Die Mordernisierung des Sexuellen - und was das alles gekostet hat
Nick, Tuesday, 28.12.2004, 11:55 (vor 7709 Tagen)
Der Stadtmensch hat bei Max & Moni ein Buch vorgestellt. Klappentext:
"Das neue DerDieDas - Über die Modernisierung des Sexuellen"
Der Hamburger Sexualwissenschaftler Gunter Schmidt veröffentlichte 1986 ein Buch "Das große Der Die Das", in dem er sexuelle Einstellungen und sexuelles Verhalten in den modernen westlichen Industriegesellschaften bilanzierte. Nun zieht er nach 18 Jahren erneut eine aktuelle Bilanz, die man kurz so zusammenfassen könnte: Alles ist erlaubt, aber es geschieht nach Regeln und unterliegt einer "Verhandlungsmoral": Sexuelle Handlungen sind dann erlaubt, wenn sie von beiden Partnern ausgehandelt sind. Das neue Ideal der Geschlechterbeziehung sei die "intimate citizenship", "in der gleichberechtigte Individuen 'Intimität' selbstbestimmt, aber die Grenzen anderer achtend, leben und regeln". Darauf beruhe auch die neue Selbstverständlichkeit, mit der gleichgeschlechtliche Partnerschaften heute gesehen werden. Nach Untersuchungen von Schmidt gilt diese Moral schon unter Jugendlichen. Auch wenn sie weit früher als noch vor einigen Jahrzehnten sexuell aktiv werden, würden sie sich doch verantwortungsbewusst verhalten.
Wie das Beziehungsleben wurde Schmidt zufolge auch die Sexualität in den letzten Jahrzehnten psychologisiert. Da Beziehungen zwischen Mann und Frau zunehmend freigesetzt werden von der Aufgabe, die materielle Grundlage für eine gemeinsame Kinderaufzucht zu bieten, sollen sie heute nur noch dem seelischen und auch sexuellen Wohlbefinden der Partner dienen. Anders als zu Freuds Zeiten werde daher Sexualität nicht mehr als Mittel zur Triebabfuhr angesehen, sondern als eine Möglichkeit, Gefühle zwischen Menschen auszudrücken.
Schmidt verortet den Wandel der Sexualität in globalen Prozessen der Wandlung in den Industriegesellschaften. In diesen Gesellschaften kennen die äußeren Möglichkeiten, Bedürfnisse zu befriedigen, kaum noch Grenzen. Von den Menschen wird geradezu gefordert, Bedürfnisse zu haben und als Konsumenten auszuleben. Dem werde auch die Sexualität unterworfen: Das Bedürfnis darf nicht versiegen, und wenn es versiegt, gilt dies als Leiden. Sex diene in der Erlebniskultur dazu, Erregungen und Empfindungen zu suchen und einzusammeln. Die alte Metapher vom mächtigen Trieb habe als Metapher der Sexualität ausgedient. An ihre Stelle setzt Schmidt die Metapher des designten Verlangens.
Gunter Schmidt
Das neue Der Die Das
Über die Modernisierung des Sexuellen
Psychosozial-Verlag, Gießen 2004
ISBN 3-89806-311-9
16,00 Euro
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Nick sagt dazu:
Zitat: "Da Beziehungen zwischen Mann und Frau zunehmend freigesetzt werden von der Aufgabe, die materielle Grundlage für eine gemeinsame Kinderaufzucht zu bieten, sollen sie heute nur noch dem seelischen und auch sexuellen Wohlbefinden der Partner dienen."
So, so. "Sollen sie"...
Tun sie aber nicht. Komisch, oder?
Ob da vielleicht wieder mal am Prinzip was verkehrt ist?
Zuerst und sowieso und überhaupt: wozu braucht's eigentlich Kinderaufzucht?
Reicht doch, daß man selber aufgezogen wurde... und ein Peter Pan geblieben ist.
Sexuelle Befreiung hieß das alles mal. Und genau das ist es ja auch geworden - die Befreiung von der Sexualität nämlich.
Die gibt es jetzt nämlich nur noch auf dem Freien Markt. Als Ware. Zu ortsübliche Preisen. Nach Angebot und Nachfrage.
Umsonst ist da nichts mehr - schließlich hat man ja nichts zu verschenken auf einem Freien Markt.
So stöhnt man denn über die viel zu hohen Preise - und darüber, daß man sich nicht mehr leisten kann, was früher mal Liebe hieß.
Da wollte man "die Freiheit", hat dafür sogar alles eingerissen, was man vorfand - und hat nun den Freien Markt dafür bekommen.
Jetzt merkt man auf einmal und wundert sich, daß alles, was früher mal umsonst war, heute was kostet.
Daß es sogar ausgesprochen teuer geworden ist. Eigentlich unbezahlbar.
Echt geil! Wirklich! Ein echter Sieg eben, ein Fortschritt. Es geht ja bekanntlich immer nur nach vorne...
Die Verpflichtung zur Rechtfertigung dafür liegt bei den Apologeten der Sexuellen Revolution.
Eure leuchtenden Versprechungen sind zu ihrem eigenen Gegenteil mutiet. Warum? Woran liegt das?
Die Liebe habt ihr abgeschafft: "kleinbürgerlich und unfrei" sei das! Was habt ihr stattdessen hervorgebracht?
"In [den Industriegesellschaften] kennen die äußeren Möglichkeiten, Bedürfnisse zu befriedigen, kaum noch Grenzen. Von den Menschen wird geradezu gefordert, Bedürfnisse zu haben und als Konsumenten auszuleben. Dem werde auch die Sexualität unterworfen: Das Bedürfnis darf nicht versiegen, und wenn es versiegt, gilt dies als Leiden. Sex diene in der Erlebniskultur dazu, Erregungen und Empfindungen zu suchen und einzusammeln. Die alte Metapher vom mächtigen Trieb habe als Metapher der Sexualität ausgedient. An ihre Stelle setzt Schmidt die Metapher des designten Verlangens."
"Designtes Verlangen". So ist es wohl. Die Gesellschaft bestimmt, was mir gefällt.
Das ist also mit "Freiheit" gemeint? Faszinierend!
Das kommt eben davon, wenn man sich von Anderen "befreien" läßt.
Brave Sklaven haben allerdings noch stets ihre Sklaverei bejubelt.
Immerhin darf man ja hoffen, daß sie manchmal auch ein wenig abwirft.
Es wäre lohnend, sehr sorgfältig über die Bedeutung von "Freiheit" nachzudenken.
Aber möglicherweise denkt der Mensch ja nur, daß er denken könne?
Vielleicht tut er in Wahrheit meistens viel lieber das, was man ihm sagt?
Die Arroganz eines Sklaven besteht nicht darin, daß er stolz wäre auf sich selbst.
Der Sklave ist stolz auf seinen Gebieter! Er selbst, weiß er, ist hilflos ohne dessen "Slogans für Alle".
Deswegen haben sie auch für alle zu gelten. So entstehen Moden und Ideologien.
Und koste es ihn auch sein Leben: nie wird der Sklave seinem Herrn zu widersprechen wagen!
Die Stabilität jeder Sklaverei beruht darauf, daß sie von den Sklaven verteidigt wird.
Dafür darf der Sklave "Erregungen und Empfindungen einsammeln".
Sogar zum Sonderpreis. Täglich neu. Als freier Marktteilnehmer.
Ganz einsam - und nur solange er bezahlen kann, natürlich.
Gratulation!
Sagt der Nick
(bekanntermaßen "sexualfeindlicher Klerikalfaschist"
)
P.S.: Der Inhalt der heutigen "Geistes"-"Wissenschaft" scheint es übrigens geworden zu sein, sich selbst beim Verrücktwerden sorgfältig zuzuschauen.
mein Senf
ein weiterer Andreas, Tuesday, 28.12.2004, 12:32 (vor 7709 Tagen) @ Nick
Als Antwort auf: Die Mordernisierung des Sexuellen - und was das alles gekostet hat von Nick am 28. Dezember 2004 09:55:53:
Der Hamburger Sexualwissenschaftler Gunter Schmidt veröffentlichte 1986 ein Buch "Das große Der Die Das",
Merkwürdiger Titel. Da klingt schon die Neigung zur Phraseologie heraus.
Alles ist erlaubt, aber es geschieht nach Regeln und unterliegt einer "Verhandlungsmoral":
Ein Widerspruch in sich selbst. Moral gebietet.
Sexuelle Handlungen sind dann erlaubt, wenn sie von beiden Partnern ausgehandelt sind.
Aha. "Ausgehandelt"! Wie hat man sich das vorzustellen? Als Basar? Ich vermute, er meint nur Übereinstimmung/Konsens und braucht "ausgehandelt" um ein bißchen marktliberales Wortgeklingel, das derzeit ja so Furore macht, einzustreuen. Macht sich so besser.
Das neue Ideal der Geschlechterbeziehung sei die "intimate citizenship",
Und jetzt köstlichstes Denglisch. Intime Bürgerschaft. Kann sich auf der Zunge zergehen lassen, wer Zeit und Muße dazu hat. Ich rate dringend ab. Es wird nichts dabei heraus zu bekommen sein.
"in der gleichberechtigte Individuen 'Intimität' selbstbestimmt, aber die Grenzen anderer achtend, leben und regeln".
Schön wie ein Kalenderspruch.
Wie das Beziehungsleben wurde Schmidt zufolge auch die Sexualität in den letzten Jahrzehnten psychologisiert. Da Beziehungen zwischen Mann und Frau zunehmend freigesetzt werden von der Aufgabe, die materielle Grundlage für eine gemeinsame Kinderaufzucht zu bieten, sollen sie heute nur noch dem seelischen und auch sexuellen Wohlbefinden der Partner dienen.
"Psychologisiert" nennt er das, wenn eine sich von den grundlegenden Lebensnotwendigkeiten sich verabschiedende Spaßgesellschaft das Leben nur noch als Veranstaltung zu ihrer Belustigung auffaßt. Dekadenz ist es.
Anders als zu Freuds Zeiten werde daher Sexualität nicht mehr als Mittel zur Triebabfuhr angesehen, sondern als eine Möglichkeit, Gefühle zwischen Menschen auszudrücken.
Daß Freud nicht so primitiv war wie hier wiedergegeben unterstelle ich, ohne ihn gelesen zu haben. Hier wird die eigentliche Zielrichtung deutlich: die Freud'schen Erkenntnisse bezüglich der Sexualität und des Geschlechterverhältnisses sollen diskreditiert werden, da sie dem nach maximaler Beliebigkeit strebenden Zeitgeist nicht mehr in den Kram passen. Dafür "forscht" offenbar Schmidt. Man beachte, daß seine Vorstellung von Beliebigkeit, die er aus seinen Erhebungen herausgeforscht haben will, seinerseits aber wieder als "psychologisiert" bezeichnet (einen Absatz höher).
Es geht um eine Umwertung der Psychologie weg den ihren traditionellen Sichtweisen (Freud) hin zu einem zeitgeistfreundlichen Konstrukt, dass dann Sachen wie das Geschlecht als soziales, anstatt als biologisches Konstrukt etc. möglich machen soll.
Köstlich ist jedoch noch dieser Ausdruck: "designtes Verlangen". Ein richtiges Schmankerl.
Gruß
Andreas
Verhandlungsmoral
Arne Hoffmann, Tuesday, 28.12.2004, 14:05 (vor 7709 Tagen) @ ein weiterer Andreas
Als Antwort auf: mein Senf von ein weiterer Andreas am 28. Dezember 2004 10:32:32:
Alles ist erlaubt, aber es geschieht nach Regeln und unterliegt einer "Verhandlungsmoral":
Ein Widerspruch in sich selbst. Moral gebietet.
Das ist in der Ethik sehr umstritten. Insbesondere in der Rechts- und Staatsphilosphie (Hobbes, Locke, Rousseau, Kant, Buchanan, Gauthier, Rawls) spricht man von einer "Konsensethik" - Stichwort "Gesellschaftsvertrag" und "moralische Selbstbindungen". Aber wenn ich das weiter ausführe, komme ich vom Hölzchen aufs Stöckchen.
