Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

Archiv 2 - 21.05.2006 - 25.10.2012

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Fragen über Fragen...

Narrowitsch, Berlin, Wednesday, 28.07.2010, 00:10 (vor 5647 Tagen) @ Goofos

Eine Empfehlung für Dissens e.V. und seine genderreaktionären Ansätze -
von Lehrern für Lehrer. Nicht schlecht für einen Berufsstand, der für sich
in Anspruch nimmt, das bedingungslose Wertschätzung seiner Schutzbefohlenen
für seine Angehörigen zu den Grundbedingung gehört.

Von der Freiheit, Hirnwäsche als Fortbildung zu tarnen. So darf der Leer - gang, welcher auf die Lehrerschaft losgelassen werden soll, wohl treffend bezeichnet werden. Unter tausend Erwägungen, die für das viel kritisierte Verhalten von Jungen in der Schule nach Erklärungen suchen, hat Dissens die Antwort gefunden und - sehr geschickt- in einer Frage versteckt:

"Welche (vermeintlichen) Anforderungen stecken hinter den oft destruktiven Einstellungs- und Handlungsmustern von männlichen Jugendlichen? Und vor allem: Was kann ich als PädagogIn tun, um einen Weg aus dem Teufelskreis von einengendem Selbstbild, Versagen und Perspektivlosigkeit aufzuzeigen?"

Die Jungen, nicht etwa Jungen mit Migrationshintergrund, nicht Jungen aus bildungsfernen Familien, nicht Jungen aus Familien , die die als Selbstverwirklichung bezeichnete Selbstsucht zerätzte, nicht Jungen , die mit Alleinerziehenden in diversen Konflikte leben, nein DIE JUNGEN laufen im Teufelskreis von einengendem Selbstbild, Versagen und Perspektivlosigkeit.

Von der sogenannte Glockenkurve scheinen die "Experten" von Dissens noch nie etwas gehört zu haben. Nun gehe ich in meinem schier unerschöpflichen Optimismus davon aus, dass weder die ganze Welt, noch alle Deutschen und nicht einmal das Gros der deutschen Lehrerschaft samt Pädagogen aller Art völlig verblödet sind. Noch nicht - jedenfalls. Dissens und SpießgesellInnen können wohl noch nicht an allen Orten zugleich ihr Treiben entfalten.

Deshalb frage ich hier lesende Pädagogen oder Lehrer oder Leute, die mit Pädagogen und Lehrern Umgang pflegen, welcher aus Berufung handelnde Lehrer oder Pädagoge sich freiwillig 12 Tage einer Fortbildung durch Experten unterwerfen würde, die entweder besagte Glockenkurve nicht kennen, sie nicht zur Kenntnis nehmen oder sie aus anderen Gründen wissentlich verschweigen?

Nein, das sind diesmal keine rhetorischen Fragen , ich nehme sie verdammt ernst:

Wie funktionieren Dissens- Fortbildungen? Bekommen die Opfer solcher Dissens- Vorträge Order von zuständigen Behörden? Vom einem der interessierten Landesministerien? Oder besuchen die Leut womöglich freiwillig solche Veranstaltungen?

"Ein Schwerpunkt der Arbeit wird darin liegen, wie die Fortbildungsinhalte in die schulische Praxis implementiert werden können." - so Dissens zum (Un-)Sinn seines Vorhabens. Ich frag mal die besser Informierten unter uns, seit wann ein Verein seine Vorstellungen von Realität in schulische Praxis implementieren lassen darf. Bislang hörte ich, Bildung sei Ländersache. Oder gehen die Landesregierungen mit Dissens konform und Dissens leistet es, landesregierungsamtliche Politik in die Schulen zu tragen? Und wenn dem so sei, wer hat die Eignung von Dissens für solcherlei Vorhaben geprüft? Wer hat da den Hutauf und trägt Verantwortung?

Lasse ich mal das Gendergequatsche, dass per Gesetz überall in Betracht gezogen werden muss, beiseite, bleiben immer noch ein paar fragwürdige Fortbildungsinhalte, die Dissens in üblicher, aber nichts sagender Manier unter die Bildungspraktiker bringen will.

Als da wäre zum Beispiel:

"Zusammenhang von Männlichkeit und rechtsextremen Einstellungen"

Selbst wenn ich annähme, alle Rechtsextremen wären Männer, dürfte der mir suggerierte Schluss, Männlichkeit und Rechtsextremismus stünden in einem ursächlichen Zusammenhang, so nicht haltbar sein. Weiter: Was haben Rechtsextremismus und der Teufelskreis von einengendem Selbstbild, Versagen und Perspektivlosigkeit, gar mit jungmännlicher Leseinkompetenz zu schaffen? Und noch weiter gedacht: Wenn politische Standpunkte in einem Fortbildungskurs zur Jungenbildung eine Rolle spielen soll oder muss, warum fehlt die Auseinandersetzung mit dem "Zusammenhang von feministischer Glaubenslehre mit linksextremistischen Einstellungen"?

Für den Fall, dass die Länderministerien der Linie von Dissens folgen und die linksextremistische Einflüsse auf Jungenverhalten vernachlässigen, stellt sich die kühle, völlig emotionslose Frage, ob es bei der Fortbildung von Dissens um eine verdeckte politische Agitations- Veranstaltung handelt.

Und eine weitere bedenkenswerte Sache:

"Intersektionale Ansätze der Antidiskriminierungsarbeit unter besonderer Berücksichtigung geschlechterreflektierter Ansätze, interkulturellen Lernens und nicht-rassistischer Lehre"

Seit wann ist interkulturelles Lernen, ein Gebot, welches per Weiterbildung in die Köpfe von Pädagogen und Lehrern gesenkt werden muss? Was sind intersektionale Ansätze der Antidiskriminierungsarbeit? Verstehen Pädagogen das, oder bin ich dummer Laie überfordert? Aber selbst wenn dem so sei, welche Diskriminierung will Dissens bearbeiten und zwar unter "geschlechterreflektiertem Ansatz" ? Die von einem Bundesministerium dokumentierte schlechtere Benotung von Jungen? Warum schreibt Dissens zu diesem positiven "Ansatz" nicht Klartext? Oder soll die Jungendiskriminierung in dieser Fortbildung keine Rolle spielen?

Nachdem zu schließen, was Dissens bislang absonderte, offensichtlich nicht.

Wie gesagt, ich frage ja nur mal, wie der Coup läuft. Und frage weiter die besser Informierten unter uns: Welchem oder welcher Verantwortlichen in Bundes- oder Landtagen ich die Fragen einmal öffentlich stellen könnte? Welches wären die richtigen Adressen?

Im übrigen überlege ich auch das noch: Wieviel Menschen - genauer wie viele Männer und wie viele Frauen haben vieles gewagt - mitunter das Leben- für die Freiheit und die Freiheit von Forschung und Bildung? Gibt es dazu Lehrinhalte ? Weiterbildung?

Nur mal so!

Ah ja- noch etwas: Freiheit kann lästig sein, sie verlangt manchmal viel, sie engt somit die Freiheit ein. Wenn ich mich von dieser Einengung befreie, dann bin ich ein freier Mann. Richtig? So ähnlich verhält es sich - wenn ich nicht irre- mit Männern, die sich von ihren geschlechtsspezifischen Einengungen befreien wollen. Und weil Dissens dabei mit Rat und Tat hilft, handelt es sich um einen der Freiheit verbundenen Verein.

Grüße
Altschneider

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Extemplo simul pares esse coeperint, superiores erunt-

Den Augenblick, sowie sie anfangen, euch gleich zu sein, werden sie eure Herren sein.


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