Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Kausalität ist eine menschliche Erfindung! Wirklich?

Nihilator ⌂, Bayern, Friday, 12.06.2009, 13:58 (vor 6136 Tagen) @ Mus Lim

Dass Kausalität eine menschliche Erfindung sei, halte ich ja nun für ein
Gerücht.
Das Gesetz von actio und reaction ist ja wohl eines der bekannteres
Kausalitätsprinzipien.

Was ich an Verschwörungstheorien problematisch finde ist ihre
Personifizierung von teilweise sehr komplexen Vorgängen.

Eines ist ja der, dass Hitler den Holocaust herbeigeführt habe.
Nun steht zwar außer Frage, dass Hitler eine herausragende Position hatte,
und von daher auch entsprechende Verantwortung …

… aber er allein hätte das nicht bewirken können.
* Ohne, dass das Volk einen Sündenbock brauchte und dankbar annahm.
* Eine alte und tradierte Judenfeindlichkeit wieder entflammt werden
konnte.

Aber ohne ihn hätte es gar nicht bewirkt werden können. Die beste Erklärung, die ich zum unverständlichen Phänomen des NS-Führerstaats und der "Endlösung" je gelesen habe, stammt von J. Littel, dem Autoren von "Die Wohlgesinnten":

"Dank des Beitrags all dieser Forschungen der letzten fünfzehn Jahre hat sich die Debatte stark verdichtet. Man ist bei einer kritischen Masse angelangt, die es endlich erlaubt, die richtigen Fragen zu stellen. Sie werden jetzt dermaßen richtig gestellt, alles spitzt sich dermaßen zu, und dermaßen viele Dinge stehen auf dem Spiel, dass man bei Goldhagen landet, der für mich die reine Reaktion ist, die Rückkehr zur Standard-Erzählung (>Sie haben die Juden ermordet, weil sie die Juden hassten«). Auch psychologische und politische Gründe erklären diese Reaktion, die von den Spezialisten, insbesondere den deutschen Historikern, die kollektiv über die >nationalsozialistischen Vernichtungspolitiken« forschen, weitgehend in Frage gestellt wird. Auch ich ziehe es vor, eher von >nationalsozialistischen Vernichtungspolitiken« zu sprechen als zum Beispiel von Shoah oder Holocaust – Begriffe, die ihr Objekt schon dadurch, dass man sie benutzt, definieren. Diese Historiker haben gewissermaßen das Forschungsobjekt neu und genauer definiert, einfach dadurch, dass sie ihm einen neuen Namen gaben und von den theologischen Kategorien befreiten, um es den sozialen und politischen Prozessen der Moderne zuzuordnen. Sie haben, wie in den Vereinigten Staaten die Forscher Christopher Browning und Omer Bartov, gezeigt und bewiesen, dass die Nationalsozialisten in Abhängigkeit von Problemkategorien und Problemlösungen dachten und argumentierten – Lösungen, die den Massenmord mit einschlossen.
Bleibt eine letzte Frage, die entscheidende: Warum die Juden, warum dieses monströse Privileg, das den Juden innerhalb der Problemkategorien eingeräumt wurde? Was mich angeht, so habe ich in der Hitler-Biographie von Ian Kershaw eine Antwort gefunden, die für mich zurzeit – im Vergleich zu allem, was bisher geschrieben wurde – die vollkommenste Synthese ist. Kershaw beschreibt das nationalsozialistische System als eine Bürokratie, die von einem charismatischen Führer magnetisiert wird. Jeder ist bei seiner Arbeit auf den Führer ausgerichtet und behauptet sich im internen bürokratischen Konkurrenzkampf entsprechend dem Willen des Führers. Aufgrund dieser Funktionsweise, dieser Art von Gesellschaft und dieser politischen Montage bekommen die Delirien Adolf Hitlers, seine bugs, und vor allem sein ganz persönliches, spezifisches Problem mit den Juden eine immense Bedeutung. Das jüdische Problem hat nur deshalb für alle Priorität, weil es für den Führer Priorität hat.
Die Juden und die Sowjets sind für Hitler das Einzige, was zählt. Man kann das leicht an Gegenbeispielen zeigen. Innerhalb der Problemkategorien gibt es zwei sehr gute Gegenbeispiele: die Homosexuellen und die Zigeuner. Sie werden in den bürokratischen Apparaten ebenfalls zum Thema umfassender Debatten: Was soll man mit ihnen machen? Soll man sie in Sammellager einliefern? Sie einsperren? Sie töten? Da die Zigeuner und die Homosexuellen Adolf Hitler völlig egal sind, gibt es weder eine gemeinsame Ausrichtung der bürokratischen Apparate noch irgendeine kollektive und einvernehmliche Lösung. Es gibt nur Ad-hoc-Lösungen, die ein Ergebnis der Konflikte zwischen den jeweiligen bürokratischen Apparaten sind, entsprechend ihren jeweiligen Logiken.