Deshalb nur kurz zum Thema "Verhandlungsmoral" im Zusammenhang mit Sex. Das bedeutet eigentlich nur, dass zwei mündige Leute untereinander ausmachen dürfen, was sie im Bett miteinander anstellen (z. B. Fesselspiele), ohne sich danach zu richten, was die Position des Papstes oder Alice Schwarzers dazu ist.
So spricht Rolf Girndorf, der Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Sozialwissenschaftliche Sexualforschung (DGSS) von einer gewachsenen Selbstreferentialität der jungen Generation: "Unsere Arbeit in der Sexualberatung zeigt, dass in den letzten 30 Jahren ein sehr positiver Wandel eingetreten ist. Wenn heute ein Mann oder eine Frau Lust auf Sex mit irgendeinem Menschen hat, dann ist die Frage `Darf ich das?´ oder `Was sagt der Pastor dazu?´ sekundär bis nicht vorhanden. Selbstreferentiell sein heißt, sich nach den eigenen Wünschen zu richten und nicht nach dem, was andere vorgeben."
Verhandlungsmoral bedeutet natürlich einen gleichwertigen Verhandlungspartner.
Arne
Re: Verhandlungsmoral
Max, Tuesday, 28.12.2004, 14:56 (vor 7709 Tagen) @ Arne Hoffmann
Als Antwort auf: Verhandlungsmoral von Arne Hoffmann am 28. Dezember 2004 12:05:10:
Hi Arne,
Deshalb nur kurz zum Thema "Verhandlungsmoral" im Zusammenhang mit Sex. Das bedeutet eigentlich nur, dass zwei mündige Leute untereinander ausmachen dürfen, was sie im Bett miteinander anstellen (z. B. Fesselspiele), ohne sich danach zu richten, was die Position des Papstes oder Alice Schwarzers dazu ist.
...tödlich langweilig. Beim Sex gibt´s nichts auszuhandeln. Das läuft und ist gut oder es läuft nicht (gut). Wer will denn schon vorher wissen, was ihn erwartet? Sex mit Ablaufplan? - *gaehn*...
Vertrauen ist hier die Voraussetzung für alles, oder etwa nicht?
Freundlocher Gruß - Max
Re: Verhandlungsmoral
Arne Hoffmann, Tuesday, 28.12.2004, 17:39 (vor 7709 Tagen) @ Max
Als Antwort auf: Re: Verhandlungsmoral von Max am 28. Dezember 2004 12:56:15:
Hi Max,
...tödlich langweilig. Beim Sex gibt´s nichts auszuhandeln. Das läuft und ist gut oder es läuft nicht (gut). Wer will denn schon vorher wissen, was ihn erwartet? Sex mit Ablaufplan? - *gaehn*...
Vertrauen ist hier die Voraussetzung für alles, oder etwa nicht?
Klar. Vielleicht ist das Wort "verhandeln" auch zu sehr mit dem Geschäftsbereich verknüpft, als ob das Schlafzimmer ein Basar wäre. Aber gerade wenn man sich auf etwas heiklere Spiele einlässt (SM, Rollenspiele) etc., kann es schon hilfreich sein, vorher miteinander abzuklären:
- Was genau willst du eigentlich? Was will ich? Wie weit lässt sich das miteinander in Übereinkunft bringen, wenn der eine mehr auf Fesseln und der andere mehr auf Sklavenspiele steht - oder wenn beide devot sind? Was ist man bereit, dem anderen gegenüber zu machen, obwohl man es selber nicht so antörnend findet?
- Wo gibt es Grenzen, wo Tabus?
- Gibt es irgendwelche gesundheitlichen Beschwerden, die einer vom anderen kennen müsste? Ängste? Empfindlichkeiten? Lieblingsphantasien?
- Auch außerhalb von SM/Rollenspielen: Wie sieht es mit Safer Sex aus? Mit Verhütung? usw. usf.
Herzliche Grüße
Arne
Re: Verhandlungsmoral
Ekki, Wednesday, 29.12.2004, 10:17 (vor 7708 Tagen) @ Max
Als Antwort auf: Re: Verhandlungsmoral von Max am 28. Dezember 2004 12:56:15:
Hallo Max!
Habe zum selben Thema mal in einem anderen Text - die Quelle ist mir leider nicht mehr erinnerlich - sinngemäß Folgendes gelesen:
"Jeder Sexualpartner muß den anderen vor jeder Handlung um Erlaubnis bitten, z.B. 'Darf ich dich jetzt in die Arme nehmen?' "
Und genau darum geht es wohl den "Verhandlungsspezialisten": Der Sexualität jegliche Spontaneität zu nehmen und sie damit de facto total abzutöten.
Daß das in dieser Form wohl kaum umsetzbar ist, ist eine Tatsache. Die andere ist, daß auch ohne solche Exzesse spontane Sexualität bereits heute zu einem mehr als raren Gut geworden ist.
Gruß
Ekki
Re: Verhandlungsmoral
Nick, Tuesday, 28.12.2004, 16:07 (vor 7709 Tagen) @ Arne Hoffmann
Als Antwort auf: Verhandlungsmoral von Arne Hoffmann am 28. Dezember 2004 12:05:10:
"Wenn heute ein Mann oder eine Frau Lust auf Sex mit irgendeinem Menschen hat, dann ist die Frage `Darf ich das?´ oder `Was sagt der Pastor dazu?´ sekundär bis nicht vorhanden. Selbstreferentiell sein heißt, sich nach den eigenen Wünschen zu richten und nicht nach dem, was andere vorgeben."
Vom 'Dürfen' war ja nicht die Rede gewesen, Arne, sondern von dem, was dabei herauskommt.
Die (bürgerliche) Idee, über alles, selbst über Ethik zu verhandeln, ging nur solange gut, wie die absoluten, unverhandelbaren Grundlagen derselben noch weitgehend bis wenigstens halbswegs Konsens waren. Auch die 'Selbstbindungen' gründeten immer auf absoluten Vorgaben. Letztere entfallen nun zusehends - und das geht nicht gut.
Heute wird über Unverhandelbares verhandelt. Auch das 'darf' man - definitionsgemäß, weil man ja alles darf, wenn man auch das so aushandelt. Aber dann passiert eben auch wirklich alles. Die Frage ist also garnicht, ob man das 'darf' (diese Frage ist eigentlich urkomisch), sondern ob ein selbstreferenzieller Mensch, also einer, der sich nur auf sich selbst bezieht, damit frei und glücklich werden kann - denn das war das Versprechen - oder ob er sich wie ein Narr verhält. Ich bejahe letzteres (ohne dem Narren dadurch irgendein 'Recht' zu beschneiden). Und die Gegenwart belegt meine Ansicht. Wir reden hier schließlich dauernd darüber.
Man muß unterscheiden zwischen dem, was 'irgendwelche Leute' (z.B. Alice Schwarzer) vorgeben, und dem, was dem Menschen tatsächlich als sein Maß vorgegeben ist.
Sonst erlebt man, wie "Freiheit" zur Sklaverei wird. Genau davon war die Rede.
Gruß vom
Nick
Re: Die Mordernisierung des Sexuellen - und was das alles gekostet hat
ein weiterer Andreas, Tuesday, 28.12.2004, 12:41 (vor 7709 Tagen) @ Nick
Als Antwort auf: Die Mordernisierung des Sexuellen - und was das alles gekostet hat von Nick am 28. Dezember 2004 09:55:53:
Sexuelle Befreiung hieß das alles mal. Und genau das ist es ja auch geworden - die Befreiung von der Sexualität nämlich.
Die gibt es jetzt nämlich nur noch auf dem Freien Markt. Als Ware. Zu ortsübliche Preisen. Nach Angebot und Nachfrage.
Umsonst ist da nichts mehr - schließlich hat man ja nichts zu verschenken auf einem Freien Markt.
So stöhnt man denn über die viel zu hohen Preise - und darüber, daß man sich nicht mehr leisten kann, was früher mal Liebe hieß.
Das Thema hat Houellebecqu in seiner "Ausweitung der Kampfzone" romanhaft dargestellt. Der Markt (=Kampfzone) erfaßt durch die Aufhebung der traditionellen gesellschaftlichen Partnerwahlregeln (= "sexuelle Befreiung") die Bereiche Liebe und Sexualität. Der Marktliberalismus/Thatcherismus führt hier wie schon in der Wirtschaft zu einer krassen Ungleichverteilung der Ressourcen. Protzenhafter Reichtum und sexueller Überfluß bei wenigen, Einkommen am Existenzminimum und sexuelle Verkümmerung bei vielen.
Gruß
Andreas
Re: Die Mordernisierung des Sexuellen - und was das alles gekostet hat
Paul, Tuesday, 28.12.2004, 19:38 (vor 7709 Tagen) @ ein weiterer Andreas
Als Antwort auf: Re: Die Mordernisierung des Sexuellen - und was das alles gekostet hat von ein weiterer Andreas am 28. Dezember 2004 10:41:55:
Sexuelle Befreiung hieß das alles mal. Und genau das ist es ja auch geworden - die Befreiung von der Sexualität nämlich.
Die gibt es jetzt nämlich nur noch auf dem Freien Markt. Als Ware. Zu ortsübliche Preisen. Nach Angebot und Nachfrage.
Umsonst ist da nichts mehr - schließlich hat man ja nichts zu verschenken auf einem Freien Markt.
So stöhnt man denn über die viel zu hohen Preise - und darüber, daß man sich nicht mehr leisten kann, was früher mal Liebe hieß.
Das Thema hat Houellebecqu in seiner "Ausweitung der Kampfzone" romanhaft dargestellt. Der Markt (=Kampfzone) erfaßt durch die Aufhebung der traditionellen gesellschaftlichen Partnerwahlregeln (= "sexuelle Befreiung") die Bereiche Liebe und Sexualität. Der Marktliberalismus/Thatcherismus führt hier wie schon in der Wirtschaft zu einer krassen Ungleichverteilung der Ressourcen. Protzenhafter Reichtum und sexueller Überfluß bei wenigen, Einkommen am Existenzminimum und sexuelle Verkümmerung bei vielen.
Gruß
Andreas
Diese Ungleichverteilung von Vermögen ist übrigens typisch für alle freien Märkte und auch unter dem Namen "Pareto-Prinzip" oder "80/20-Regel" bekannt: Bei einem vollständig deregulierten Markt stellt sich ein Zustand ein, bei dem 20% der Bevölkerung 80% des Gesamtvermögens besitzen und die restlichen 80% nur noch 20% des Gesamtvermögens. Interssant ist, dass sich diese Aufteilung offenbar rekursiver Natur ist, d.h. nimmst Du die oberen 20% und schlüsselst die wieder auf, findest Du hier wieder die 80/20-Verteilung. Zumindest ist das bei allen "lagerfähigen" Resourcen so, bei Sex wirds natürlich sehr schwierig. Aber es geht in die Richtung...
Wobei man speziell bei der Wirtschaft dagen muss, dass alle Versuche, diese Ungleichverteilung durch Umverteilung zu beseitigen, oft zu grösseren Problemen führen. M.E. ist das deswegen nicht unbedingt sinnvoll. Sinnvoll ist aber durchaus, am unteren Ende der Range regulierend einzugreifen, ursprünglich war das ja auch die Idee hinter der sozialen Marktwirtschaft.
Aber zurück zum Thema Paretoprinzip und Geschlechterkampf: Ist es nicht eine Ironie der Geschichte, daß die "sexuelle Revolution" ihren Anfang ausgerechnet in der "linken Ecke" nahm? Denn die sexuelle Revolution kann - hier stimme mit Houllebecq überein - durchaus als nichts andere verstanden werden als eine Deregulierung des Partnermarktes, etwas, was konzeptionell dort ("links") eigentlich nichts zu suchen hat. Umgekehrt assoziert man mit dem rechten Teil des politischen Spektrums - der eher marktliberalistischen Ideen aufgeschlossen ist - eine wesentlich rigidere Sexualmoral.
