Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Kampf um Gleichberechtigung ist irrelevant

Paul, Friday, 17.12.2004, 18:25 (vor 7720 Tagen) @ M.

Als Antwort auf: Kampf um Gleichberechtigung ist irrelevant von M. am 17. Dezember 2004 15:49:25:

Die Frauenbewegung, die um die Gleichberechtigung der Frauen gekämpft hat, und in großen Teilen ihre Ziele durchgesetzt hat (was wohl nur einige Berufs-Feministinnen ernsthaft bestreiten dürften), war erfolgreich, weil sich das westliche Wertesystem seit Mitte des letzten Jahrhunderts in einem Auflösungsprozess befindet (deutlich sichtbar an der Überbetonung von indivuellen Rechten: Wenn "anything goes" ist am Ende nichts mehr relevant: Es gibt keinen Konsens, keine gemeinsamen Werte mehr).

Von der "Überbetongung individueller Rechte" spüre ich nichts. Allenfalls von der Privilegierung bestimmter Gruppen. Wenn der Bürger normalerweise deutlich mehr als 50% seines Einkommens in Form von direkten und indirekten Steuern an den Staat abgibt, ist nur bei extremer Wahrnehmungsverzerrung noch eine "Überbetonung individueller Rechte" feststellbar. Denn für die Wahrnehmung der meisten - von grundlegenden Menschenrechten abgesehen, die nicht zur Diskussion stehen - individuellen Rechte sind vor allem erst einmal die entsprechenden Mittel notwendig. Nimmt man dem einzelnen diese Mittel weg, stehen diese Rechte nur noch auf dem Papier.

Die Wahrheit ist genau umgekehrt: Der Bürger wird immer rechtloser. Jeder, der mit offenen Augen durch die Welt geht, kann dieses Phänomen in fast allen Industriestaaten beobachten.

Der "verlorengegangene Konsens" ist ebenfalls eine Halluzination. Nicht erst sei Chomsky wissen wir, daß wir in der Regel mehr Konsens haben, als uns lieb ist - vielleicht nur nicht den richtigen. Das klassische Bild vom Mann als Täter und der Frau als Opfer ist nämlich Konsens. Aber halt einer, der auf einer defekten Realitätswahrnehmung basiert. Viele andere Dinge sind ebenfalls Konsens. Konsens ist aber nicht automatisch gut. Im Gegenteil, wenn der Konsens auf falschen Annahmen oder Unlogik basiert, führt er möglicherweise zur Katastrophe.

Gruss,
Paul


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