Himmler selbst war von den Homosexuellen wie besessen. Das war seine Obsession, wie die Juden für Hitler. Er wollte sie alle töten oder wenigstens in Konzentrationslager stecken. Er stieß (bis 1943) auf die Weigerung des Justizministeriums, das ihm antwortete: >Wir haben ein einschlägiges Gesetz; Männer, die homosexuellen Praktiken nachgehen, kommen ins Gefängnis, nicht in ein Lager.« Es handelt sich um eine rein bürokratische Logik: >Sie gehören uns, nicht Ihnen, wir geben sie Ihnen nicht.« Dieselbe Antwort von Seiten der Wehrmacht, die ihre Homosexuellen in den Bau steckt, sie jedoch nicht an Himmler ausliefert.
Es wird also niemals eine systematische Ausrottung der Homosexuellen geben, weil die bürokratischen Apparate gegeneinander operieren. Da sie Hitler egal sind, gibt er keinerlei Richtung an. Und wenn Hitler keine Richtung angibt, geht nichts voran. Das Gleiche lässt sich für die Zigeuner aufzeigen.
Was die Juden angeht, so spalten sich alle bürokratischen Apparate – da Hitler von der jüdischen Frage besessen ist – rasch in zwei Lager: in das Lager derer, die bei der Lösung des Problems >konstruktiv« vorgehen, und das Lager derer, die gar nicht vorgehen. Diejenigen, die gar nicht vorgehen, werden kaltgestellt. Das Ganze führt, um mit den Historikern zu sprechen, zu einer >kumulativen Radikalisierung« aller betroffenen Instanzen, und zwar nicht etwa, weil die Handelnden selbst fanatische Antisemiten wären – es gibt solche, aber es gibt auch viele, die es nicht sind –, sondern weil jede bürokratische Instanz im Verhältnis zum Führer an der Spitze der Lösung dieses Problems stehen will.
Das ist meine Interpretation. Man kann darüber diskutieren, aber es ist die Folgerung, die ich aus meiner Lektüre gezogen habe. Um auf Ihre Frage zu meinem Verhältnis zur Geschichte zurückzukommen: Für mich sind Fragestellungen dieser Art interessant."

http://diewohlgesinnten.de/374.0.html

Jeder trachtete danach, den Willen des Führers zu erraten und vorauseilend zu erfüllen, das war sozusagen Pflicht. Voraussetzung für persönlichen Aufstieg sowieso.
Ein Gottesstaat mit einem menschlichen Gott, zu dem man ja sogar betete und auf den man eisern vertraute, auf Gedeih und Verderb bis zum bitteren Ende, das war das Nazireich.

Es gibt viele verantwortliche Köpfe, von denen einige bekannt aber viele
nie bekannt geworden sind, von denen Hitler eben nur einer, wenn auch
bekannter Kopf war.

Der Feminismus ist ja ideologisch einfachst gestrickt (und wohl auch
deshalb so erfolgreich), man muss ja nur mal die Begriffe Mann gegen Jude
und Frau gegen Arier austauschen, um das zu erkennen.

Eine Personifizierung sehe ich hier selbst als eine Verschwörung, denn
wenn man einen Schuldigen (Person) gefunden hat, dann ist der Volkszorn
meist besänftigt und es wird nicht weiter nach Ursachen und Akteuren
gesucht …

In seinen primitiven Verschwörungstheorien und Schuldzuweisungen an einen Sündenbock (Mann, Patriarchat), seiner Benutzung als einigendes Element für eigentlich Zerstrittene mit höchst unterschiedlichen Interessen, ist der Feminismus tatsächlich die ungebrochene Fortsetzung der Nazi-Ideologie. Haß und nur Haß vereint.

--
CETERUM CENSEO FEMINISMUM ESSE DELENDUM.

MÖSE=BÖSE

Fast ein Jahr lang suchte sie Hilfe bei Psychiatern, dann wandte sie sich Allah zu.


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