Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Nein, im Gegenteil!

Garfield, Monday, 29.11.2010, 19:16 (vor 5525 Tagen) @ Jonathan

Hallo Jonathan!

Hm, ich sehe das etwas anders.

Feministinnen behaupten oft, daß die Herausbildung von Städten das "Patriarchat" erst ermöglicht hätte; manche behaupten auch, das vorher angeblich existierende Matriarchat wäre dadurch zerstört worden.

Tatsächlich geht aber heute kein ernstzunehmender Historiker mehr davon aus, daß es hierzulande in früheren Zeiten ein allgemeines Ur-Matriarchat gegeben hat. Wenn man sich einmal vorstellt, unter welchen Umständen unsere Vorfahren lebten, dann wird klar, daß es eine klare Aufgabenteilung gegeben haben muß. Diese wurde sicher in Notzeiten auch mal aufgeweicht, aber ansonsten muß sie immer präsent gewesen sein, denn aufgrund der schlechteren Lebensumstände war es einfach nötig, daß Frauen soviele Kinder wie irgendwie möglich zur Welt brachten und aufzogen. Je mehr andere Aufgaben die Frauen davon abhielten, umso weniger Nachwuchs gab es, und wenig Nachwuchs war unter den damaligen Umständen katastrophal.

Diese Notwendigkeit wies sowohl Frauen als auch Männern ihre Aufgaben zu. Frauen kümmerten sich um die Kinder und um alles, was sie noch nebenbei relativ gefahrlos im häuslichen Bereich oder im sicheren Lager sowie in der näheren Umgebung erledigen konnten; Männer kümmerten sich um Nahrungsbeschaffung durch Jagd und um den Schutz der Gruppe vor Feinden.

Natürlich wurden die Aufgaben der Frauen auch als wichtig angesehen. Die meisten Männer freuten sich, wenn ihre Frauen viele Kinder zur Welt brachten. Aber während der Nutzen von Kindern nicht sofort erkennbar war, war der Nutzen der männlichen Tätigkeiten für alle Gruppenmitglieder ganz klar ersichtlich, z.B. wenn Jäger viel Beute heimbrachten oder wenn ein Angriff von Feinden erfolgreich von Kriegern abgewehrt wurde. Noch ersichtlicher wurde dieser Nutzen, wenn die Männer versagten - dann hungerte die Gruppe oder es gab hohe Verluste an Menschen und Ressourcen bei Überfällen von Feinden.

Und je schlechter die Lebensumstände der Menschen waren, umso mehr Männer kamen bei Jagd oder Krieg ums Leben. Das erhöhte den Wert eines Mannes weiter, ganz besonders, wenn die Verluste so hoch wurden, daß ein große Zahl von Frauen keinen Mann mehr für sich allein haben konnte. Auch wirkte es sich nun stärker aus, wenn mehrere Männer bei ihren Aufgaben versagten.

Der Wert einer Frau sank dadurch zwar nicht, aber weil der Wert eines Mannes sich durch Männermangel nun einmal erhöhte und die durch den Männermangel entstehenden Nachteile auch sofort für alle erkennbar waren, konnten sich die meisten Frauen sowie auch ihre Eltern bei der Wahl eines Partners keine hohen Ansprüche leisten. Das führte zu einem Machtverlust für Frauen.

Die Feministinnen, denen das soweit klar ist, versuchen, diese Zusammenhänge zu leugnen, indem sie behaupten, es hätte in früheren Zeiten keine festen Familienstrukturen gegeben. So etwas wie Ehe oder Treue hätte erst die christliche Kirche etabliert, vorher hätten alle wild durcheinander gevögelt und es wäre völlig egal gewesen, wer der Vater eines Kindes war.

