Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Das Problem der Planwirtschaft

Garfield, Wednesday, 02.03.2011, 12:41 (vor 5434 Tagen) @ Chato

Hallo Nick!

Daraufhin hätte das Kombinat nicht mehr 10.000 linke und 10.000 rechte Schuhe, sondern stattdessen 30.000 linke Schuhe produziert. Konsequenz: Höchstes Lob aus Moskau wegen 50%-iger Planübererfüllung.

Sowas gab es nicht nur durch Maschinendefekte, sondern das wurde manchmal ganz bewußt gemacht, um auf die Planzahl zu kommen. Ein Beispiel aus der DDR:

Ein Betrieb stellte Anzüge her, die jeweils aus einer Hose und einem Jackett bestanden. Schließlich zeichnete sich ab, daß man das Plansoll nicht schaffen würde. Jacketts ließen sich schneller und mit geringerem Materialaufwand produzieren, und im Plan stand nichts von Hosen und Jacketts, sondern nur allgemein von Kleidungsstücken.

Also produzierte man nur noch Jacketts und keine Hosen mehr. Und die DDR-Bürger wunderten sich später darüber, wieso in den Läden zwar Jacketts hingen, aber keine dazu passenden Hosen. Der Plan konnte so aber erfüllt werden.

Die Geschichte mit den linken Schuhen halte ich aber trotzdem für ein Märchen. Kein Kombinatsleiter hätte freiwillig den Plan um 50% übererfüllt. Das hätte nämlich bedeutet, daß das nächste Plansoll entsprechend höher angesetzt worden wäre, und man hätte dann noch mehr rotieren müssen, allein schon, um das nötige Material zu bekommen. Und wenn der Plan dann beim nächsten Mal nicht mehr erfüllt worden wäre, dann hätte der Kombinatsleiter dafür gerade stehen müssen. Deshalb wurden Pläne üblicherweise maximal geringfügig übererfüllt. Man drosselte auch schon mal die Produktion, wenn eine zu hohe Übererfüllung des Plans drohte.

Ähnliches gibt es heute auch in großen Konzernen und nicht selten auch in mittleren Firmen, wenn es darum geht, die Jahresbilanz hinzubiegen. Sogar einzelne Selbstständige und kleine Firmen müssen aufpassen, daß sie weder zuviel noch zu wenig arbeiten. Bei zu wenig Arbeit kann die Miete nicht mehr gezahlt werden, bei zuviel Arbeit droht eine hohe Steuervorauszahlung für das nächste Jahr.

Freundliche Grüße
von Garfield


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