Was steckt dahinter? Ist es eine Art von Kompensation? Berichten ehemaliger DDR-Bürger zufolge gab es im Osten ja angeblich eine wesentlich grössere sexuelle Freizügigkeit als hierzulande. Und andererseits sind die Länder, in denen marktliberalistische Ideen im Bereich Wirtschaft am weitesten umgesetzt sind - USA und Grossbritannien - diejenigen mit einer eher rigiden Sexualmoral. Zufall?
Gruss,
Paul
Re: Die Mordernisierung des Sexuellen - und was das alles gekostet hat
Garfield, Tuesday, 28.12.2004, 20:40 (vor 7709 Tagen) @ Paul
Als Antwort auf: Re: Die Mordernisierung des Sexuellen - und was das alles gekostet hat von Paul am 28. Dezember 2004 17:38:56:
Hallo Paul!
"Was steckt dahinter? Ist es eine Art von Kompensation? Berichten ehemaliger DDR-Bürger zufolge gab es im Osten ja angeblich eine wesentlich grössere sexuelle Freizügigkeit als hierzulande. Und andererseits sind die Länder, in denen marktliberalistische Ideen im Bereich Wirtschaft am weitesten umgesetzt sind - USA und Grossbritannien - diejenigen mit einer eher rigiden Sexualmoral. Zufall?"
Ich weiß nicht, ob es in der DDR wirklich sexuell freizügiger zuging. FKK war dort weiter verbreitet als im Westen. Das lag daran, daß die SED-Führung so etwas zwar eher als unmoralisch betrachtete, es aber trotzdem nicht zum großen Thema machte. Irgendetwas mußte man den Menschen ja gönnen, und da FKK der marxistisch-leninistischen Ideologie zumindest nicht widersprach, wurde es eben schließlich geduldet.
Daß sich FKK im Westen weniger durchgesetzt hat, lag wohl vor allem daran, daß man so etwas ja üblicherweise an Stränden und ähnlichen Orten praktiziert, und zwar bei gutem Wetter. An solchen Orten sammeln sich zu solchen Zeiten viele Menschen, und so siedeln sich dort immer auch diverse Unternehmen an, weil sie dort genügend Kunden vorfinden.
Nun gibt es ja immer prüde Zeitgenossen, die FKK ganz furchtbar und unmoralisch finden. Das war in der DDR genauso. Nur dort wurden die einfach ignoriert. Im Westen fürchteten aber die Geschäftsleute, daß ihnen durch FKK-Anhänger womöglich Kunden verloren gehen, und so machten sie immer Druck auf die Behörden, um dem ein Ende zu bereiten. Nach der Wiedervereinigung wurde das im Osten auch so durchgezogen. Üblicherweise sah das dann so aus, daß die besten Strandabschnitte zu Textilbereichen erklärt wurden. Ganz zufällig waren das auch meist die Abschnitte, an denen sich Hotels und ähnliche Einrichtungen befanden. Die FKK-Anhänger wurden offiziell auf die abgelegenen und steinigen Strandabschnitte verbannt. Viele hielten sich aber nicht daran, vor allem, wenn sie in der DDR schon jahrzehntelang FKK praktiziert hatten. Die Polizei versuchte dann massiv, das Nacktbade-Verbot durchzusetzen. Anfang der 1990er Jahre gab es dazu im Osten ständig Schlagzeilen in der "BILD", wo dann von einem "Höschenkrieg" die Rede war.
Aber FKK hat ja eigentlich wenig mit Sex zu tun. Eine Frau, die damit reichlich Erfahrung hatte, erzählte mir mal, daß sich an Textilstränden weitaus eher sexuelle Abenteuer ergeben als an FKK-Stränden.
In direkt sexueller Hinsicht ging es in der DDR gar nicht so viel freizügiger zu. Ich glaube, da gab es keinen wesentlichen Unterschied. Es gab und gibt immer Menschen, die gern mal fremdgehen. Das war schon immer so und wird auch so bleiben.
Ich könnte mir allerdings vorstellen, daß in Ländern wie den USA die Frauen vielleicht weniger zu Scheidungen neigen. Weil sie da im Falle der -Scheidung wohl nicht so gut versorgt sind wie hierzulande. Und wenn eine Frau sich nicht scheiden lassen möchte, wird sie wohl kaum daran interessiert sein, einen Seitensprung publik zu machen. Außerdem gilt da doch - soviel ich weiß - auch noch das Schuldprinzip.
Ich glaube jedenfalls nicht, daß die Menschen in den USA oder in Großbritannien treuer sind. Da wird genauso fremdgegangen, nur hält man es da öfter geheim als hier.
Freundliche Grüße
von Garfield
Re: Die Mordernisierung des Sexuellen - und was das alles gekostet hat
ein weiterer Andreas, Tuesday, 28.12.2004, 21:59 (vor 7709 Tagen) @ Paul
Als Antwort auf: Re: Die Mordernisierung des Sexuellen - und was das alles gekostet hat von Paul am 28. Dezember 2004 17:38:56:
Diese Ungleichverteilung von Vermögen ist übrigens typisch für alle freien Märkte und auch unter dem Namen "Pareto-Prinzip" oder "80/20-Regel" bekannt ...
Das Pareto-Prinzip ist aber etwas anderes. Als Pareto-optimal gilt bei gegebener Ausgangsverteilung der Güter ein durch Tausch erfolgter Endzustand, bei dem kein Individuum noch besser gestellt werden kann, ohne ein anderes schlechter zustellen. Grundlage ist hierfür, daß die Individuen für die einzelnen Güter unterschiedliche Nutzenpräferenzen haben. Der eine hat im Ausgangszustand viel Brot, und wenig Äpfel, hat aber einen großen subjektiv empfundenen Nutzen aus Äpfelverzehr und nur einen sehr geringen aus Brotverzehr. Beim anderen mag es genau umgekehrt sein. Er hat im Ausgangszustand viele Äpfel und wenig Brot, aber eine große Präferenz zu Brot und eine geringe zu Äpfeln. Wenn beide tauschen, eine gewiße Anzahl Brot gegen Äpfel, stehen sie nachher gemessen an ihren jeweiligen Präferenzen beide besser da. Der optimale Zustand heißt "Pareto-Optimum."
Die Allokationstheorie hat nachgewiesen, daß bei vollkommenem Wettbewerb (keine Markteintrittsbarrieren, vollkommene Information aller Marktteilnehmer etc. pp.) jedes Wettbewerbsgleichgewicht (Angebot = Nachfrage) ein Pareto-Optimum ist und umgekehrt jedes Pareto-Optimum über den Wettbewerb zu erreichen ist.
Der Haken an der Sache liegt in der Willkürlichkeit der Ausgangsverteilung. Das Pareto-Optimum, dass durch Wettbewerb erreicht wird ist abhängig von der Ausgangsverteilung der Güter. D.h. es gibt so viele Pareto-Optima wie Ausgangsverteilungen. Wenn ein Bettler und ein Millionär etwas zu tauschen beginnen, dann endet das in einem Endzustand, der zwar noch fast genau einseitig in der Güterverteilung ist wie der Ausgangszustand, aber dennoch ein Pareto-Optimum darstellt. Der Wert der Pareto-Sichtweise ist also ein sehr begrenzter, da relativer. Die Pareto-Überlegung ist sozial blind
Unabhängig davon stimme ich Dir aber zu Deinen 80/20-Aussagen inhaltlich zu. Das sehe ich genauso.
Wobei man speziell bei der Wirtschaft dagen muss, dass alle Versuche, diese Ungleichverteilung durch Umverteilung zu beseitigen, oft zu grösseren Problemen führen. M.E. ist das deswegen nicht unbedingt sinnvoll. Sinnvoll ist aber durchaus, am unteren Ende der Range regulierend einzugreifen, ursprünglich war das ja auch die Idee hinter der sozialen Marktwirtschaft.
Ja. Genau da ist die Schwierigkeit. Und da genau setzt die wohltuende regulierende Kraft eines gesamtgesellschaftlichen Grundkonsenses ein, der das, was der Wettbewerb aufgrund seiner sozialen Blindheit nicht zu bewerkstelligen in der Lage ist, schafft: sozialer Ausgleich im Sinne einer gesamtgesellschaftlichen Einbindung ansonsten egoistischer auseinanderstrebender Partikularinteressen. Das Rußland der Nach-Sowjet-Ära leidet am Mangel an einer solchen Gemeinschaftsidee. Deshalb gibt es dort die Abramoviche auf der einen Seite und die Armenheere auf der anderen. Bei uns ist diese Gemeinschaftsidee dabei sich aufzulösen, bzw. an Bindungskraft zu verlieren - und das auf allen gesellschaftlichen Ebenen, nicht nur in der Wirtschaft und im Geschlechterverhältnis.
Aber zurück zum Thema Paretoprinzip und Geschlechterkampf: Ist es nicht eine Ironie der Geschichte, daß die "sexuelle Revolution" ihren Anfang ausgerechnet in der "linken Ecke" nahm? Denn die sexuelle Revolution kann - hier stimme mit Houllebecq überein - durchaus als nichts andere verstanden werden als eine Deregulierung des Partnermarktes, etwas, was konzeptionell dort ("links") eigentlich nichts zu suchen hat.
Ja vollkommen kurios. Auf dem Gebiet des Geschlechterverhältnisses betätigen sich die Linken de facto als Radikal-Thatcheristen wohingegen kulturkonservative Kreise wie beispielsweise die katholische Kirche de facto als Sozialisten aggieren. Ball paradox.
Umgekehrt assoziert man mit dem rechten Teil des politischen Spektrums - der eher marktliberalistischen Ideen aufgeschlossen ist - eine wesentlich rigidere Sexualmoral.
Da hat aber schon Theodor von Hayek, der geistige Mentor von Frau Thatcher darauf hingewiesen ("Verfassung der Freiheit"), daß die Liberalität im seinen Sinne nichts mit Wertkonservativität zu tun habe. Der Liberale will die Kräfte entfesseln, da er aus dem freien Spiel die maximale Segenswirkung erwartet. Der Konservative will an bewährten, traditionellen Verfahrensweisen festhalten. Das ist durchaus ein Gegensatz. Daß die Konservativen Parteien in Europa liberale Position verfechten - jedenfalls auf dem Wirtschafts- und Sozialpolitik - zeigt, daß es keinen Konservativismus mehr gibt. In den 80er Jahren war Labour sozialistisch und die Torries liberal, Konservatismus gab's in England gar nicht mehr. Bei uns waren während der Kohl-Ära SPD und CDU sozialistisch. Jetzt ist die SPD liberal geworden, die CDU hinkt hinterher und die FDP hat das Problem, wie sie unter lauter liberalen überhaupt noch ein Profil behalten soll. Lafontaine und die CSU wollen sozialistisch bleiben.
Was steckt dahinter? Ist es eine Art von Kompensation? Berichten ehemaliger DDR-Bürger zufolge gab es im Osten ja angeblich eine wesentlich grössere sexuelle Freizügigkeit als hierzulande.
Kann ich mangels Erfahrung nix zu sagen. Würde aber durchaus ins Bild passen.
< Und andererseits sind die Länder, in denen marktliberalistische Ideen im Bereich Wirtschaft am weitesten umgesetzt sind - USA und Grossbritannien - diejenigen mit einer eher rigiden Sexualmoral. Zufall?
Das stimmt ganz und gar nicht. Die Engländer sind weitaus kopulationsfreundlicher als die Deutschen. Da ist ein Swingen und Bettenhüpfen, von dem sich der Kontinentaleuropäer gar keine rechte Vorstellung macht. Nichts ist falscher als der Slogan no sex, we're british. Das Gerücht ist wahrscheinlich mit Blick auf die vergangene viktorianische Oberschicht entstanden. Mit dem heutigen England hat das gar nichts zu tun.
Bei den Amerikanern ist es ganz ähnlich! Die Sex- und Porno-Feindlichkeit in der öffentlichen Debatte und in den Medien steht in krassem Gegensatz zur zwangslos, sich verschwendenden Sexualpraxis der Bevölkerung. Niemals würden die nackt oder oben ohne baden, aber im Sexualverhalten sind sie weitaus offener und experimentierfreudiger als die Deutschen. Sie haben viel Sex und unterdrücken nur das ständige Gerede und die öffentliche Darstellung desselben.
