Elfriede Jelinek - Die Klavierspielerin
Als Antwort auf: Aus Jelineks Homepage von Mic am 08. Oktober 2004 16:08:43:
Wer den Film oder das Buch "Die Klavierspielerin) von Elfriede Jelinek kennt, weiß, welch katastrophale Dynamik sich zwischen Mutter und Tochter abspielt und wie problematisch das Verhältnis der beschriebenen Frau zu Kindern ("Im Unterricht bricht sie einen freien Willen nach den anderen.") und Männern ist.
In den Auszügen nachfolgend zitierter Seminararbeit (Quelle siehe unten) heisst es: "Es ist kaum abzustreiten, daß dabei auch autobiographische Hintergründe ins Spiel kamen, ...".
Einen schockierenden Eindruck, wie "krank" die Gefühlswelt und das Denken werden kann, bekommt man auch aus den folgenden Zeilen:
Auszug aus: "Spiegelbild einer defekten Frau (Elfriede Jelinek: Die Klavierspielerin)"
"Nachdem der Vater die Familie "verlassen" hat, bekam die Tochter die Hälfte des Ehebettes, und schlief seitdem mit der Mutter. Ihre Hände durfte sie zwar nicht unter der Bettdecke halten, nur darüber, damit sie von unkeuschen Gedanken bewahrt wird. Und auch eine gewisse Eifersucht ist im Text zu entdecken, mindestens kann man die folgenden Wörter auch so interpretieren: "bedroht das Kind mit Erschlagen, sobald es mit einem Mann gesichtet werden sollte" (K83). Ihr Ziel ist es, die Tochter unbeweglich an einem Ort zu fixieren, damit sie nicht weglaufen kann. Diesem Zweck dienen nicht nur die Fernsehabende und der Fernseher mit seinem schönen Bilder, sondern auch das System verschiedener Bestrafungen von der sadomasochistisch eingestellten Mutter, mit der die Tochter in einer in gewissem Sinne liebevollen, und doch haßerfüllten Symbiose lebt.
Die Mutter hat Erika zur "Lebensfeindlichkeit und Einzelgängerin" erzogen; ihrer Karriere zuliebe soll sie sich die sexuelle Sehnsucht abgewöhnen. Sie schafft es so prezis, daß ihr Körper keiner Empfindungen mehr zugänglich ist. Sie hatte zwar heterosexuelle Beziehungen mit mehreren Männer und auch Sex gehabt, aber empfand dabei keine Lust, und nach einer Zeit "jeder Herr hat Erika bald verlassen, und nun will sie keinen Herr mehr über sich haben." Sie kann sogar die empfindsamsten Stelle ihres Körpers, ihr Vagina mit einer "väterlichen" Klinge folgenlos aufschlitzen. Sie sieht das Blut, wie ihre Scheide auseinanderklafft, und verspürt dabei gar nichts. "Es war ihr eigener Körper, doch er ist ihr fürchterlich fremd." Sie stellt sich vor, wie ihre Scheide ihren Körper angreift und auffrißt. Und das war die erste Stelle, wo ich sagte: Das darf doch nicht wahr sein! Daß Frauen ihre Genitalien als "Nichts", als "reiner Mangel" betrachten, kann ich noch annehmen, es ist sogar bei Freud zu lesen. Aber als ein Biest, das ihren eigenen Wirt angreift! Diese Zeilen mußte ich mehrmals durchlesen, damit ich überhaupt glauben konnte, das so etwas tatsächlich dasteht. Verdauen konnte ich das nicht mehr, aber glauben! ..."
Quelle: http://www.hausarbeiten.de/faecher/hausarbeit/lit/270.html
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