Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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"Frauen-Sprech"

DvB, Friday, 28.01.2011, 17:15 (vor 5466 Tagen) @ Nikos

Das ist eine bekannte Fehleinschätzung. Dichten wollen und
unbedingt reimen müssen, ist fast so wie eine Freundin
wollen und dafür eine Feministin heiraten: Kann einem passieren, muss es
aber nicht.

Nein. Das ist keine Fehleinschätzung, das ist die Begriffsbedeutung. Genauso, wie salzig eben salzig, süß eben süß und bitter eben bitter ist. Vermutlich gibts keine DIN dafür, ist der Begriff auch nicht geschützt und wirst Du wohl auch nicht verklagt. Hast Du Glück gehabt. Und die Kultur Pech. Leider.

Viel wichtiger ist, was man sagen will, wer der Empfänger ist,
der Eindruck, der hängen bleibt, das richtige Wort zu finden, denn, wenn
das fehlt, dann ist alles hin, und auch und vor allem: Den Moment
abgewartet zu haben, bei dem, wenn man nicht schreibt, dann explodiert und
in Stücke zerissen wird.

Ja, was Dir wichtig ist, kann ja alles sein - sagt doch auch keiner was dagegen. Dafür gibts ja die künstlerische Freiheit. Die bezieht sich aber nicht auf Begriffsverwirrungen, Gibs als Beton zu verkaufen o.ä.

Was heute oft getan wird: Alles wild neben- und übereinander geworfen,
hauptsache die letzten fünf bis sieben Buchstaben einer Zeile sind die
Selben mit der letzten fünf oder sieben Buchstaben der nächste Zeile.

Tchja, schon klar.

Wenn einer, der mit Mühe kaum
Gekrochen ist auf einen Baum,
Schon meint, daß er ein Vogel wär,
So irrt sich der.

Wilhelm Busch

Die Katastrophisten schießen heutzutage eben in jeder Hinsicht wie Pilze aus dem Boden. Es ist ja "Demokratie".

Bedeutung kaum vorhanden, Seele kaum existent, Kraft im Minusbereich, der
jenige, der geschrieben hat, hat das getan weil er ein Vertrag zu erfüllen
hat, oder weil er jemandem beeindrucken will, und amsonsten keinen
richtigen Bock hat, das zu machen. Alles ist so? Nein, nicht alles ist so,
aber heutzutage doch sehr viel. Ich weiss nicht, ob ich Recht oder Unrecht
habe, aber ja, DAS ist eine Katastrophe. Die Bibliotheken der Welt kommen
dadurch von dem Gähnen gar nicht mehr weg.

Da hast Du vollkommen Recht. Aber man kommt der Pest wohl kaum bei, indem man die Cholera dagegen setzt. Es kommt bei dem Kunstwerk sowohl auf Inhalt als auch auf die Form an. Wasser allein gibt noch keine Suppe, Nudeln allein genausowenig. Erst wenn Du sie zusammenschüttest, kochst und umrührst, gibt das wenigstens ne Suppe. Über Feinheiten, wie Gewürze, ob sie auch schmeckt usw. kann man sich dann immernoch den Kopf zerbrechen. Natürlich hast Du Recht: Wasser ist ungeheuer wichtig, Lebensmittel Nr1 und so - und kann auch überaus schmackhaft sein. Es ist aber keine Suppe. Ehrlich. ;)

Ich empfehle Rilke's "Briefe an einen jungen Dichter". Da ist viel wahres
drin. Aber vielleicht kennst du es ja schon.

Brrr - Rilke les ich nur, wenn ich grad nen Strickpullover anhab, im Kamin das Feuer flackert und meine Gäste aus Adornoanhängern bestehen. Das ist so ungefähr nie. Und wenn ein Jude Ratschläge über Kunst erteilt, ist das wie wenn ein Schwein einem ein Uhrwerk erklären will.

Das Grammatikalische ist sicherlich eine Zumutung, aber in einer Welt, wie
diese, lässt sich das leider nicht vermeiden. Ich hatte auch nie im Leben
geträumt gehabt, dass ich in ein deutshsprachiges Forum schreiben werde.
Werde aber das Ding nun korrigieren. Habe Hilfe bekommen und ich bedanke
mich dafür. Im Griechischen sieht das Ganze natürlich schon ein wenig
anders aus.

Was denn, was denn - ich dachte, mit "zu viel Perfektion würde es etwas Authentisches verlieren"? :o

Hat sich mein Bruder vor Jahren mal ein Schwert schmieden lassen. Der Schmied hat da etliche Macken reingeschmiedet. Auf die Frage, was das soll: "Damit man auch sieht, daß es Handarbeit ist." Alles klar. Ich hab dann für mein Schwert lieber auf eine 0815-Geschichte zurückgegriffen. Es taugt. Und ein wirklich gutes Schwert ist eben heute nimmer zu haben. Es gibt nur noch "Kunstschmiede". Die ham alle einen an der Waffel.

Bleibe dabei: Wenn das Ding nicht aus dir heraus springt, wie eine
lebendige dampfende wilde Lokomotive, die dich sofort und restlos
auffressen will, dann kannst du das mit dem Schreiben lieber lassen und
etwas anderes tun :)

Naja, wie heißt es so schön: Kunst kommt von Können, sonst hieße es ja Wunst. Ich stell mir grad nen Stubenpanzer vor, der eine Schimpfkanonade losläßt. Natürlich kann man das aufschreiben und behaupten, es sei ein Gedicht. Man kann es aber auch lassen. ;)

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