Das ist ebenfalls Unsinn. Es gibt grob betrachtet zwei Strategien für die Reproduktion einer Art: Man kann sehr viele Nachkommen erzeugen; nachdem man sie in die Welt gesetzt hat, wenig bis gar keinen Aufwand in sie investieren; sich also einfach darauf verlassen, daß die pure Masse dafür sorgen wird, daß immer genügend Nachkommen überleben und aufwachsen. Oder man kann wenig Nachkommen in die Welt setzen, dann aber sehr viel Aufwand in sie investieren und so möglichst sicherstellen, daß sie überleben und aufwachsen.

Die höchstentwickelten Arten nutzen allesamt die zweite Strategie, weil ihre Nachkommen schon bei der Geburt so komplex sind, daß es nicht möglich ist, sie in sehr großer Zahl zu erzeugen. Auf den Menschen trifft das mehr zu als auf alle anderen Arten, denn menschliche Kinder brauchen vergleichsweise lange die Unterstützung der Eltern.

Und ein Maximum an Unterstützung investiert man nur in den eigenen Nachwuchs. Prinzipien wie Ehe oder Treue hat das Christentum wie auch andere Religionen aus früheren Zeiten übernommen, und auch solche Bräuche wie Mitgift oder Brautgeschenke haben eine uralte Tradition und machen ohne feste Paarbeziehungen überhaupt keinen Sinn.

Und wenn viele Frauen um wenige Männer konkurrieren müssen, verschiebt das nun einmal das Macht-Verhältnis zugunsten der Männer.

Das dürfte hierzulande z.B. während der Eiszeit so gewesen sein. Damals waren die klimatischen Bedingungen sehr schlecht, die Männer waren gezwungen, auch gefährliche Großtiere wie Wollhaarnashörner oder Mammuts zu jagen, und es dürfte auch heftigere Revierkämpfe unter den Menschen-Gruppen gegeben haben, vor allem in den Zeiten, in denen sich das Eis weiter nach Süden vorschob.

Die Sitten und Bräuche der Menschen müssen sich diesen Bedingungen angepaßt haben, und das dürfte zunächst auch nach der Eiszeit noch Bestand gehabt haben.

Als sich dann aber Städte herausbildeten, begannen sich die Machtverhältnisse zu ändern. Städte waren ja überhaupt nur dort möglich, wo genügend Nahrung vorhanden war. Auch boten Städte mehr Sicherheit vor feindlichen Angriffen.

Überall dort, wo es Städte gab, gab es also meist relativ viel Nahrung und Sicherheit. Außerdem ist zum Aufbau einer Stadt auch schon ein hohes Maß an Arbeitsteilung und Spezialisierung nötig. Das trägt dazu bei, daß Produzenten von Gütern nicht mehr so klar sichtbar sind.

Wenn ein Jäger ein erlegtes Tier nach Hause bringt, wissen alle anderen, die das Fleisch des Tieres später essen, wem sie es zu verdanken haben. Wenn man ein Stück Fleisch bei einem Händler kauft, weiß man das nicht, außerdem muß man ja dafür bezahlen und sieht somit keinen Grund für Dankbarkeit.

Das trägt schon mal dazu bei, daß die Aufgaben der Männer dann weniger gewürdigt werden. Vor allem, wenn für längere Zeit Wohlstand und Frieden herrschen, wird das als selbsverständlich betrachtet und vor allem den Frauen wird kaum noch bewußt, daß im Hintergrund überall Männer schwer arbeiten und ihr Leben riskieren, damit sie genug zu essen haben und sicher leben können.

Da in guten Zeiten auch weniger Männer umkommen, können Frauen sich auch wieder höhere Ansprüche an potenzielle Partner leisten.

Es muß also so gewesen sein, daß die Herausbildung von Städten das Machtgleichgewicht nicht zugunsten der Männer, sondern zugunsten der Frauen verschoben hat. Sie profitierten am meisten davon, zumal nun eine attraktive Frau in einer Stadt auch noch weitaus bessere Möglichkeiten hatte, als Geliebte eines reichen Mannes von dessen Wohlstand zu profitieren. In einer Stadt gab es nun einmal mehr reiche Männer als irgendwo in einem Dorf.

