Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Eine kurze Anmerkung zum "Andere-Wange-Syndrom"

Chato, Thursday, 06.01.2011, 04:05 (vor 5489 Tagen) @ DvB

Das "Hinhalten der linken Wange" (die Reihenfolge ist hier für das Verständnis wichtig) betrifft einen anderen Christen oder einen Nachbarn z.B. (inimicus), nicht aber einen Feind (hostes) [dieselbe Unterscheidung gilt übrigens auch für Begriffe wie "Feindesliebe" etc. pp]. Wer das nicht weiß und folglich nicht mitbedenkt, der versteht den Text (hier z.B. Mt 5,39) ganz verkehrt und kommt zu völlig bescheuerten Schlüssen.

Wenn ein Rechtshänder einen anderen auf dessen rechte Wange schlägt, dann macht er das aus anatomisch-geometrischen Gründen mit dem Handrücken. So schlägt ein Herr seinen Sklaven, wenn er ihm sozusagen eine Kopfnuß verpaßt. Wer eine Watschn auf die rechte Wange erhielt und es dabei beläßt, beläßt dem anderen seine Anmaßung, ihn wie ein Sklave gedemütigt zu haben. Jesus rät davon ab, sich so zu verhalten und empfiehlt, den anderen in eine Zwickmühle zu setzen und sich die geraubte Würde auf kluge und edle Art zurückzuholen. Man muß sich hier genau in die Situation versetzen. Wer würde bei einem Setting wie dem oben beschriebenen jetzt noch einmal ausholen und mit der rechten Handfläche auf die linke Wange schlagen? Was würde ihn das denn an Reputation kosten? Und als wen würde er den anerkennen, den er im Moment zuvor noch zu demütigen meinte? Den Zuhörern damals war direkt klar, von was Jesus hier redete. Heute ist das nicht mehr so, jedenfalls nicht, wenn nicht genau gelesen und genau nachgedacht wird.

Die heutigen Menschen sind sehr oberflächlich und seicht geworden. Ihnen ist genaues Mitdenken eher fremd. Es ist wichtiger, einer subtilen Situation eine Bedeutung zu "geben", die den eigenen Vorannahmen entspricht, und sich damit selbst zu bestätigen, anstatt eine tiefere Bedeutung zu begreifen. Schade. Da rauscht eigentlich alles Wesentliche an ihnen vorbei. Man könnte natürlich sagen, daß das nichts ausmacht, wenn sie es ja nicht einmal merken. Aber zu was machte man einen, über den man so dächte? Wäre er gekränkt, wenn er das wüßte? Oder wäre ihm das auch egal? Bei Jesus Christus geht es immer um souveräne menschliche Würde und um Wahrheit. Liegt es vielleicht daran, daß nichts mehr davon übrig ist, warum solches heute so unverständlich geworden ist?
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Nick

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Wenn wir Toren wüßten, daß wir welche sind, wären wir keine.


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