Daß das auf uns als Paradoxon wirkt hat meiner Einschätzung nach die Ursache in unserer unterentwickelten Sexualpraxis. Wir brauchen die Pornografie als Krücke, als Ersatz für den unzureichend ausgelebten Sexualwunsch. Deshalb sind bei uns an jeder Tankstelle meterweise die Zeitschriftenregale mit nacktem Fleisch gefüllt. Der Feminismus mit seiner Sexfeindlichkeit fördert so die tieferen Ursachen der Pornoneigung.
Ich habe auch immer wieder von Untersuchungen gehört, die auf einen Zusammenhang zwischen dem Maß sexueller Frustration und Neigung zu politischer Radikalität hinweisen. Das paßt ins Bild. Die klassischen angelsächsischem Demokration haben die freizügigste SexualPRAXIS.
Gruß
Andreas
Begriffverwirrung: Pareto-Prinzip, Pareto-Verteilung, Pareto-Optimum
Paul, Tuesday, 28.12.2004, 22:25 (vor 7709 Tagen) @ ein weiterer Andreas
Als Antwort auf: Re: Die Mordernisierung des Sexuellen - und was das alles gekostet hat von ein weiterer Andreas am 28. Dezember 2004 19:59:12:
Diese Ungleichverteilung von Vermögen ist übrigens typisch für alle freien Märkte und auch unter dem Namen "Pareto-Prinzip" oder "80/20-Regel" bekannt ...
Das Pareto-Prinzip ist aber etwas anderes. Als Pareto-optimal gilt bei gegebener Ausgangsverteilung der Güter ein durch Tausch erfolgter Endzustand, bei dem kein Individuum noch besser gestellt werden kann, ohne ein anderes schlechter zustellen. Grundlage ist hierfür, daß die Individuen für die einzelnen Güter unterschiedliche Nutzenpräferenzen haben. Der eine hat im Ausgangszustand viel Brot, und wenig Äpfel, hat aber einen großen subjektiv empfundenen Nutzen aus Äpfelverzehr und nur einen sehr geringen aus Brotverzehr. Beim anderen mag es genau umgekehrt sein. Er hat im Ausgangszustand viele Äpfel und wenig Brot, aber eine große Präferenz zu Brot und eine geringe zu Äpfeln. Wenn beide tauschen, eine gewiße Anzahl Brot gegen Äpfel, stehen sie nachher gemessen an ihren jeweiligen Präferenzen beide besser da. Der optimale Zustand heißt "Pareto-Optimum."[/i]
Ich glaube, da liegt eine Begriffverwirrung aufgrund des von mir vervendeten, nicht ganz eindeutigen Begriffes Pareto-"Prinzip" vor. Die 80/20-Regel ist jedenfalls auch als Pareto-Verteilung bekannt. Schau mal hier:
Pareto-Verteilung: http://de.wikipedia.org/wiki/Pareto-Verteilung
Pareto-Optimum: http://de.wikipedia.org/wiki/Pareto-Optimum
Ok, ich habe es "Pareto-Prinzip" genannt, nicht ganz richtig, ich meinte natürlich die sog. Pareto-Verteilung.
Gruss,
Paul
Re: Begriffverwirrung: Pareto-Prinzip, Pareto-Verteilung, Pareto-Optimum
ein weiterer Andreas, Tuesday, 28.12.2004, 22:40 (vor 7709 Tagen) @ Paul
Als Antwort auf: Begriffverwirrung: Pareto-Prinzip, Pareto-Verteilung, Pareto-Optimum von Paul am 28. Dezember 2004 20:25:33:
Pareto-Verteilung: http://de.wikipedia.org/wiki/Pareto-Verteilung
Pareto-Optimum: http://de.wikipedia.org/wiki/Pareto-Optimum
Aha. Ich kannte bislang nur das P.-Optimum.
Gruß
Andreas
Re: Die Mordernisierung des Sexuellen - und was das alles gekostet hat
Guildo, Wednesday, 29.12.2004, 00:04 (vor 7709 Tagen) @ Paul
Als Antwort auf: Re: Die Mordernisierung des Sexuellen - und was das alles gekostet hat von Paul am 28. Dezember 2004 17:38:56:
Pareto-Prinzip? 80/20-Regel?
Sowas ähnliches ist mir erst vor wenigen Tagen durch den Kopf gegangen.
Wenn ich mich hier mal selbst zitieren darf:
"Die Partnerwahl der Frau läßt sich an ein einfaches Schema festmachen:
Ich würde gut 70% aller Männer und Frauen als eher durchschnittlich einordnen. Dann gibt es auf jeder Seite 10% an Erfolgsmenschen (beim Mann: das "Alphamännchen", bei der Frau: die Karierrefrau, das Topmodel) und 20% an Versagern (beim Mann: arbeitslos, Alkoholiker, nicht durchsetzungsstark, bei der Frau: potthäßlich, nahezu lebensunfähig, faul). Es wäre eigentlich zu erwarten, dass jede Gruppe unter sich bleibt. Doch weit gefehlt: Frauen orientieren sich immer eine Stufe höher. Stets bemüht sich die "Durchschnittsfrau" nicht etwa um einen "Durchschnittsmann". Nein, er muß zu den "Erfolgsmenschen" gehören. Ebenso wird eine häßliche und arbeitsscheue Totalversagerin nicht einen ebensolchen Mann wählen, sondern sich dann mit dem "Durchschnittsmann" zufrieden geben. Und das "Karriereweib"? Für die bleibt nichts übrig, sie muß wohl oder übel mit Männer auf gleichen Niveauu leben oder allein bleiben. Und diese Frauen sind es dann auch, die stets jammern und weinen, dass Männer eben keine intelligenten Frauen wollen. Ganz schnell wird deutlich: Diese Rechnung kann nicht aufgehen! Die Durchschnittsmänner (80%) haben nur eine geringe Auswahl (20%) an Frauen, die bereit sind, sich mit ihnen einzulassen (und ihre Position dabei schamlos ausnutzen). Die 10% an erfolgreichen Männern sehen sich einem Überangebot von 80% der Frauen gegenüber, die alle glauben, ein angeborenes Recht auf ein Leben in Luxus und Ausschweifung zu haben. Dies erklärt, warum sich der Durchschnittsmann so schwer mit Frauen tut, warum der Erfolgreiche sich vor Frauen kaum retten kann und warum die Karrierefrauen keinen abbekommen.
Natürlich klappt es aufgrund dieser Schieflage in der Realität nicht so, wie die Frauen das vorstellen. Deshalb finden sie sich notgedrungen mit einem Mann derselben Gruppe ab, deren Beziehungen aber zumeist an den überhöhten Erwartungen der Frauen scheitern, oder sie wenden sich aus Frust dem Feminismus zu. Ein Durchschnittsman vermag für kurze Zeit den Erfolgsmenschen zu spielen, ein Leben lang schaffen es nur die wenigsten."
So meine Erfahrungen und Beobachtungen! Entsprechen doch sehr den Regeln des freien Marktes...
Guildo
Re: Die Mordernisierung des Sexuellen - und was das alles gekostet hat
Sven74, Wednesday, 29.12.2004, 01:46 (vor 7709 Tagen) @ Guildo
Als Antwort auf: Re: Die Mordernisierung des Sexuellen - und was das alles gekostet hat von Guildo am 28. Dezember 2004 22:04:58:
Pareto-Prinzip? 80/20-Regel?
Sowas ähnliches ist mir erst vor wenigen Tagen durch den Kopf gegangen.
Wenn ich mich hier mal selbst zitieren darf:
"Die Partnerwahl der Frau läßt sich an ein einfaches Schema festmachen:
Ich würde gut 70% aller Männer und Frauen als eher durchschnittlich einordnen. Dann gibt es auf jeder Seite 10% an Erfolgsmenschen (beim Mann: das "Alphamännchen", bei der Frau: die Karierrefrau, das Topmodel) und 20% an Versagern (beim Mann: arbeitslos, Alkoholiker, nicht durchsetzungsstark, bei der Frau: potthäßlich, nahezu lebensunfähig, faul). Es wäre eigentlich zu erwarten, dass jede Gruppe unter sich bleibt. Doch weit gefehlt: Frauen orientieren sich immer eine Stufe höher. Stets bemüht sich die "Durchschnittsfrau" nicht etwa um einen "Durchschnittsmann". Nein, er muß zu den "Erfolgsmenschen" gehören. Ebenso wird eine häßliche und arbeitsscheue Totalversagerin nicht einen ebensolchen Mann wählen, sondern sich dann mit dem "Durchschnittsmann" zufrieden geben. Und das "Karriereweib"? Für die bleibt nichts übrig, sie muß wohl oder übel mit Männer auf gleichen Niveauu leben oder allein bleiben. Und diese Frauen sind es dann auch, die stets jammern und weinen, dass Männer eben keine intelligenten Frauen wollen. Ganz schnell wird deutlich: Diese Rechnung kann nicht aufgehen! Die Durchschnittsmänner (80%) haben nur eine geringe Auswahl (20%) an Frauen, die bereit sind, sich mit ihnen einzulassen (und ihre Position dabei schamlos ausnutzen). Die 10% an erfolgreichen Männern sehen sich einem Überangebot von 80% der Frauen gegenüber, die alle glauben, ein angeborenes Recht auf ein Leben in Luxus und Ausschweifung zu haben. Dies erklärt, warum sich der Durchschnittsmann so schwer mit Frauen tut, warum der Erfolgreiche sich vor Frauen kaum retten kann und warum die Karrierefrauen keinen abbekommen.
Natürlich klappt es aufgrund dieser Schieflage in der Realität nicht so, wie die Frauen das vorstellen. Deshalb finden sie sich notgedrungen mit einem Mann derselben Gruppe ab, deren Beziehungen aber zumeist an den überhöhten Erwartungen der Frauen scheitern, oder sie wenden sich aus Frust dem Feminismus zu. Ein Durchschnittsman vermag für kurze Zeit den Erfolgsmenschen zu spielen, ein Leben lang schaffen es nur die wenigsten."
-> index.php?id=38291
So meine Erfahrungen und Beobachtungen! Entsprechen doch sehr den Regeln des freien Marktes...
Guildo
Genausowenig wie ich mir einen Golf für 100.000 Euro kaufen würde, würde ich eine Beziehung zu einer Frau eingehen, die an mich Ansprüche stellt, als wäre sie ein wunderschönes Topmodel und ist in Wahrheit nur ein unterdurchschnittlich aussehendes und verwöhntes Gröli!
Sven74
Re: Die Mordernisierung des Sexuellen - und was das alles gekostet hat
Guildo, Wednesday, 29.12.2004, 00:22 (vor 7709 Tagen) @ Nick
Als Antwort auf: Die Mordernisierung des Sexuellen - und was das alles gekostet hat von Nick am 28. Dezember 2004 09:55:53:
Vorsicht, Vorsicht mit allzu ungestümen Vorwürfen!
Die Partnerwahl in den "guten alten Zeiten" erfolgte ebenfalls streng nach den Regeln des Marktes: Je reicher und in der Gesellschaft angesehener ein Mann war, desto eher fand sich eine Frau. Je weniger Besitz und Ansehen, desto geringer die Chance auf eine Beziehung. Manchmal war sogar ein bestimmtes Vermögen die Voraussetzung, um überhaupt heiraten zu dürfen. Der einzige Wandel liegt in der Bedeutung des Wortes "unterhalten": Früher war damit die Fähigkeit gemeint, eine Familie zu ernähren; heute muss Mann eben die Frau als Pausenclown unterhalten, als eine Art persönlicher Feizeitgestalter und Seelenmasseur.
