Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Gleichstellung bei Friedrich Engels

Garfield, Wednesday, 27.10.2010, 14:42 (vor 5558 Tagen) @ Mus Lim

Hallo Mus Lim!

Engels ging da - wie viele andere seiner Zeitgenossen auch - von falschen Voraussetzungen aus. Zu der Zeit glaubten nämlich auch viele Historiker noch ernsthaft an ein Ur-Matriarchat. Die massenhaft gefundenen kleinen Figuren von Fruchtbarkeitsgöttinnen wurden falsch gedeutet - man hielt sie für Darstellungen normaler Frauen und glaubte dementsprechnend, daß Frauen in der Steinzeit eine besondere Bedeutung gehabt und in der Hierarchie grundsätzlich über den Männern gestanden hätten. Bestärkt wurde man dabei noch durch die tatsächliche Existenz von Matriarchaten bei einigen Völkern, die unter ähnlichen Bedingungen lebten wie unsere Vorfahren in der Steinzeit.

Daß diese real existierenden Matriarchate nur Bestand haben konnten, weil diese Völker in abgelegenen Regionen ohne ständige Präsenz von starken menschlichen oder tierischen Feinden lebten, wurde übersehen. Genau wie die Tatsache, daß sich Matriarchate überall dort, wo es starken Konkurrenzkampf zwischen den Völkern gab, eben nicht durchsetzen konnten.

So ging Engels davon aus, daß die Frau in der Jäger-und-Sammler-Zeit hierarchisch über dem Mann stand und versuchte irgendwie zu erklären, wieso sich das später geändert haben könnte. Und darauf aufbauend war er der Meinung, daß die scheinbar untergeordnete Stellung der Frau unnatürlich wäre.

Die Aufgaben der Männer in der Jäger-und-Sammler-Zeit als Jäger und Beschützer waren aber keineswegs unwichtig. Nahrung in ausreichender Menge und auch viele damals überlebenswichtige Rohstoffe wie Felle, Häute, Knochen oder Sehnen waren nur durch die Jagd zu beschaffen. Gute Jäger und Krieger waren dementsprechend gerade zu diesen Zeiten hoch geachtet; es war also keineswegs so, daß Männer grundsätzlich unwichtigere Aufgaben hatten und deshalb in der gesellschaftlichen Hierarchie unten standen.

Als die Landwirtschaft an Bedeutung gewann, wurden die damit verbundenen Aufgaben zunehmend von den Männern übernommen. Weil es schon immer so gewesen ist, daß die Männer die Ernährung einer Gruppe im Wesentlichen sicherstellten. Solange dazu die Jagd der wichtigste Beitrag war, waren die Männer Jäger. Als Ackerbau und Viehzucht aber effektiver und damit wichtiger wurden, wurden die Männer Bauern oder Hirten. Damit die Frauen sich weiterhin möglichst gut auf die wichtige Reproduktionsaufgabe konzentrieren konnten.

Zu Engels' Zeiten glaubte man aber eben an ein Ur-Matriarchat, und das war dann auch die Grundlage, auf der sich der Feminismus entwickelte.

Freundliche Grüße
von Garfield


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