Davon profitierten dann auch einige wenige reiche Männer, aber viele Männer in den unteren Einkommensschichten fanden keine Partnerin und wurden von Frauen ignoriert oder verachtet.

Aber es gab immer wieder auch Notzeiten. Durch Klimaänderungen gab es Mißernten, die die Städte besonders hart trafen, und häufig setzten sich dann auch noch größere Menschenmassen in Bewegung, um klimatisch ungünstigeren Bedingungen zu entfliehen, was zu Plünderungen und Kriegen führte, von denen auch die Städte nicht verschont blieben. Zwar waren sie gut geschützt, aber dort gab es ja auch viel zu holen.

In solchen Zeiten wurden die Frauen immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurück geholt und lernten die Aufgaben der Männer und damit die Männer selbst wieder schätzen.

Als sich der Kapitalismus herausbildete, wuchs die Produktivität so schnell an wie nie zuvor. Auch wurden bald in den Büros der Firmen und auch in den Amtsstuben mehr Angestellte benötigt, die besser bezahlt wurden als einfache Arbeiter. So bildete sich eine Mittelschicht heraus, und es gab da nun immer mehr Hausfrauen. Einige von ihnen machten wirklich Hausarbeiten, wenn die Männer aber gut verdienten, dann wurden diese Hausarbeiten an Dienstpersonal übertragen und die "Hausfrau" hatte gar nichts mehr zu tun.

Das wurde von den Frauen keineswegs als Machtverlust empfunden. Es gab im 19. Jahrhundert Frauenorganisationen, die diese Entwicklung ausdrücklich begrüßten, weil sie die Frauen zunehmend von der Erwerbsarbeit befreite und es ihnen ermöglichte, sich nur noch um Haushalt und Kinder zu kümmern.

Und die Tatsache, daß sie damit oft nicht wirklich voll ausgelastet waren (schon damals gab es in Mittel- und Oberschicht häufig nicht so viele Kinder, wenngleich es damals ohne die heutigen bequemen und billigen Verhütungsmittel natürlich mehr waren als heute), versuchten sie einfach dadurch zu tarnen, daß sie um das, was sie taten, eben umso mehr Aufhebens veranstalteten.

Ich denke, manche Frauen aus dem Bürgertum betätigten sich einfach nur aus Langeweile in Frauenorganisationen. Und dann war es ja im 19. Jahrhundert so, daß dort, wo auch das normale Volk wählen durfte, dies meist nur Männern möglich war. Das wurde als ungerecht empfunden, und so gab es sogar ein Ziel, auf das frau hinarbeiten konnte.

Weil es zwischenzeitlich immer wieder auch Notzeiten gab, erlebte auch der Feminismus immer wieder einen Dämpfer. Während des Ersten Weltkrieges gab es zwar auch Protestaktionen von Frauen, aber die richteten sich meist gegen die durch den Krieg verursachten Mißstände, z.B. Lebensmittelmangel usw. Das waren echte Probleme, die nichts mit Feminismus zu tun hatten.

Nun ist es aber hierzulande schon lange so, daß es keine echte Not mehr gibt. Lebensmittel holt frau sich aus dem Supermarkt, alles andere kauft sie auch irgendwo, das Geld dafür wird regelmäßig überwiesen, notfalls vom Amt, und frau muß auch nicht befürchten, daß jeden Moment eine Horde von Feinden über die Grenze kommt, um hier zu plündern und zu morden. Es gibt auch genügend Männer, immer noch auch welche mit recht gutem Einkommen.

