1000 Friedensnobelpreise für Frauen. Mein Brief und die Antwort
Meine Kritik an der website von "1000 Frauen für den Friedensnobelpreis und die erhaltene Antwort:
Mein Schreiben:
Sehr geehrte Damen, sehr geehrte Herren
Ob Mann oder Frau, wer sich aufrichtig für Frieden
einsetzt, verdient Anerkennung. Ohne jeden Zweifel
gibt es unzählige Frauen, die sich für Frieden
einsetzen und Respekt und Anerkennung verdienen.
Trotzdem missfällt mir die Art und Weise, wie auf der
Website dem klischeehaften Bild des zerstörerischen,
gewalttätigen Mannes das ebenso klischeehafte,
idealisierende Bild der friedfertigen, aufbauenden
Frau gegenübergestellt wird. Sexistische Stereotypen
dienen nicht dem Frieden, sondern verschärfen bereits
bestehende Konflikte zwischen den Geschlechtern.
Lassen sie mich wenige Beispiele ( aus den Texten der
website entnommen ) anführen, um meine Kritik zu
konkretisieren :
"Auch bei Friedensgesprächen verhandeln und
entscheiden immer noch weit mehr warlords als
peacequeens über neue politische Strukturen,
Wiederaufbau und Sicherheit."
"...weil Frauen für den Frieden handeln, wenn Männer
über Frieden reden."
"...weil Friedensfrauen effektiver sind als
Kriegsherren."
"Es sind die Frauen, die Opfer der Kriege sind. Es
sind Frauen, die die Toten beweinen, sie sind die
Überlebenden, die mit Nachdruck zum friedlichen
Aufbruch drängen."
Wie soll der letzte Satz verstanden werden ? Ist der
männliche Soldat, der zum Kriegsdienst gezwungen wurde
und von einer Granate zerrissen wurde etwa kein Opfer
? Ist die Frau schützenswerter als der Mann und
deshalb als Opfer bedauernswerter ? Oder ist der Mann
"selber schuld" und daher kein Opfer, da er aufgrund
seiner biologischen Eigenschaft "männlich" ein
notorischer Gewalttäter ist?
Es liessen sich noch etliche weitere Beispiele für
sexistische Stereotypen aus den Texten der Website
entnehmen. Die an sich gute Idee, die "alltägliche
kleine Friedensarbeit", die kaum wahrgenommen wird, zu
würdigen, wird durch die sexistisch diskriminierende
Sprache entwertet. Diese Sprache, die weibliches
idealisiert und männliches dämonisiert ist zwar
heutzutage weitverbreitet, eine Berechtigung ist das
allerdings nicht.
Ich würde mich freuen, wenn sie über meine Kritik
ernsthaft nachdenken würden.
Und die Antwort:
Sehr geehrter Herr xxx
Vielen Dank für Ihr Mail vom 4. Februar und Ihre inhaltliche
Auseinandersetzung mit unserer Website. Ich gehe hiermit gerne näher
auf
Ihre Kritik ein, distanziere mich jedoch von Ihrer Unterstellung, dass
wir
eine eine sexistisch diskriminierende Sprache gewählt haben, die
weibliches
idealisert und männliches dämonisiert.
Wir haben nicht die Absicht, den Mann als kriegerisch und gewalttätig
darzustellen, das tut er selbst. Es ist auch nicht unser Ziel
Stereotypen zu
verschärfen, das erledigen leider die Statistiken. Wir wollen einmal
ein
anderes Zeichen setzen, deshalb ist dieses Projekt auch kein
Gender-Projekt,
sondern ein Frauen-Projekt und konzentriert sich auf die
Sichtbarmachung der
vielfältigen Arbeit für die Menschliche Sicherheit von Tausenden von
Frauen
weltweit. Diese Frauen arbeiten nicht allein, sie sind in Netzwerken
verbunden, zu denen auch viele Männer gehören.
Es ist leider eine Tatsache, dass politische Friedensverträge von
Männern
gemacht werden, exemplarisch dafür steht das Dayton-Abkommen. Auch
finden
Sie an vielen Friedensverhandlungstischen immer noch mehr ehemalige
Kriegsherren als überhaupt Frauen. Ich gebe Ihnen Recht, es tönt zwar
etwas
saloppe von "Warlord" und "Peacequeen" zu sprechen, ändert jedoch
nichts an
der Tatsache. Der Warlord ist einfach ein viel gängigerer Begriff als
die
Peacequeen.
Ihre beiden erwähnten Zitate "..." sind Zitate von Personen, die das
Projekt unterstützen. In diesen beiden Fällen sind es Männer (Professor
Walter Kälin und der Regisseur Markus Imhoof).
Sie schreiben weiter: Frauen sind Opfer von Kriegen. Es gibt keine
geschlechtsneutrale Gewalt. Massenvergewaltigung von Mädchen und Frauen
ist
ein Kriegsstrategie und annerkanntes Kriegsverbrechen. Damit verneinen
wir
nicht, dass auch Männer Opfer von Kriegen sind, ob als
zwangerekrutierter
(Kinder-) Soldat oder Opfer von Vergewaltigung, das ist aber nicht
Thema
dieses Projektes. Wichtig ist der zweite Teil des Satzes, dass nämlich
Frauen, die überlebt haben, zu einem friedlichen Aufbruch drängen.
Viele der
nominierten Friedensfrauen, die in Nachkriegsgesellschaften arbeiten,
suchen
auch ihre männlichen Angehörigenarbeiten, lehren ihren Kindern und
Waisen
gewaltfreie Konfliktbearbeitung, dokumentieren
Menschenrechtsverletzungen,
decken Machtmissbrauch auf.
Eine Erfahrung zeigt, dass dort, wo Frauen sich sicher fühlen, auch
Männer
und Kinder sicher sind.
Es geht doch letztlich darum, alle Menschen zu ermutigen, sich gegen
Gewalt
und für Menschliche Sicherheit einzusetzen, die alltägliche grossartige
Friedensarbeit. Wir haben bisher sehr positive Unterstützung für dieses
Projekt erhalten. Ich würde mich freuen, wenn Sie sich auch dazu zählen
würden.
Mit freundlichen Grüssen
Maren Haartje
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Projekt Managerin
Koordinatorin für Westeuropa
1000 Frauen für den Friedensnobelpreis 2005
gesamter Thread:
- 1000 Friedensnobelpreise für Frauen. Mein Brief und die Antwort -
Scipio Africanus,
08.02.2005, 20:37
- Re: verraeterisch -
reinecke54,
08.02.2005, 20:47
- Re: verraeterisch - Scipio Africanus, 08.02.2005, 23:11
- Re: 1000 Friedensnobelpreise für Frauen. Mein Brief und die Antwort - Paul, 08.02.2005, 20:56
- Re: 1000 Friedensnobelpreise für Frauen. Mein Brief und die Antwort - Jeremin, 08.02.2005, 22:46
- Mein Gott macht Ideologie blind - da fehlen einem die Worte. - Magnus, 09.02.2005, 00:40
- Ich nominiere . - Garp, 09.02.2005, 02:40
- Re: 1000 Friedensnobelpreise für Frauen. Mein Brief und die Antwort - Garfield, 09.02.2005, 12:21
- Re: 1000 Friedensnobelpreise für Frauen. Mein Brief und die Antwort - Sam, 09.02.2005, 19:42
- Re: verraeterisch -
reinecke54,
08.02.2005, 20:47