Gruß vom Guildo
Re: Die Mordernisierung des Sexuellen - und was das alles gekostet hat
susu, Wednesday, 29.12.2004, 01:15 (vor 7709 Tagen) @ Nick
Als Antwort auf: Die Mordernisierung des Sexuellen - und was das alles gekostet hat von Nick am 28. Dezember 2004 09:55:53:
Nick sagt dazu:
Zitat: "Da Beziehungen zwischen Mann und Frau zunehmend freigesetzt werden von der Aufgabe, die materielle Grundlage für eine gemeinsame Kinderaufzucht zu bieten, sollen sie heute nur noch dem seelischen und auch sexuellen Wohlbefinden der Partner dienen."
So, so. "Sollen sie"...
Tun sie aber nicht. Komisch, oder?
Ob da vielleicht wieder mal am Prinzip was verkehrt ist?
Zuerst und sowieso und überhaupt: wozu braucht's eigentlich Kinderaufzucht?
Reicht doch, daß man selber aufgezogen wurde... und ein Peter Pan geblieben ist.
Sexuelle Befreiung hieß das alles mal. Und genau das ist es ja auch geworden - die Befreiung von der Sexualität nämlich.
Die gibt es jetzt nämlich nur noch auf dem Freien Markt. Als Ware. Zu ortsübliche Preisen. Nach Angebot und Nachfrage.
Umsonst ist da nichts mehr - schließlich hat man ja nichts zu verschenken auf einem Freien Markt.
So stöhnt man denn über die viel zu hohen Preise - und darüber, daß man sich nicht mehr leisten kann, was früher mal Liebe hieß.
Ist Liebe nicht... Seelisches Wohlbefinden, daß sich durch die Tatsache ergibt, mit einem Menschen zusammen ist, der passt? Und ist demnach nicht Liebe ebenfalls etwas, das immer noch gefragt ist? Nicht zwingend, aber immerhin als Möglichkeit? Und vieleicht hilft die Analogie: Ist Abschaffung der Wehrpicht Gleichzusetzen mit der Abschaffung der Bundeswehr?
Dein Diskurs ist tatsächlich freiheitsfeindlich und reaktionär. Denn ein Ende des sozialen Zwangs zur Beziehung, des Zwangs zur Kinderproduktion und Aufzucht ist eben nicht das Ende selbiger Phänomene, sondern die Eröffnung der Wahl: Beziehung oder nicht? Kinder oder nicht?
Da wollte man "die Freiheit", hat dafür sogar alles eingerissen, was man vorfand - und hat nun den Freien Markt dafür bekommen.
Jetzt merkt man auf einmal und wundert sich, daß alles, was früher mal umsonst war, heute was kostet.
Daß es sogar ausgesprochen teuer geworden ist. Eigentlich unbezahlbar.
Echt geil! Wirklich! Ein echter Sieg eben, ein Fortschritt. Es geht ja bekanntlich immer nur nach vorne...
Die Verpflichtung zur Rechtfertigung dafür liegt bei den Apologeten der Sexuellen Revolution.
Eure leuchtenden Versprechungen sind zu ihrem eigenen Gegenteil mutiet. Warum? Woran liegt das?
Die Liebe habt ihr abgeschafft: "kleinbürgerlich und unfrei" sei das! Was habt ihr stattdessen hervorgebracht?
Falsch. Erst die Freiheit ermöglicht Liebe. Die "gute" alte Zeit der Vernunftsehe, der arrangierten Partnerschaften, sie ist vorbei. Erst die Freiheit keine Beziehung zu führen macht es möglich eine Beziehung zu führen, die auf Liebe gründet, nicht auf den Zwängen, die Butler zutreffend als Zwangsheterosexuell beschrieb (und die schließen auch Singles aus). Menschen die sich nicht aneinander Ketten bleiben nur aus Liebe zueinander zusammen. Wer über die große Anzahl Singles lästert, die hohe Zahl von trennungen... Ja, daß ist ein Produkt der Freiheit. Aber: Die Gegenidee ist zusammenzubleiben ohne Rücksicht auf das eigene Leid und das des Partners. Wer Liebe so versteht, wird nie glücklich werden.
"In [den Industriegesellschaften] kennen die äußeren Möglichkeiten, Bedürfnisse zu befriedigen, kaum noch Grenzen. Von den Menschen wird geradezu gefordert, Bedürfnisse zu haben und als Konsumenten auszuleben. Dem werde auch die Sexualität unterworfen: Das Bedürfnis darf nicht versiegen, und wenn es versiegt, gilt dies als Leiden. Sex diene in der Erlebniskultur dazu, Erregungen und Empfindungen zu suchen und einzusammeln. Die alte Metapher vom mächtigen Trieb habe als Metapher der Sexualität ausgedient. An ihre Stelle setzt Schmidt die Metapher des designten Verlangens."
"Designtes Verlangen". So ist es wohl. Die Gesellschaft bestimmt, was mir gefällt.
Foucault. Es gibt keine ursprüngliche Sexualität. Sexualität als Identität zu betrachten, ist ein Prozess in dem Macht eine Person kreiert. Das wiederum unterscheidet die Erlebniskultur nicht von den kulturellen Konstellationen zuvor. Und auch dein Diskurs zielt auf die Regulierung und Erzeugung von bestimmten Sexualitäten. Und wie diejenigen, die du kritisierst führtst du ihn als Befreiungsdiskurs.
Das ist also mit "Freiheit" gemeint? Faszinierend!
Das kommt eben davon, wenn man sich von Anderen "befreien" läßt.
Brave Sklaven haben allerdings noch stets ihre Sklaverei bejubelt.
Immerhin darf man ja hoffen, daß sie manchmal auch ein wenig abwirft.
Es wäre lohnend, sehr sorgfältig über die Bedeutung von "Freiheit" nachzudenken.[/i]
Das stimmt...
Aber möglicherweise denkt der Mensch ja nur, daß er denken könne?
Vielleicht tut er in Wahrheit meistens viel lieber das, was man ihm sagt?
Die Arroganz eines Sklaven besteht nicht darin, daß er stolz wäre auf sich selbst.
Der Sklave ist stolz auf seinen Gebieter! Er selbst, weiß er, ist hilflos ohne dessen "Slogans für Alle".
Deswegen haben sie auch für alle zu gelten. So entstehen Moden und Ideologien.
Nicht zu vergessen: Kirchen und Konfessionen.
Und koste es ihn auch sein Leben: nie wird der Sklave seinem Herrn zu widersprechen wagen!
Die Stabilität jeder Sklaverei beruht darauf, daß sie von den Sklaven verteidigt wird.
Dafür darf der Sklave "Erregungen und Empfindungen einsammeln".
Sogar zum Sonderpreis. Täglich neu. Als freier Marktteilnehmer.
Ganz einsam - und nur solange er bezahlen kann, natürlich.
Gratulation!
Sagt der Nick
(bekanntermaßen "sexualfeindlicher Klerikalfaschist"
)
P.S.: Der Inhalt der heutigen "Geistes"-"Wissenschaft" scheint es übrigens geworden zu sein, sich selbst beim Verrücktwerden sorgfältig zuzuschauen.
Ja, denn wenn du schon intensiv über Freiheit nachdenkst, solltest du auch den Begriff der "Narrenfreiheit" nicht vernachlässigen. Vieleicht ist es die einzige.
Nein, denn eine psychische Störung ist nur bei Leidensdruck gegeben. Wer leidet (OK, Deleuze möchte zumindest Leiden, aber es geht ihnen dabei prächtig)?
susu
Re: Die Mordernisierung - @Susu - Standing ovations!
Ekki, Wednesday, 29.12.2004, 10:24 (vor 7708 Tagen) @ susu
Als Antwort auf: Re: Die Mordernisierung des Sexuellen - und was das alles gekostet hat von susu am 28. Dezember 2004 23:15:35:
Hallo Susu!
Besser könnte man es nicht auf den Punkt bringen!
Ich freue mich, daß Du gegen Nicks reaktionäre Ansichten klar Front machst. Weiter so!
Herzlicher Gruß
Ekki
Re: Die Mordernisierung - @Susu - Sitting ovulations!
Max, Wednesday, 29.12.2004, 10:33 (vor 7708 Tagen) @ Ekki
Als Antwort auf: Re: Die Mordernisierung - @Susu - Standing ovations! von Ekki am 29. Dezember 2004 08:24:31:
Hallo Susu!
Besser könnte man es nicht auf den Punkt bringen!
Ich freue mich, daß Du gegen Nicks reaktionäre Ansichten klar Front machst. Weiter so!
Herzlicher Gruß
Ekki
____________________________________________
Gaaaanz anderer Meinung, Ekki! Ich antworte auf susu direkt...gleich.
Freundlicher Gruß - Max
Re: Die Mordernisierung des Sexuellen - und was das alles gekostet hat
Max, Wednesday, 29.12.2004, 11:03 (vor 7708 Tagen) @ susu
Als Antwort auf: Re: Die Mordernisierung des Sexuellen - und was das alles gekostet hat von susu am 28. Dezember 2004 23:15:35:
Hallo susu,
(...)Erst die Freiheit ermöglicht Liebe. Die "gute" alte Zeit der Vernunftsehe, der arrangierten Partnerschaften, sie ist vorbei. Erst die Freiheit keine Beziehung zu führen macht es möglich eine Beziehung zu führen, die auf Liebe gründet...
...erstens: Aus der guten alten Zeit gibt es genügend Beispiele, wie aus einer ursprünglichen "Vernunftehe" langsam und stetig eine lebenslange Liebesbeziehung gewachsen ist, in der die Wertschätzung des Gatten auch daraus resultierte, daß man ihn nicht nur selbstbezogen sah, sondern einfach die Liebe würdigte, die sich in seinem Wirken für die gemeinsame Aufgabe zeigte. Meine Großeltern sind ein ausgezeichnetes Beispiel dafür.
Zweitens: "Beziehung" ist für mich ein Allersweltswort. Beziehungen habe ich en masse: Zu Kunden, zu Freunden, zu meinen Eltern, zu guter Musik etc. - eine Bindung aus Liebe ist aber etwas ganz anderes als eine Beziehung. "Beziehung" - das ist dummes Soziologengewäsch.
Drittens: Nein, nicht Freiheit ermöglicht Liebe. Auch unter den Gefangenen von was auch immer existiert Liebe.
Aber: Die Gegenidee ist zusammenzubleiben ohne Rücksicht auf das eigene Leid und das des Partners. Wer Liebe so versteht, wird nie glücklich werden.
...das Gegenteil ist wahr. Das Leid, von dem Du sprichst, scheint mir dasjenige zu sein, das sich einstellt, wenn man nicht willens oder in der Lage ist, sich und seine Bedürfnisse, Vorlieben, Marotten etc. zugunsten eines höheren Guts - nämlich dem des Erhalts einer Liebe - zurückzunehmen und glücklich zu werden mit dem, was man stattdessen erhält. Und, mein Wort drauf, - man erhält etwas wirklich Wertvolles dafür - tatsächliche Liebe nämlich.
Jaja... bisweilen bin ich wirklich stockkonservativ.
Freundlicher Gruß - Max
Re: Die Mordernisierung ... @Max, Susu und alle
Ekki, Thursday, 30.12.2004, 00:15 (vor 7708 Tagen) @ Max
Als Antwort auf: Re: Die Mordernisierung des Sexuellen - und was das alles gekostet hat von Max am 29. Dezember 2004 09:03:27:
Hallo Max!
Hallo susu,
(...)Erst die Freiheit ermöglicht Liebe. Die "gute" alte Zeit der Vernunftsehe, der arrangierten Partnerschaften, sie ist vorbei. Erst die Freiheit keine Beziehung zu führen macht es möglich eine Beziehung zu führen, die auf Liebe gründet...
...erstens: Aus der guten alten Zeit gibt es genügend Beispiele, wie aus einer ursprünglichen "Vernunftehe" langsam und stetig eine lebenslange Liebesbeziehung gewachsen ist, in der die Wertschätzung des Gatten auch daraus resultierte, daß man ihn nicht nur selbstbezogen sah, sondern einfach die Liebe würdigte, die sich in seinem Wirken für die gemeinsame Aufgabe zeigte. Meine Großeltern sind ein ausgezeichnetes Beispiel dafür.
