Wieviel «Gleichberechtigung» verträgt das Land?

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Re: Literaturnobelpreis für Elfriede Jelinek

Texaco, Thursday, 07.10.2004, 21:09 (vor 7791 Tagen) @ Mic

Als Antwort auf: Literaturnobelpreis für Elfriede Jelinek von Mic am 07. Oktober 2004 14:18:32:

Regen sich etwa einige über die Preisvergabe auf? Ich verstehe nicht weshalb.

Zugegeben: Ich habe nie etwas von ihr gelesen. Ich kenne J. nur als TV-Statement-Geberin zu Haider, und außerdem eine Kino-Kritik zur Pianistin, die auch die Handlung schildert. Ich habe daraus geschlossen, daß es sich um eines der wenigen filmischen Werke in den späten 90ern handelte, in denen die platte feministische Weltsicht nicht reproduziert wurde, sondern versucht wurde, den Abgründen der menschlichen Seele tatsächlich näher zu kommen. Mit anderen Worten: Keine Propaganda, keine triviale Unterhaltung, sondern Kunst.

Soweit ich weiß, vergreift sich im Film eine Klavierlehrerin an einem pubertierenden Schüler, aber irgendwann kehrt sich das Machtverhältnis um. Das paßt weder in das Frau=Opfer-Schema, noch zu einem enthemmten "Frauen sind einfach stärker".

Unterm Strich: Ich kenne J. nicht, aber soweit ich sie kenne ist sie:

- eine Künstlerin, die um die richtige ästhetische Form ringt. Allein das unterscheidet sie schon von einem "von Frau geschrieben, also toll".

- zutiefst ehrlich und dabei ohne Rücksicht auf sich selbst, und erstens hinsichtlich ihrer Reputation, und zweitens hinsichtlich der Weichteile ihrer Seele, die sie damit preisgibt

- alles andere als feige

Also jemand, der den Preis verdient hat.


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