Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

Archiv 2 - 21.05.2006 - 25.10.2012

233.682 Postings in 30.704 Threads

[Homepage] - [Archiv 1] - [Archiv 2] - [Forum]

Schwere Ausschreitungen in Schweden

Krischan, Sunday, 13.06.2010, 22:33 (vor 5688 Tagen) @ Sam

Jeder, der als Polizist arbeitet, hat das schon gewußt, als er sich für
diese Arbeit beworben hat.


Ich vermute trotzdem, dass es noch eine Vielzahl an Leuten gibt, die aus
einem (möglicherweise sehr naiven) Idealismus heraus diesen Beruf wählen.
Diese Leute, wenn sie zum Opfer werden mit einem "selbst schuld!"
abzuwatschen, ist mir persönlich ein bisschen zu knapp.

Das war ziemlich kalt ausgedrückt, gebe ich zu.
Idealismus, kann sein, daß sie tatsächlich glauben, etwas gutes und gerechtes zu tun. Das glaubten auch die Konquistadoren, das glaubten auch die Polizisten in Südafrika der Apartheid, das glaubte jeder, der einen Scheiterhaufen ansteckte, das glaubten vielleicht sogar viele der Grenztruppenangehörigen an der Mauer. Sie alle sind oder wären verstört, wenn jemand sie für ihr Tun angreift. Wenn wir also konsequent sind, müssen wir mit jedem Mitleid haben, der aus Naivität seinen Beruf verwählt.

Und gerade der Kapitalismus wird ja noch immer als gerecht angesehen, wenn auch mittlerweile einige ins Grübeln kommen. Und wenn schon nicht gerecht, so zumindest alternativlos. (Klar. Wer zu faul ist, über Alternativen nachzudenken, wird auch nie eine sehen.) Folglich kann es erst recht nur gut sein, dieses System zu verteidigen.

Auch ich habe den falschen Beruf gewählt. Und eine recht große Spur naiven Idealismus war in der Berufswahl sogar dabei. Und ich hätte es wissen können. Ich hatte dieselben Möglichkeiten mich über die Folgen meiner Berufswahl zu informieren, wie es jeder angehende Polizist hat. Auch mir bleibt nichts anderes übrig als entweder zu sagen: "Krischan, hättest du mehr nachgedacht, hättest du jetzt ein richtiges Einkommen. Die (meisten) anderen in der Klasse taten es und die haben jetzt eine Sorge weniger." oder mich als Opfer zu fühlen. Opfer sind schwach und passiv. Schon deshalb ist mir die erste Möglichkeit lieber.
Die einzige Ausnahme von diesem Prinzip mache ich bei Berufssoldaten, die vor 1990 in der Bundeswehr angefangen hatten. Die konnten tatsächlich nicht wissen, daß sie keine fünf Jahre später in den Krieg ins Ausland geschickt werden können und am anus mundi ins Gras beißen können.


gesamter Thread:

 

powered by my little forum