In diesem Fall sehe ich nicht, worauf der Dissenz zwischen Dir und Susu beruhen sollte - es sei denn, Du wärest der Ansicht, daß eine arrangierte Vernunftehe der einzige oder doch zumindest der beste Weg zu einer auf gegenseitiger Wertschätzung beruhenden, lebenslang haltenden Ehe sei.
Zweitens: "Beziehung" ist für mich ein Allersweltswort. Beziehungen habe ich en masse: Zu Kunden, zu Freunden, zu meinen Eltern, zu guter Musik etc. - eine Bindung aus Liebe ist aber etwas ganz anderes als eine Beziehung. "Beziehung" - das ist dummes Soziologengewäsch.
Sehr einverstanden! Indes ist auch das Wort "Liebe" - das zumindest ich nicht als "dummes Soziologengewäsch" qualifizieren würde - äußerst vieldeutig. Hierzu ein interessantes Zitat von Joachim Bürger:
"Zwar ist der Begriff 'Liebe' interpretationsbedürftig, 'Haß' dagegen ist die eindeutigste Sache von der Welt."
Drittens: Nein, nicht Freiheit ermöglicht Liebe. Auch unter den Gefangenen von was auch immer existiert Liebe.
Ich weiß nicht, ob ich richtig verstehe, was Du damit sagen wolltest. Jedenfalls könnte ich Dir insoweit zustimmen, als es m.E. eine äußerst vergängliche Art von Liebe ist, welche darauf beruht, daß die "Liebenden" gemeinsam gegen etwas sind. Erst, wenn sie definieren sollen, wofür[/u] sie kraft ihrer Liebe wirken wollen, wird sich erweisen, ob es wirklich Liebe ist oder nur eine Notgemeinschaft. Konkret, um Dein Bild von den "Gefangenen von irgendwas" aufzunehmen: Menschen, die in irgendetwas gefangen sind - im wortwörtlichen Sinne in einem Gefängnis, oder in einem diktatorischen System - können aus ihrem Bestreben, aus der Gefangenschaft auszubrechen, einen starken Zusammenhalt entwickeln. Aber erst, wenn sie der gemeinsamen Fessel ledig sind und tun und lassen können, was sie wollen, wird sich erweisen, ob sie noch irgendetwas verbindet.
Aber vielleicht hast Du ja genau das Gegenteil gemeint - also z.B. Menschen, die einer gemeinsamen Sucht verfallen sind - der Spielleidenschaft, einem Sektenguru usw. Auch in diesem Fall hättest Du insofern Recht, als eine Sucht etwas krankhaft Übersteigertes ist, das dazu führt, daß die Süchtigen ganze Bereiche der Realität ausblenden oder verzerrt wahrnehmen, und das wäre mit Sicherheit auch keine tragfähige Grundlage für tragfähige Liebe - in welcher Bedeutung dieses Wortes auch immer.
Im Übrigen aber:
Den Satz "Nein, nicht Freiheit ermöglicht Liebe." finde ich in dieser Radikalität und Isoliertheit erschreckend. Aus den obigen Absätzen magst Du ersehen, worin für mich der unauflösliche Zusammenhang von Freiheit und Liebe[/u] besteht.
Aber: Die Gegenidee ist zusammenzubleiben ohne Rücksicht auf das eigene Leid und das des Partners. Wer Liebe so versteht, wird nie glücklich werden.
...das Gegenteil ist wahr. Das Leid, von dem Du sprichst, scheint mir dasjenige zu sein, das sich einstellt, wenn man nicht willens oder in der Lage ist, sich und seine Bedürfnisse, Vorlieben, Marotten etc. zugunsten eines höheren Guts - nämlich dem des Erhalts einer Liebe - zurückzunehmen und glücklich zu werden mit dem, was man stattdessen erhält. Und, mein Wort drauf, - man erhält etwas wirklich Wertvolles dafür - tatsächliche Liebe nämlich.
Jaja... bisweilen bin ich wirklich stockkonservativ.
Meines Erachtens verläuft ein äußerst schmaler Grad zwischen der Notwendigkeit, Rücksichten zu nehmen und Kompromisse einzugehen, und einer Form des Zusammenlebens, wo beide "Partner" sich ständig gegenseitig unterzubuttern versuchen.
Was Susu wohl meinte, war, daß früher in größerem Maße als heute Ehen aufrechterhalten wurden, bei denen sich schon längst herausgestellt hatte, daß beide Partner nicht zueinander passen.
Dessen ungeachtet würde ich Dir zustimmen, wenn Du beklagtest, daß viele Menschen heutzutage in ein anderes Extrem verfallen seien - abhauen, sobald einem was nicht paßt.
Hier wie überall - eine "mathematische Formel" für glückliches Zusammenleben gibt es nicht. Enttäuschungen, ja sogar Tragödien wird es ebenso immer geben wie mehr oder weniger gelungene Ehen.
Jede/r muß das in seinem/ihren Leben immer wieder neu auskämpfen - in Freiheit und Verantwortung gegenüber sich selbst und anderen.
Herzliche Grüße
Ekki
Freundlicher Gruß - Max
Re: Die Mordernisierung ... @Ekki und alle
susu, Thursday, 30.12.2004, 00:54 (vor 7708 Tagen) @ Ekki
Als Antwort auf: Re: Die Mordernisierung ... @Max, Susu und alle von Ekki am 29. Dezember 2004 22:15:13:
In diesem Fall verneige ich mich. Du nimmst mir die Worte aus dem Mund.
susu
Re: Die Mordernisierung ... @Max, Susu und alle
Max, Thursday, 30.12.2004, 01:28 (vor 7708 Tagen) @ Ekki
Als Antwort auf: Re: Die Mordernisierung ... @Max, Susu und alle von Ekki am 29. Dezember 2004 22:15:13:
Hallo Ekki,
natürlich hast du Recht. Die Dinge sind nie ausschließlich so oder anders - deswegen auch meine Gegenrede auf susu´s posting. Es machte auf mich den Eindruck, als wüßte susu, wie eine "glückliche Beziehung" ausschließlich zustande kommen und erhalten werden kann. Zwischen Schwarz und Weiß gibt es eben eine Menge Grautöne....
Schönen Abend noch - Max
Re: Die Mordernisierung des Sexuellen - und was das alles gekostet hat
Nick, Thursday, 30.12.2004, 12:43 (vor 7707 Tagen) @ susu
Als Antwort auf: Re: Die Mordernisierung des Sexuellen - und was das alles gekostet hat von susu am 28. Dezember 2004 23:15:35:
Nein, Liebe ist nicht "seelisches Wohlbefinden, daß sich durch die Tatsache ergibt, mit einem Menschen zusammen zu sein, der passt"! Das ist Mutterliebe - und zwar betrachtet aus der Sicht eines kleinen Säuglings, der von Mamas Titten träumt. "Liebe" dieser Art ist in der Tat allseits sehr gefragt, inzwischen sogar von 'erwachsenen' Männern. Das Ergebnis sind die desolaten Zustände, über die wir hier dauernd reden. "Die Femis" sind ja nichts weiter als die Rückseite unreifer Daueradoleszenten, die nicht gelernt haben, was ein Mann ist.
Was passiert, wenn das "Wohlbefinden" in dieser Art von "Liebe" Trübungen erfährt? Dann ist die "Liebe" eben zuende! Das kitschige, kleinbürgerliche "Ideal" der romantischen Liebe gehört zum Kernbestand der Dekadenz, und entstand vor etwa 200 Jahren: man "gehört" sich, ist einander "Baby" und "Honey" und "Schnucki" und was derselben infantile Einfältigkeiten mehr sind. Mit erwachsener Liebe hat die Wahnidee von der nicht endenden Verliebtheit aber genau garnichts zu tun - ungefähr alles hingegen mit dem massenhaften Zerbrechen von Ehen, mit Versingelung und Alleinerzieherei. Die Menschen rennen beim ersten Problemchen auseinander, sobald es ihnen "nichts mehr bringt". Ich nenne das infantilen Egoismus und narzißtische Bindungsunfähigkeit, also Folge von innerer Unfreiheit, nicht von Freiheit.
Ich verstehe unter erwachsener Liebe die allgemeine Liebesfähigkeit, die sich im Prinzip auf jeden Menschen richtet und das Wohlergehen des Anderen zum Ziel hat, nicht primär das eigene. Daß das den kindischen Narren völlig närrisch erscheint, weiß ich. Stets aber hat die Welt nur so funktioniert und niemals anders. Max hat dazu sehr wahre Worte gesagt, denen ich mich rundweg anschließe (index.php?id=38444).
"Dein Diskurs ist tatsächlich freiheitsfeindlich und reaktionär. Denn ein Ende des sozialen Zwangs zur Beziehung, des Zwangs zur Kinderproduktion und Aufzucht ist eben nicht das Ende selbiger Phänomene, sondern die Eröffnung der Wahl: Beziehung oder nicht? Kinder oder nicht?"
Soso, reaktionär bin ich also wiedermal? Da mach ich doch gleich mal eine Gegenrechnung auf. Den grundsätzlichen "Zwang" zur Aufzucht von Kindern muß man nicht erfinden, der existiert objektiv. Ohne Kinder gibt es hernach keine Menschen: das ist so unmittelbar wahr und direkt einsichtig, daß es sich von selbst versteht. In besonderer Weise schützens- und förderungswürdig sind demzufolge nicht irgendwelche Minderheiten und Außenseiter, sondern stinknormale Familien. Stattdessen aber werden diese seit Jahrzehnten systematisch sabotiert, ideologisch niedergemacht und auf jede erdenkliche Weise in den Ruin getrieben: man macht die Scheidung leicht und für den einen Teil lukrativ - und prompt schnellen die Scheidungszahlen in's Astronomische. Das ist ideologisch beabsichtigt. Angeblich sind Familien ja die "Keimzelle von Herrschaft" - ein besonders zynischer Witz, wenn man die heimtückischen Herrschaftsmittel betrachtet, die diejenigen zu ihrer Zerstörung aufwenden, die die These erfunden haben. Familien tun aber für die Gesellschaft unendlich viel, unentgeltlich und ohne eine Gegenrechnung aufzumachen. Auch du selbst profitierst davon auf vielfältige Weise, nicht nur dadurch, daß es dich überhaupt gibt. Die Dankesschuld ist also vollkommen einseitig und jeder Grund zum Lamento entfällt von vornherein.
Das Wort "Zwang" in diesem Zusammenhang kommt übrigens von dir - ich weise sicherheitshalber darauf hin. Dabei zwingt dich ja in Wahrheit niemand zum Kinderaufziehen. Aber wenn du die Wahl ausübst, ohne Kinder zu leben, dann heißt das noch lange nicht, daß dies nun die neue Regel zu werden hat. Völlig abstrus und dekadent wird es, wenn eine ganze Gesellschaft versingled - und du das dann ausgerechnet ein "Produkt der Freiheit" nennst. Es ist ein Produkt des massenhaften Egoismus, nichts weiter, den es einen Scheißdreck interessiert, was aus der Welt wird, in der man doch eigentlich ganz gut lebt. Welchen ethischen Wert soll man einer solchen Haltung beimessen, wenn sie ausgerechnet als Grund hergenommen wird, über die Ungerechtigkeit der Welt zu lamentieren? Für mich ist sowas einfach "too much", tut mir leid.
Der Vollständigkeit halber merke ich hier erneut an, daß dein Bezug auf Foucault und seine abstrusen Ideen nur für den von Interesse sind und sein können, der sich dieser Ideologie verpflichtet fühlt. Das ist, wie du weißt, bei mir ganz und gar nicht der Fall. Ich widerspreche deshalb ausdrücklich dem Ansinnen, die Welt nach Maßgabe dieser Ideologie "auseinanderzumontieren" und spreche den Anhängern dieser Philosophie das Recht dazu ab. Denn es ist die Welt der Anderen! Für mich ist und bleibt es elementarste Wahrheit über den Menschen, daß es ihn in zwei Ausgaben gibt, einer männlichen und einer weiblichen, daß diese Dualität einen tiefen, komplexen Sinn hat, daß sie nicht nur für den schieren Fortbestand der Gattung von unverzichtbarer Bedeutung ist, sondern auch zur Ergänzung und Vervollständigung der beiden Pole im jeweils anderen zum "ganzen Menschen". Wer es anders will, darf es anders tun. Aber er hat kein Recht dazu, den Anderen zu erzählen, wie "kaputt" sie sind oder ihnen gar ihr Leben zu demontieren. Es ist keineswegs die Gesellschaft die "sich" ändert, sondern die Gesellschaft wird geändert, und zwar von oben!
