Re: Literaturnobelpreis für Elfriede Jelinek
Als Antwort auf: Re: Literaturnobelpreis für Elfriede Jelinek von Peter am 07. Oktober 2004 14:49:58:
Hi,
Anscheinend schon. Ich selber habe Jelinek nicht gelesen
Sie war einer meiner Schwerpunkte in meinem Germanistik-Examen.
und kann deshalb nicht beurteilen, ob sie des Nobelpreises wuerdig ist.
Kommt drauf an, wie man´s sieht. Was den intellektuellen Aufwand angeht, den sie in ihre Texte steckt, sicher. Allerdings werden in ihren Büchern (z. B. "Lust" und "Die Klavierspielerin") Männer schon extrem abwertend dargestellt. Letzeren Roman habe ich in meinem "Lexikon des Sadomasochismus" wie folgt vorgestelt:
--- DIE KLAVIERSPIELERIN
Roman (Reinbek 1983) der vermutlich bekanntesten österreichischen Schriftstellerin Elfriede Jelinek (geb. 1946), Büchner-Preis-Trägerin 1998. Er schildert den in einem sadomasochistischen Verhältnis zu ihrem Schüler Klemmer vonstatten gehenden Ausbruchversuch Erika Kohuts aus der Beziehung zu ihrer geradezu diktatorisch dominanten Mutter (charakterisiert als "Inquisition und Erschießungskommando in einer Person", S. 5): ein Ausbruchsversuch, der kläglich scheitert, als Erika Opfer der triebhaften Gewalt ihres Sexualpartners wird und schließlich zu ihrer Mutter zurückkehrt. Wie auch in anderen Romanen Jelineks ist keine partnerschaftliche Sexualität zwischen den Geschlechtern möglich, sie manifestiert sich statt dessen als ständiger Machtkampf und Terrorverhältnis. Autobiographische Parallelen zu Jelinek selbst sind nicht zu übersehen; auch die Autorin nahm auf Drängen ihrer großbürgerlichen, dominanten Mutter Klavierunterricht, auch Jelinek äußert sich in diversen Interviews geradezu verzweifelt darüber, daß für sie so minderwertige Wesen wie die Männer für den Sexualakt leider unentbehrlich seien, auch sie bekennt sich zu einer sadomasochistischen Neigung. Besonders bemerkenswert ist die stilistische Ausgestaltung auch der erotischen Stellen des Textes: Wie Jelinek sich im Zusammenhang mit ihrem wesentlich bekannteren Prosagedicht "Lust" äußerte, liegt ihr wenig an einer pornographischen Anleitung zum "mimetischen Mitkeuchen", sondern provoziert viel lieber eine Deautomatisation des Lektüreprozesses, ein Stolpern und Sich-Verfangen des Lesers im Text. Dies erzielt sie mit einer Bearbeitung der sprachlichen Mikrostruktur mittels der Techniken des Poststrukturalismus (etwa Dekontextualisierungen, semiotischen Isotopiebrüchen, Verknüpfung eigentlich disparater Diskurse und etlichen rhetorischen Stilfiguren). (
) ---
Man kann sich also durchaus längere Zeit mit ihren Texten auseinandersetzen, ohne sich zu langweilen. 
Arne
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- Literaturnobelpreis für Elfriede Jelinek -
Mic,
07.10.2004, 17:18
- Re: Literaturnobelpreis für Elfriede Jelinek -
Peter,
07.10.2004, 17:49
- Re: Literaturnobelpreis für Elfriede Jelinek - Arne Hoffmann, 07.10.2004, 18:22
- Re: Literaturnobelpreis für Elfriede Jelinek - Magnus, 07.10.2004, 18:53
- Elfriede Jelinek hat die Hosen voll -
Ekki,
07.10.2004, 18:29
- Re: Elfriede Jelinek hat die Hosen voll - Arne Hoffmann, 07.10.2004, 20:12
- Re: Literaturnobelpreis für Elfriede Jelinek - Texaco, 07.10.2004, 21:09
- Re: Literaturnobelpreis für Elfriede Jelinek -
Peter,
07.10.2004, 17:49