Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: wütend sein

Karl52, Tuesday, 08.03.2005, 20:54 (vor 7637 Tagen) @ Freddy

Als Antwort auf: Re: wütend sein von Freddy am 08. März 2005 16:48:55:

Robert Bly hat dieses Phänomen im "Eisenhans" sehr treffend mit "Unbewußtheit" beschrieben. Sie betrifft aber beide Geschlechter!

Hallo Freddy,

der "Eisenhans" von R. Bly ist, ohne daß ich das Oeuvre kennen würde, sicherlich identisch mit der alten Dolomitensage des "Man de fyèr" oder "Eisenhand", der als alter Sänger kommen soll, wenn die "verheißene Zeit"
beginne.

In den heute verfügbaren Fassungen dieser Sage (z.B. Karl Felix Wolff, Dolomitensagen, Verlagsanstalt Tyrolia, Innsbruck, 1974, ISBN 3-7022-1147-X) wird der Man de fyèr mit Oswald von Wolkenstein identifiziert, dem die Hände
aufgrund einer Weissagung dahingehend verzaubert wurden, daß er zwar Schwert und Lanze, nie aber feines Werkzeug und schon gar kein Instrument in Händen halten könne, ohne es zu zerstören.

Auf seinen Streifzügen hört er irgendwann einmal wunderschönen Gesang uns Spiel, natürlich ist hier eine Fee am Werke, die auch den Zauber, der auf seinen Händen liegt, sofort erkennt. Sie warnt ihn davor, den Zauber zu brechen, da dann ein großes Leid geschehe. Außerdem dürfe er nie erfahren, wie sie heiße.

Et kütt wie et kütt, er erfährt ihren Namen (Antermòya), nennt sie beim Namen, und sie muß samt einer wunderschönen Blumenwiese in einem See versinken. Nach Tagen dumpfer Trauer greift er zur Harfe und siehe da, nie ward jemals wieder einen Spielmann und Sänger gesehen, der ihm gleich kam. Dafür war er ab jetzt nicht mehr der rauhe Geselle, der zufrieden durch die Wälder streifte und auch das Kriegshandwerk ausübte wenn nötig, sondern jemand, dem rechtes Glück und Frieden für den Rest der Zeit fremd sind, egal wo er hingeht.

Zurück zum Thema: Des Man de fyèr's Gefühle für Antermòya, sagen wir mal seine große Liebe, führen, zur Unzeit offenbart (Liebe soll bekanntlich blind machen), letztlich ins Unglück.

Im Lohengrin übrigens finden wir das Ganze in Grün. Auch die griechischen Sagen sind voll davon.

Vielleicht auf beiden Seiten mit Gefühlsäußerungen etwas vorsichtiger sein? Nicht zu sehr in den Anderen dringen wollen, immer noch ein Stück terra incognita für den Anderen sein wollen und dürfen?
Es gibt Ehen, wo beide sich in der Weise respektiern und akzeptieren, in keinster Weise besitzergreifend, und die dann irgendwann durch den Bürgermeister oder seinen Stellvertreter durch eine höchstens halbstündige "Anwesenheit" "geehrt" werden, für mehr ist keine Zeit, weil die Amtsgeschäfte ja vor Weisheit gehen. Solche Ehen werden alt, sehr alt.

Gruß, Karl


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