Du bezeichnest die 'Narrenfreiheit' als die "vielleicht einzig wahre Freiheit". Für wen? Für dich persönlich? Oder für alle? Das ist für mich die entscheidende Frage, wie ich mich zur 'Narrenfreiheit' anderer Leute verhalte.
Narrenfreiheit gibt es immer nur 'am Hofe', also dort, wo bereits "etwas" ist, was den Narren ernährt und ihm sein Dasein als Narr überhaupt ermöglicht. Der Narr lebt niemals aus sich heraus, sondern immer im Bezug auf - und auch auf Rechnung anderer. Ein freier Narr in der 'freien Natur', also einer, der auf sich selbst gestellt ist, ist ein toter Narr, also etwas, was es nicht gibt.
Dem Narren sei seine Freiheit gleichwohl von Herzen gegönnt, sofern ihm dieser Sachverhalt und seine Stellung in der Welt aufgrund seiner Rolle bewußt ist und er sie respektiert. Ein "Narr" kann nicht "Kaiser" sein (außer am Rosenmontag)! Daß er seinen Ort in der Welt respektiert, liegt auch in seinem eigenen Interesse und ist Bedingung dafür, ihn als Narren zu achten. Nun sind Narren aber bekanntlich närrisch, weshalb sowieso nicht umstandslos davon ausgegangen werden kann, daß sie sich vernünftig verhalten. Jetzt aber wollen sie sogar "Kaiser" sein! Und da liegt in meinen Augen das enorme Problem mit der Narrenfreiheit in heutiger Zeit.
Wir erleben gerade den beklagenswerten, dekadenten Versuch, die "einzig wahre Freiheit" des Narren allgemeinverbindlich für alle Menschen zu machen, auf daß sie sich danach richten. Das ist, wie gesagt, durchaus kein "freundlicher Diskussionsvorschlag", sondern es wird administrativ und medial mit viel Energie vorangetrieben. Das ist also nicht bloß närrisch. Das ist tödlich! Entweder die Europäer hören endlich auf, sich so närrisch aufzuführen, oder sie hören überhaupt auf zu sein (womit dann, neben ein paar anderen "Kleinigkeiten", auch die Freiheit des Narren aufgehört hätte). Die logisch zwingende Tatsache, daß an diesem Punkt die Narrenfreiheit enden muß, braucht man vernünftigen Leuten zwar nicht eigens zu erklären. Narren aber kann man sie nicht erklären, weil sie das nicht von sich aus zu begreifen vermögen, sondern auf Babyanarchie als Inbegriff von Freiheit beharren.
Ein Beispiel: Auch der Narr wurde von einem Vater gezeugt und von einer Mutter geboren - und von (hoffentlich) beiden erzogen - ganz unabhängig davon, wie er selbst sich das alles nachher vorstellt. Wenn der Narr sich nun z.B. daran macht, das Prinzip "Vater und Mutter" abzuschaffen, indem er es einfach "dekronstruiert", dann sägt er damit den Ast ab, auf dem nicht nur er selbst, sondern auch alle Anderen sitzen. Und deshalb hat spätestens an diesem Punkt die "Freiheit" des Narren zu enden. Das ist keineswegs "reaktionär". Freiheit hat natürliche Grenzen: sie hat nur Sinn als Freiheit aller Menschen, nicht einiger Menschen auf Kosten aller anderen. Die "Freiheit", die du einforderst, ist ein Angriff auf die Grundlagen der schieren menschlichen Existensfähigkeit, also eine parasitäre "Freiheit", die in Wahrheit ein Angriff auf dieselbe ist.
Um es konkret zu machen: wenn du deiner postmodernen Dekadenzphilosophie sozusagen aus 'Spaß an der Freude' nachhängst, weil du solche Gedankengänge anregend und spannand findest, dann stört das keinen. Wenn daraus aber ein reales Konzept zur "Umgestaltung der Welt" werden soll (und dieser Anspruch wird ja erhoben und in reale Politik umgesetzt - inwieweit von dir, weiß ich nicht genau), dann ist das ein Angriff mitten ins Herz des Humanen. Da schrecken mich die Schmähetikettschildchen kein bißchen, die du mir anpappen willst: das wäre dann eine Kampfansage für eine Auseinandersetzung, in der du dich nicht auf Freiheit berufen kannst!
Leider hat die Zahl der Narren, besonders in Europa, so enorm zugenommen, daß selbst ganz einfache Zusammenhänge nicht mehr fraglos mehrheitsfähig sind. Wir geraten tatsächlich in eine Situation der Dekadenz hinein, in der sich gewissermaßen eine (scheinbare) "Mehrheit der Minderheiten" abzuzeichnen beginnt, die sich das verachtete "Normale", also das, was menschliches Leben zeugt, gebiert, behütet, ernährt, erzieht etc... den eigenen, parasitären Partikularzwecken dienstbar macht und es abtötet. Feminismus ist ein Beispiel dafür. "Schwulen-Ehe" ist ein weiteres, bizarres Projekt, das die Fundamente der Gesellschaft zerrüttet. Wohlgemerkt, nicht das private Intimleben der Homosexuellen ist das Problem, das Andere anginge, sondern die Okkupation des Begriffs der Ehe und die politisch gewollte Zerstörung seines Inhalts.
Was kommt als nächstes? Freies Kinderficken für freie Bürger? Darf ein Sodomist demnächst sein Schwein "heiraten" und kleine Ferkel "adoptieren"? Das hört sich heute natürlich ziemlich drastisch an. Aber vielleicht morgen schon wird nach dem geplanten 'Antidiskriminierungsgesetz' (einem totalitären Gesinnungs-Überwachungsgesetz!) als "Sodomistenfeind" bestraft, wer sich dagegen ausspricht, so eine Scheiße als "Freiheit" anderer Leute aufzufassen, die des besonderen Schutzes der staatlichen Ordnung bedarf. Die Entwicklung geht mit Riesenschritten in diese perverse Richtung - auch deshalb, weil eben der Freiheitsbegriff völlig verwildert ist. Es prüfe sich ein jeder, der das liest, welche Vorstellungen von "Freiheit" er hat - und wo die eigentlich herkommen: aus ihm selbst? Oder vielleicht von außen? Bedeutet Freiheit "Spaß haben"? Bedeutet es gar den Spaß von anderen Leuten, die mir weismachen wollen, ihr Spaß sei meine Freiheit? Der Mensch schafft es zwar immer wieder, unbegrenzt blöde zu sein, aber vielleicht helfen solche einfachen Gedankengänge, dem partiell abzuhelfen?
Freiheit hat m.E. mit derlei Firlefanz allenfalls soviel zu tun, daß sie eben auch die Möglichkeit beinhaltet, sich selbst vollkommen zu verfehlen und letztlich zu negieren. Gäbe es diese Möglichkeit nicht, dann wäre es in der Tat keine Freiheit. Daraus folgt nicht, daß der perverse Unsinn Inhalt und Wesen von Freiheit wäre. Für mich persönlich liegt der Sinn der Freiheit in der äußeren und inneren Möglichkeit, in Liebe das Gute und Notwendige zu tun, so wie es die gegebene Situation erfordert. Das bedeutet weder, immer "lieb zu sein" oder Applaus von jedermann zu erhalten, noch daß es unbedingt angenehm sein oder gar den hedonistischen "Spaß" zum Ziel habem muß. Erwachsene Leute können durchaus höhere Ziele haben.
Daß sich dekadente Entwicklungen (wieder mal) unter der demagogischen Losung der "Freiheit" vollziehen, bedeutet jedenfalls mitnichten, daß es da etwa um meine Freiheit geht - sondern um ihre Abschaffung! Es geht gewissermaßen um die "Freiheit der Krebszelle", die freies Wachstum für ihre Tochterzellen einfordert und deshalb jeden als krebsfeindlich "brandmarkt" (huch! aber auch), der diesem Drang entgegensteht. Sklavennaturen lassen sich vielleicht durch solche einfältigen, semantischen Tricks einschüchtern und entwickeln die gewünschte Angst davor, als "irgendwasfeindlich" geschmäht zu werden. Ich bestimmt nicht.
Es ist nicht überall Freiheit drin, wo ein Anderer "Freiheit" draufgeschrieben hat. Auch wenn du mich dafür als "Reaktionär" schmähst: ich rede (auch) über die Grenzen der Freiheit. Deren Kenntnis ist nämlich die erste Grundlage jeder realen, menschlichen Freiheit. Damit meine ich die Freiheit aller Menschen - auch deiner, du "Narr"
)
Sensibilität dafür zu wecken ist einer der Hauptgründe, warum ich hier überhaupt schreibe.
Nick
P.S.: Eine 2000 Jahre alte "Mode" ist keine Mode - und was sich als fähig erwiesen hat, eine ganze Kultur zu tragen und zu entwickeln, ist keine Ideologie. Begriffe sind nicht beliebig!
Meisterhaft ! Unbedingt lesenswert ! (n/t)
T.Lentze, Thursday, 30.12.2004, 14:18 (vor 7707 Tagen) @ Nick
Als Antwort auf: Re: Die Mordernisierung des Sexuellen - und was das alles gekostet hat von Nick am 30. Dezember 2004 10:43:07:
Re: Die Mordernisierung des Sexuellen - und was das alles gekostet hat
Simon, Thursday, 30.12.2004, 17:37 (vor 7707 Tagen) @ susu
Als Antwort auf: Re: Die Mordernisierung des Sexuellen - und was das alles gekostet hat von susu am 28. Dezember 2004 23:15:35:
Hallo Susu,
zwar halte ich die Philosophie Foucaults für antiaufklärerischen Unfug (eine sehr gute linke Kritik an Foucault hat m.E. Jean Améry geleistet, der als einer der ersten deutschsprachigen Autoren überhaupt Foucault rezipiert hat), aber gegen Nick hast Du recht. Leute wie er können oder wollen nicht akzeptieren, daß Religion in der säkularisierten Gesellschaft Privatsache ist. Das ist das gleiche Phänomen wie bei den islamischen Fundamentalisten. Ob christliche oder islamische Reaktionäre sie zählen zu den Feinden der offenen Gesellschaft (Popper), indem sie Liberalismus, Individualismus und Glücksstreben Werte, Demut und Hierarchie entgegensetzen. Es ist auch fruchtlos, mit ihnen zu diskutieren; sie wissen ja eh schon alles und sind um keinen Preis bereit, ihre Überzeugungen auch nur probeweise infrage zu stellen. Ich fände es verheerend, wenn solche Leute Einfluß auf die Männerbewegung gewännen. Über Foucault streiten wir uns ein andermal. 
Simon
Re: Die Mordernisierung des Sexuellen - und was das alles gekostet hat
Nick, Thursday, 30.12.2004, 19:09 (vor 7707 Tagen) @ Simon
Als Antwort auf: Re: Die Mordernisierung des Sexuellen - und was das alles gekostet hat von Simon am 30. Dezember 2004 15:37:56:
"Hallo Susu, zwar halte ich die Philosophie Foucaults für antiaufklärerischen Unfug (eine sehr gute linke Kritik an Foucault hat m.E. Jean Améry geleistet, der als einer der ersten deutschsprachigen Autoren überhaupt Foucault rezipiert hat), aber gegen Nick hast Du recht. Leute wie er können oder wollen nicht akzeptieren, daß Religion in der säkularisierten Gesellschaft Privatsache ist. Das ist das gleiche Phänomen wie bei den islamischen Fundamentalisten. Ob christliche oder islamische Reaktionäre sie zählen zu den Feinden der offenen Gesellschaft (Popper), indem sie Liberalismus, Individualismus und Glücksstreben Werte, Demut und Hierarchie entgegensetzen. Es ist auch fruchtlos, mit ihnen zu diskutieren; sie wissen ja eh schon alles und sind um keinen Preis bereit, ihre Überzeugungen auch nur probeweise infrage zu stellen. Ich fände es verheerend, wenn solche Leute Einfluß auf die Männerbewegung gewännen. Über Foucault streiten wir uns ein andermal. 