Und das hat eben wieder den Effekt, daß männliche Leistungen von Frauen kaum gewürdigt werden. Und daß die Machtverhältnisse sich immer mehr zugunsten von Frauen verschieben. Mit Feminismus beschäftigen sich heute noch manche Frauen vor allem aus Langeweile. Er hat aber mittlerweile eine größere Bedeutung, denn feministische Theorien liefern Frauen heute Begründungen und Rechtfertigungen für jegliches Verhalten. Macht frau rücksichtslos und mit allen Mitteln Karriere, dann geht das natürlich nicht anders, weil sie sich ja in der angeblich so harten Männerwelt behaupten muß. Macht sie keine Karriere, sondern bleibt mit den Kindern (oder auch ohne Kinder) als Hausfrau zu Hause, dann hindern sie gläserne Decken und finstere Männerbünde an der beruflichen "Selbstverwirklichung". Ist sie gern mal gewalttätig, dann ist das nur eine legitime Reaktion auf die patriarchale Gewalt gegen Frauen. Mag sie es, wenn sie selbst ab und zu geschlagen wird, dann ist sie ein bedauernswertes Opfer eines männlichen Unterdrückers.

Frauen ist es eben ungeheuer wichtig, wie sie nach außen wirken. Der schöne Schein muß immer gewahrt bleiben, ganz egal, wie es hinter der schönen Fassade aussieht. Deshalb brauchen sie diese Rechtfertigungsmöglichkeiten, die ihnen der Feminismus bietet.

Letztendlich geht es also darum, daß Frauen sich immer mehr Freiheiten nehmen, also immer mehr Macht bekommen und daß das mit Hilfe des Feminismus moralisch legitimiert werden soll. Auch wenn frau etwas Negatives tut, dann ist das nur quasi Notwehr gegen das Patriarchat.

Deshalb erheben Feministinnen ja auch immer wieder vollkommen abstruse Forderungen, die jeglichem gesunden Rechtsempfinden zuwider laufen. So wird schon seit Jahrzehnten immer wieder gefordert, daß einer Frau vor Gericht grundsätzlich Glauben geschenkt werden muß, auch z.B. bei Mordfällen. Wenn also eine Frau einen Mann umgebracht hat, soll sie straffrei bleiben, weil das Gericht dann davon ausgehen soll, daß es eine reine Notwehrhandlung war.

Das zielt darauf ab, Frauen pauschal immer mehr Macht zu verschaffen. Und solche Aktionen sind immer wieder erfolgreich, wie man am Beispiel "Gewaltschutzgesetz" sehen kann. Das gibt einer Frau nämlich die Möglichkeit, ihren Partner oder auch einfach nur einen Mitbewohner jederzeit mit der Drohung, ihn aus der Wohnung werfen zu lassen, unter Druck zu setzen, um ihn so gefügig zu machen. Auch wenn nicht jede Frau diese Macht nutzt - jede hat sie.

Und je mehr Macht Frauen bekommen, umso mehr brauchen sie den Feminismus, um das moralisch vor sich selbst und vor den Männern zu rechtfertigen.

Also sehe ich es eher so, daß die Ausbreitung des Feminismus auf einem Machtzuwachs für Frauen beruht. Und ich fürchte, diese Entwicklung wird erst gestoppt werden, wenn die Zeiten für uns alle wieder deutlich schlechter werden.

Es gibt zwar einige Tendenzen, die die Hoffnung wecken können, daß es auch anders geht. Beispielsweise haben Männer ja heute auch die Möglichkeit, in virtuelle Welten zu flüchten, wenn sie vom realen Leben und eventuell auch von Frauen frustriert oder einfach gelangweilt sind. Genau deshalb sehen es viele Frauen auch nicht gern, wenn ihre Partner zuviel am PC sitzen. Aber ich denke, daß das allein den Feminismus nicht stoppen kann. Frauen müssen erkennen, was Männer wert sind - aber das tun sie eben nur, wenn ihnen deutlich gemacht wird, wie sehr sie von Männern abhängig sind.

Freundliche Grüße
von Garfield


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