Re: Badehäuser -
Jörg,
29.03.2003, 21:58
- Re: Schwimmbad: Saunaabend für Damen gefordert -
Stefan G.,
29.03.2003, 22:18
- Re: Schwimmbad: Saunaabend für Damen gefordert - Odin, 31.03.2003, 21:10