Simon"
Woher weißt du denn, was ich "kann und will"?
Weißt du eventuell alles, ohne es erst eigens belegen zu müssen?
Bin ich der "Feind der offenen Gesellschaft"? Oder bist vielleicht du es?
Bedeutet "offene Gesellschaft" für dich das was übrig bleibt, nachdem du alles ausgeschlossen hast, was dir nicht paßt?
Ich bejahe die offene Gesellschaft, du hingegen führst sie nur im Munde. Religionsfreiheit bedeutet nun mal nicht nur "Freiheit von der Religion" für die, die ohne sie leben wollen, sondern eben auch "Freiheit zur Religion" für die, die glauben. Dieses Recht nehme ich wahr, mehr nicht - und bestreite dir das deine in keiner Weise. Du bestreitest mir mein Recht? Etwa der "Freiheit" wegen? Du machst dich lächerlich.
Religion ist im säkularen Staat nicht auf andere Art und Weise "Privatsache", als jede andere weltanschauliche Position. Ich nehme lediglich wie jeder Andere das Recht wahr, meine Ansichten frei zu vertreten. Führst du hier etwa die Rede dafür, daß das in Zukunft zu unterbleiben hat? Gar als Plädoyer für die "offene Gesellschaft"? Dann bist du ganz offenbar ein demagogischer Heuchler.
Wenn sich "Liberalismus, Individualismus und Glücksstreben" einzelner (oder gar des Staates - denn v.a. darum ging es im vorigen Posting) gegen die Freiheit anderer richtet, dann kritisiere ich das. Das muß ich sogar: der Freiheit und ihres Schutzes wegen. Exakt das und nichts anderes habe ich getan. Freie Rede ist nun mal kein Selbstmordattentat auf die Freiheit, sondern einfach: freie Rede.
Deine Rede dagegen ist durch und durch antiliberal, da du mir die meine bestreiten willst. Insofern tust du exakt das, was du mir vorwirfst und ich gebe es genau so an dich zurück: "Deine Rede ist das gleiche Phänomen wie bei den islamischen Fundamentalisten." Basta!
Im übrigen erweist es sich, daß du weder denken noch argumentieren, sondern nur schwafeln kannst. "Offene Gesellschaft" ist in deinem Beitrag nichts als ein verwilderter, konfuser Slogan, der sich gegen den Inhalt des Begriffes richtet.
Schäm dich (falls du wenigstens das kannst).
Nick
Re: Die Mordernisierung des Sexuellen - und was das alles gekostet hat
Simon, Friday, 31.12.2004, 16:54 (vor 7706 Tagen) @ Nick
Als Antwort auf: Re: Die Mordernisierung des Sexuellen - und was das alles gekostet hat von Nick am 30. Dezember 2004 17:09:27:
Religionsfreiheit bedeutet nun mal nicht nur "Freiheit von der Religion" für die, die ohne sie leben wollen, sondern eben auch "Freiheit zur Religion" für die, die glauben. Dieses Recht nehme ich wahr, mehr nicht - und bestreite dir das deine in keiner Weise. Du bestreitest mir mein Recht? Etwa der "Freiheit" wegen? Du machst dich lächerlich.
Du projizierst. Ich bestreite Dir nicht Dein Recht, zu glauben. Allerdings bestreite ich Dir sehr wohl Dein Recht, die Gesellschaft in Deinem Sinne umzumodeln.
Religion ist im säkularen Staat nicht auf andere Art und Weise "Privatsache", als jede andere weltanschauliche Position. Ich nehme lediglich wie jeder Andere das Recht wahr, meine Ansichten frei zu vertreten.
Dieses Recht bestreitet Dir keiner. Aber Du willst mehr. Du willst eine andere Gesellschaft. Dann mußt Du auch damit leben, daß Dir andere entgegentreten, die eine solche Gesellschaft nicht wollen.
b>Deine[/b] Rede dagegen ist durch und durch antiliberal, da du mir die meine bestreiten willst.
Du inszenierst Dich als Opfer und mutiger Tabubrecher. Peinlich.
Schäm dich (falls du wenigstens das kannst).
Was für eine Anmaßung.
Re: Die Mordernisierung des Sexuellen - und was das alles gekostet hat
Max, Friday, 31.12.2004, 19:12 (vor 7706 Tagen) @ Simon
Als Antwort auf: Re: Die Mordernisierung des Sexuellen - und was das alles gekostet hat von Simon am 31. Dezember 2004 14:54:50:
Hi Simon,
Ich bestreite Dir nicht Dein Recht, zu glauben. Allerdings bestreite ich Dir sehr wohl Dein Recht, die Gesellschaft in Deinem Sinne umzumodeln.
...ich halte ja schon sehr viel von Nick, aber so viel traue selbst ich ihm nicht zu - die gaaanze große Gesellschaft in seinem Sinne umzumodeln. Aber sagen und schreiben, wie er sie gerne hätte: Das darf er sehr wohl und ein bißchen rummodeln...naja...wird schon nicht gleich den Untergang bedeuten. Beim Rumjodeln ist in dieser Hinsicht jedenfalls noch nicht viel schiefgegangen. Und odeln ganz ohne "m" darf sogar der Bauer. Es hängt also alles an diesem kleinen "m" - was soll da schon groß passieren?
(von Nick: Religion ist im säkularen Staat nicht auf andere Art und Weise "Privatsache", als jede andere weltanschauliche Position. Ich nehme lediglich wie jeder Andere das Recht wahr, meine Ansichten frei zu vertreten.)
Dieses Recht bestreitet Dir keiner. Aber Du willst mehr. Du willst eine andere Gesellschaft. Dann mußt Du auch damit leben, daß Dir andere entgegentreten, die eine solche Gesellschaft nicht wollen.
...das muß er nicht nur, das kann er auch. Ich will übrigens auch eine andere Gesellschaft. Aber mal so nebenbei gefragt: Willst du diese Gesellschaft? Wenn ja: Warum schaust´n dann nicht einfach RTL 2?
Du inszenierst Dich als Opfer und mutiger Tabubrecher.
...Wer? Nick? Eine solche Behauptung ist einfach...
Peinlich.
...du nimmst mir das Wort aus dem Mund.
von Nick: Schäm dich (falls du wenigstens das kannst).
Was für eine Anmaßung.
...wer ko der ko. Oiwei scho so g´wen.
Guten Rutsch! - Max
Re: Die Mordernisierung des Sexuellen - und was das alles gekostet hat
Nick, Friday, 31.12.2004, 19:45 (vor 7706 Tagen) @ Simon
Als Antwort auf: Re: Die Mordernisierung des Sexuellen - und was das alles gekostet hat von Simon am 31. Dezember 2004 14:54:50:
"Ich bestreite Dir nicht Dein Recht, zu glauben. Allerdings bestreite ich Dir sehr wohl Dein Recht, die Gesellschaft in Deinem Sinne umzumodeln."
Und wie begehe ich dieses "Verbrechen" deiner Wahrnehmung nach angeblich? Indem ich schreibe und argumentiere? Ein 'Gedankenverbrechen' also? Oder auf andere Art? Wenn ja: auf welche? Wenn nein, dann bleibt es dabei: du möchtest mir gerne das Schreiben und Argumentieren 'untersagen'... natürlich der "Freiheit" wegen. Du machst dich also erneut furchtbar lächerlich. Warum?
"Dieses Recht [Deine Ansichten frei zu vertreten] bestreitet Dir keiner. Aber Du willst mehr. Du willst eine andere Gesellschaft. Dann mußt Du auch damit leben, daß Dir andere entgegentreten, die eine solche Gesellschaft nicht wollen."
Damit kann ich sehr gut leben, wenn derjenige, der mir entgegentritt, denkfähig ist und sauber zur Sache argumentiert. Damit muß ich hingegen keineswegs leben, sondern darf es einfach als irrelevantes, dummes Geschwafel übergehen, wenn diese Voraussetzungen nicht gegeben sind. Bei dir sind sie nicht gegeben, denn du stellst Behauptungen aufgrund deiner Vorurteile auf, ohne sie zu belegen, und leitest aus eben diesen Behauptungen ab, daß dir dein Vorurteil argumentativ nicht genommen werden kann: "Es ist sinnlos, mit ihm zu diskutieren" - das war deine Ausgangsthese gewesen. Wie willst du mir denn sonst entgegentreten, außer argumentativ?
Und von wegen "du willst mehr": reicht es dir aus, deine Ansichten zum gegenwärtigen Feminat frei zu vertreten, einfach so, ohne daß du damit andere von der Richtigkeit deiner Positionen überzeugen willst? Oder willst du mehr? Wenn ja: was? Eine andere Gesellschaft vielleicht? Müßtest du in dem Fall auch damit leben, daß dir andere entgegentreten, die deine Gesellschaft nicht wollen? Und wenn ja: wie erwartest du dann, daß man dir entgegentreten möge? Mit Argumenten? Oder vielleicht mit Verboten? Wie willst du mir denn entgegentreten, wenn du es argumentativ nicht tust? Gegen letzteres hätte ich ja, wie gesagt, nicht das Allergeringste einzuwenden, vorausgesetzt du kannst tatsächlich denken und argumentieren.
Aber erklär uns allen doch jetzt bitte noch mal genau, wie du das mit der "offenen Gesellschaft" im Einzelnen gemeint hast. Du findest ja offenbar, daß ich dich da ganz falsch verstanden habe. Ich bin inzwischen allerdings erst recht zu der Überzeugung gelangt, daß du darunter so ungefähr das verstehst, was analog ein sizilianischer Mafioso meint, wenn er seine Leute, die des nachts bestimmte Personen mit einbetonierten Füßen vor der kalabrischen Küste versenken, als "tolerante, humanitäre Organisation" bezeichnet... und eventuelle Kritiker, die das in Zweifel zu ziehen wagen, dadurch überzeugt, daß er sie eben mit einbetonierten Füßen vor der kalabrischen Küste versenken läßt. Aus rein humanitären Gründen natürlich, und der Toleranz wegen. Der schämt sich schließlich auch nicht dafür, sondern findet einen solchen Gedanken einfach anmaßend...
Versteh mich recht: es geht hier darum, daß dein Verhältnis zur toleranten, offenen Gesellschaft analog ist zum Verhältnis des Mafioso zur Humanität. Will heißen: bei dir sehe ich Freiheit, Demokratie und Toleranz in ähnlich "guten Händen", wie die Menschlichkeit in den Händen jenes Mafioso. Noch genauer: "Obacht auf Simon! Der Typ ist seinem Wesen nach totalitär." Ich habe damit indes natürlich weder gesagt, du seiest ein Mafioso, noch inszeniere ich mich als Opfer. Soll man denn mitten am Tag träumen, Simon? Dafür müßte ich dir schließlich eine Bedeutung beimessen, die du dir zweifellos anmaßt, die du aber bei Weitem nicht besitzt.
Wenn jetzt erwartungsgemäß wieder nur gestammeltes, argumentationsfreies 'Meinen' und 'Finden' als Ausdruck deiner verbohrten Vorurteile kommt, dann werde ich das vermutlich kommentarlos übergehen.
Nick
Re: Die Mordernisierung des Sexuellen - APPLAUS! Klasse, Nick! (n/t)
Max, Wednesday, 29.12.2004, 11:07 (vor 7708 Tagen) @ Nick
Als Antwort auf: Die Mordernisierung des Sexuellen - und was das alles gekostet hat von Nick am 28. Dezember 2004 09:55:53:
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