Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Parallelen

ein weiterer Andreas, Monday, 10.01.2005, 18:06 (vor 7695 Tagen) @ Nikos

Als Antwort auf: Parallelen von Nikos am 10. Januar 2005 14:32:58:

Moin Nikos,

was Du ansprichts ist ein sehr weites Feld.

Es gibt eine geschichts-philosophische Schule, die die Menschheitsgeschichte abweichend von der herrschenden Sichtweise (zB Hegel) nicht als stetig fortschreitende Höherentwicklung, sondern als Abfolge in sich abgeschlossener Hochkulturen interpretiert. Das ist die sogenannte kulturzyklische Sicht.

Nach deren Sicht handelt es sich beispielsweise bei der Geschichte im europäischen Umfeld nicht um eine aufeinander aufbauende Entwicklung vom pharaonischen Ägypten über die griechisch-römische Antike hin zum Abendland, sondern um eine rein zufällige geografische Nähe dieser Kulturen und mehr nicht. Überliefert werden einige äußere Formen, nicht aber das innere kulturtragende Grundverständnis.

Die Kulturzykler vergleichen die verschiedenen Kulturen nicht nach der absoluten historischen Zeit, sondern nach deren innerer Uhr. So ist nach deren Sicht beispielsweise der Alexanderzug der griech.-röm. Antike gleichzeitig zu Napoleons Eroberung Europas, da sie das Entwicklungsstadium der griech.-röm. Antik um 350 v. Chr. in den abendländischen Zuständen um ca. 1800 n. Chr. wieder erkennen.

Der herausragendste Vertreter der Kulturzykler ist Oswald Spengler mit seinem Hauptwerk Der Untergang des Abendlandes. Dieser erkennt den Feminismus als eines der Niedergangssymptome einer sich zersetzenden Gesellschaft in den jeweils späten,d.h. untergangs-nahen, Phasen aller Kulturen wieder.

http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3406441963/qid=1105368190/sr=1-4/ref=sr_1_11_4/02...

Spenglers Hauptwerk, 1917 geschrieben, wurde zu einem der meistgelesenen Bücher der Weimarer Republik. Spengler war als traditionalistischer, wilhelminischer Denker einer der geistigen Haupttodesgräber der Weimarer Republik. Obwohl er stets auf die Unvereinbarkeit seiner Lehre mit dem aufkommenden Nationalsozialismus hinwies, explizit wegen der Einstellung zur Judenfrage, war er doch nach der Machtergreifung anfänglich auf der Seite des Dritten Reiches. Ein Treffen mit Hitler anfang der 30er Jahre, bei dem es darum ging, Spengler als außenpolitischen Berater zu gewinnen endete im Eklat.

Als Spengler sich - wiederum im Hinblick auf die NS-Einstellung zur Judenfrage - über Jahre hinweg weigerte, die ihm von Goebbels angediente Professur anzutreten oder auf dem deutschen Tag von Potsdam als Redner aufzutreten, erhielt er schließlich Rede- und Publikationsverbot.

Spengler starb 1936 an einem Nierenleiden.

Gruß

Andreas


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